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11.04.2011

14:47 Uhr

Erfahrungsbericht

Erdgasauto? Na klar!

Wirtschafts- und Autojournalist Felix E. Bauer fährt seit fünf Jahren Erdgas-Fahrzeuge und hat zahlreiche Reisen, Kurztripps und Langstreckenfahrten damit unternommen. Seine Bilanz.

Felix Bauer mit Erdgas-Caddy in Moskau

Felix Bauer mit Erdgas-Caddy in Moskau

Seit dem Jahr 2002 beschäftige ich mich intensiv mit Erdgasfahrzeugen. Bald wurde mir klar: Damit das Erdgas-Auto nicht nur als Kurzstrecken- oder Zweitwagen mit beschränktem Aktionsradius als problemloser Ersatz gegenüber einem Benziner oder Diesel in Frage kommt sondern auch als komfortabel zu nutzender Erstwagen oder gar als Alleinfahrzeug braucht es zwei Dinge: Reichweite und Planung. Die Reichweite eines Erdgasfahrzeugs ist wie bei Immobilien die Lage, das A & O.

Der Grund: Wer will auf einer Langstrecke schon alle 200 Kilometer die Autobahn verlassen, zehn Kilometer durch die Pampa fahren um dann bei einem örtlichen Gasversorger aufzutanken und dann erst wieder auf die Strecke. Wer das ohne Zeitverlust und dem damit verbundenen Gemecker der Mitfahrer vermeiden will, musste bis vor zwei, drei Jahren seine Strecken noch optimal Planen: Das Wochenende schnell mal von Hamburg nach München und zurück hieß, sich vorher die autobahnnahen Tankstellen heraussuchen und die notwendigen zwei bis vier Tankstopps je nach Verbrauch des eigenen Fahrzeugs herausarbeiten.

Auch musste man immer wissen, welche Erdgastankstellen in der häuslichen Umgebung sind, damit man vor einer großen Fahrt nicht extra zum Auftanken dorthin muss, sondern sich die Betankung auf den üblichen Wegen der täglichen Besorgungen erledigen ließ. Spontan nach Fehmarn und zurück nach Hamburg ging nur mit vollem Tank ab Haustüre oder mit entsprechender Strecken- und Tankstellenkenntnis.

Dass genaue Planung keine zeitlichen Einbußen gegenüber einem herkömmlichen Benzin- oder Dieselfahrzeug bedeutet, fanden wir dagegen auf einer Fahrt von Stuttgart nach Moskau heraus.  Auch wenn die Betankung direkt an der Pipeline schon abenteuerlich war, Versorgungsprobleme gab es keine. Dafür hatten meine Mitfahrer auf einer Skireise nach Frankreich so richtig die Hasskappe auf. Zwar gab es genug Erdgastankstellen an der Strecke, doch hatten diese alle ab 18:00 Uhr geschlossen. Das hieß alle 70 Kilometer den Benzinnottank füllen und damit eine erhebliche Zeitverzögerung. Schlecht geplant eben.

Alles wird besser

Nach gut 70.000 Kilometern Erdgas durch neun Länder in und um Europa wächst nun eine neue Erkenntnis. Die Reichweite ist immer noch wichtig, aber man muss nicht mehr groß planen. Die Gastanks meines fünf Jahre alten VW Caddy Eco Fuel reichen – je nach Fahrweise und Beladung für 320 bis 450 Kilometer Strecke (Ja, so groß ist die Differenz zwischen Vollgas und vollbeladen und gemächlichen 140 km/h und halbleer wirklich).

Und dann ist aus verkehrssicherheitstechnischen Überlegungen oder körperlichen Bedürfnissen eh Zeit für die nächste Pause. Das App im Smartphone oder im Navi weist mir rechtzeitig den Weg zur nächsten Tankstelle, zeigt mir Öffnungszeiten und auch aktuelle Preise und Gas-Qualität an. Auch die letztere hat einen Einfluss auf die Reichweite. L-Gas ist zwar billiger, doch hinkt die Energieausbeute sehr hinter H-Gas hinterher, sprich die Reichweite der nächsten Tankfüllung sinkt um cirka 20 Prozent.

Kommentare (1)

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anacronataff

13.04.2011, 12:00 Uhr

Mit Passat EcoFuel 1.4 TSI bin ich nach einem Jahr und fast 40000km zur Zeit im Schnitt bei 5Euro/100km. Habe den Benzin-Tank bislang nur dreimal gefüllt. Reichweiten mit CNG ist von 350km(L-Gas in der Stadt) bis 700km (H-Gas auf AB hinter in Windschatten hinter LKW) möglich. Dann noch 31 Liter Benzin. Also Reichweite satt. Btw. Motor hat 150PS mit 220Nm.

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