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21.03.2014

08:12 Uhr

Eine Sache der Haltung

Was beim Kauf eines E-Bikes zählt

Quelle:dpa

Pedelecs machen das Radfahren einfacher - schließlich unterstützt ein Elektromotor den Fahrer beim Strampeln. Die Technik ist aber komplex. Experten erklären, was Kunden beim Kauf eines E-Bikes beachten müssen.

Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung gibt es inzwischen für jeden Einsatzzweck - auch fürs Gelände. Foto: pd-f dpa

Fahrräder mit elektrischer Tretunterstützung gibt es inzwischen für jeden Einsatzzweck - auch fürs Gelände. Foto: pd-f

BerlinViele Radfahrer wollen nicht ohne elektrische Hilfe in die Pedale treten. Wer sich für ein sogenanntes Pedelec oder E-Bike mit Tretunterstützung bis 25 km/h interessiert, sollte sich für den Kauf Zeit nehmen. Denn die motorisierten Bikes sind technisch komplexer als herkömmliche Fahrräder. Eine gute Beratung ist deshalb Pflicht.

Damit die Qualität stimmt, empfiehlt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), Pedelecs nur im Fachhandel zu kaufen. Solche Räder brauchen zum Beispiel eine stabilen Rahmen und gute Bremsen. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Bremsen mehr beansprucht werden», erklärt Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV).

Die Größe des Modells und die Sitzposition des Fahrers müssen optimal sein, damit lange Touren Spaß machen. «Die Modelle unterscheiden sich doch sehr stark», sagt ADFC-Sprecher René Filippek. «Der Rahmen muss passen, die anderen Komponenten sind nur für Feineinstellungen.» Der Rücken dürfe nicht krumm sein, die Arme nicht durchgestreckt. Ein Fachhändler erkenne, ob ein Rad zum Kunden passt.

Ebenfalls wichtig ist die Wahl des passenden Antriebs. Es wird unterschieden zwischen Vorderrad- und Hinterrad-Nabenmotoren und Mittelmotoren, die in den Rahmen integriert sind. Je nach Position des Antriebs ist der Effekt unterschiedlich, erklärt Klaus Fleischer, Bereichsleiter E-Bike-Systeme bei Bosch. Ganz einfach lässt sich sagen: Am Vorderrad zieht der Motor, am Hinterrad schiebt er, beim Zentralantrieb ist der Effekt in etwa neutral.

René Filippek zufolge geht der Trend in Deutschland zum Mittelmotor. Technisch und vom Fahrgefühl her bietet der Zentralantrieb Vorteile: «Er ermöglicht einen tiefen Schwerpunkt», erklärt Bosch-Experte Fleischer. Dadurch entstehe ein Fahrverhalten wie bei einem normalen Fahrrad - das Zusatzgewicht des Motors beeinflusst die Steuerung des Zweirads nicht. «Mit einem Zentralantrieb kann der Radfahrer an der Hinterachse außerdem mit jeder Art von Schaltung fahren.» Mit einem Nabenmotor ließen sich dagegen viele Schalttypen nicht kombinieren.

Die Fahrt mit einem Pedelec ist gewöhnungsbedürftig dpa

Die Fahrt mit einem Pedelec ist gewöhnungsbedürftig

Sportliche Räder haben eher einen Hinterrad-Nabenmotor. Denn die Übertragung der Leistung ist größer. Allerdings gebe es damit eine große ungefederte Masse am Hinterrad, erklärt Fleischer. «Das ist von der Dynamik und Balance her eine ungeschickte Gewichtsverteilung.» Ein weiterer Nachteil sei der schlechtere Wirkungsgrad: «Bei vergleichbar großer Batterie erzielen die Motoren eine geringere Reichweite.»

Ganz wesentlich ist das Thema Fahrgefühl: Wie ist der Antritt? Wie wird er umgesetzt auf den elektrischen Antrieb? Um das zu testen, ist eine Probefahrt nötig. «Man sollte auf jeden Fall ausprobieren, welche Einstellungsstufen es gibt», rät ZIV-Geschäftsführer Neuberger. Einige Modelle seien mehr auf hohe Tretunterstützung ausgelegt, andere mehr auf große Reichweite.

