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17.08.2012

12:47 Uhr

Fingierte Schäden abgerechnet

Neue Betrugsmasche bei Gebrauchtwagen

Quelle:MID

Millionen Gebrauchte stehen online zum Verkauf, das lockt Betrüger an. Jüngster Trick: Mit dem Kennzeichen und der Versicherung eines angebotenen Fahrzeugs werden fingierte Schäden bei der Versicherung abgerechnet.

Sauber geputzt und sonnig ins Bild gesetzt, so stellen Anbieter von Gebrauchtwagen gerne ihr Auto im Internet zum Verkauf. Doch mit lesbarem Nummernschild kann das eine Einladung zum Versicherungsbetrug sein. PR

Sauber geputzt und sonnig ins Bild gesetzt, so stellen Anbieter von Gebrauchtwagen gerne ihr Auto im Internet zum Verkauf. Doch mit lesbarem Nummernschild kann das eine Einladung zum Versicherungsbetrug sein.

MönchengladbachZur wichtigen Börse für gebrauchte Autos hat sich das Internet entwickelt. Millionen von Gebrauchtfahrzeugen werden im Internet auf Auto-Onlnebörsen wie Ebay, Autoscout24 oder Mobile zum Verkauf angeboten. Das wachsende Angebot lockt auch Betrüger magisch an, die allzu arglose Käufern wittern. Die jüngste Masche: Mit dem Kennzeichen und der Versicherung eines angebotenen Fahrzeugs rechnen Gangster fingierte Schäden bei der Versicherung ab. Dabei gehen die Betrüger folgendermaßen vor: Vermeintliche Käufer rufen den Verkäufer an und informieren sich über technische Details und den optischen Zustand des Fahrzeuges. Nachdem der Verkäufer alle Informationen telefonisch durchgegeben hat, folgt noch der Austausch genauerer Angaben über die Versicherung - und schon schnappt die Falle zu.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Ahnungslose Verkäufer fotografieren ihren Wagen gerne von allen Seiten, um ihn optimal auf einem der zahlreichen Autoportale zum Kauf anzubieten. Dabei unterläuft den Anbietern oft der gefährliche Schnitzer, den Wagen mit den Kennzeichen zu fotografieren und die bei der Veröffentlichung nicht unkenntlich zu machen.

Mit dem Kennzeichen und der Versicherung hat der Betrüger leichtes Spiel. Er meldet einen Schaden, den es in Wahrheit gar nicht gibt. Wochen später erhält der Halter des Autos eine Schadensmeldung und eine falsche Kontoverbindung. Auf dieses Konto wurde oder wird die Summe beglichen.

Janneke Aslander, Geschäftsführerin des Online Vergleichsportals "Kfzversicherungen.org": "Für den Betroffenen kann diese Masche fatale Folgen haben. Im schlimmsten Fall kann die Versicherung den Vertrag kündigen oder einen höheren Eigenanteil ansetzen. Wir raten jedem Autoverkäufer dringend, kein Kennzeichen bei einem Verkauf zu fotografieren oder es auf einem Foto unkenntlich zu machen."

Kommentare (1)

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BenWish

22.08.2012, 09:49 Uhr

Sollte die Versicherung beim Versicherten, bevor sie Geld überweist, nicht zunächst einmal nachfragen, ob er Angaben zum Vorfall machen kann oder will?

Ansonsten würde ich sagen ist das zunächst einmal das Problem der Versicherung, die auch eine gewisse Sorgfaltspficht hat.

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