Kleine E-Bike-Typologie

Pedelecs

Pedelecs leiten ihren Namen aus den englischen Begriffen "Pedal, Electric Cycle" ab. Ein elektrischer Hilfsmotor unterstützt den Radler nur solange dieser in die Pedale tritt. Das Fahrrad darf nicht mehr als 250 Watt Leistung bereitstellen und nicht schneller als 25 km/h sein.

In vielen Bundesländern ist für Pedelecs mindestens die Mofa-Prüfbescheinigung erforderlich. Sie steht Fahrern ab 15 Jahren offen und umfasst eine theoretische und praktische Ausbildung sowie eine Theorie-Prüfung. Personen, die vor dem 01. April 1965 geboren wurden, benötigen aber lediglich einen Personalausweis. Die Mofa-Prüfbescheinigung ist in den Motorradführerscheinen A, A1 und A2 sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten.

Für Pedelecs ist nur dann keine eigene Haftpflichtversicherung notwendig, wenn sie in der Privathaftpflicht enthalten ist. Oft sind in alten Verträgen Elektroräder aber nicht enthalten. Dann ist eine schriftliche Bestätigung vom Versicherer anzufordern, dass Pedelecs im Vertrag eingeschlossen sind.

Es besteht keine Helmpflicht.

S-Pedelecs

Schnelle Pedelecs sind sogenannte "S-Pedelecs", auch Schweizer Klasse genannt. Sie unterstützen den Fahrer durch den bis zu 500 Watt starken Elektromotor bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Auch hier arbeitet der Motor nur, wenn der Fahrer in die Pedale tritt.

Für den Betrieb ist bei S-Pedelecs ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Im Straßenverkehr benötigt der Fahrer die Fahrerlaubnis für Kleinkrafträder der Klasse M. Seit 19. Januar 2013 heißt diese Klasse AM und ist in den Motorradführerscheinen sowie im Pkw-Führerschein der Klasse B (früher Klasse 3) enthalten. Die Klasse AM steht Personen ab 16 Jahren offen und schließt sowohl eine theoretische als auch praktische Prüfung ein.

S-Pedelecs werden wie Kleinkrafträder eingestuft und dürfen nicht auf dem innerstädtischen Radwegnetz fahren. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen S-Pedelecs nur Radwege benutzen, wenn diese durch das Zusatzschild "Mofas frei" für den Kraftverkehr freigegeben sind.

Es besteht Helmpflicht.

E-Bikes

Im Gegensatz zu Pedelecs und S-Pedelecs besitzen E-Bikes einen maximal 500 Watt starken Antrieb, der unabhängig vom Tritt in die Pedale funktioniert. Über einen Drehgriff oder Schalter am Lenker steuert der Fahrer die Motorleistung des bis zu 20 km/h schnellen E-Bikes. Höhere Geschwindigkeiten sind vom Tritt in die Pedale abhängig.

E-Bikes gelten wie S-Pedelecs als Kleinkraftrad und benötigen ein Versicherungskennzeichen sowie eine Betriebserlaubnis. Das Führen des E-Bikes setzt mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung voraus.

Es besteht Helmpflicht.

Egal, für welchen Antrieb sich der Kunde entscheidet - die Technik sollte auf dem neusten Stand sein. E-Bikes vom Discounter hätten oft eine veraltete Akkutechnik, sagt Filippek. Ersatzteile gebe es oft nicht mehr, obwohl die Akkus irgendwann getauscht werden müssten. «In einem solchen Fall habe ich Elektroschrott.»

Als realistischen Preisrahmen für gute Pedelecs nennt Siegfried Neuberger etwa 1.500 bis 2.000 Euro im Durchschnitt. Der ADFC setzt höher an: Unter 1.800 Euro seien in der Regel keine rundum empfehlenswerten Modelle zu finden.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

24.03.2014, 11:59 Uhr

Wenn der Akku leer ist, habe ich ein behäbiges 25-kg-Trumm mit gruseligen, ergonometrischen Eigenschaften unter dem Allerwertesten. Toll!
Da lobe ich mir meinen alten, leichtgewichtigen, auf meine Körpergröße zugeschnittenen (!) Randonneur, mit dem ich ggf. stundenlang ein Tempo halte (Trittfrequenz >90), von dem der "Opa-Pedelec" fahrende nur träumen kann. Und das sage als jemand, der auch schon auf die 60 zugeht!

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