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03.08.2017

17:35 Uhr

Ford, BMW, Toyota

Das Kleingedruckte der Diesel-Abwrackprämie

VonMichael Scheppe, Jakob Blume, Julian Beimdiecke

Nach dem Dieselgipfel trumpfen die Autohersteller mit Abwrackprämien für alte Dieselautos auf. BMW verspricht 2000 Euro beim Kauf eines neuen Wagens. Doch wie überstürzt die PR-Kampagnen der Hersteller sind, zeigt Ford.

Autobosse auf dem Dieselgipfel

„Ich weiß, dass Vertrauen verloren gegangen ist“

Autobosse auf dem Dieselgipfel: „Ich weiß, dass Vertrauen verloren gegangen ist“

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DüsseldorfSchon vor dem Dieselgipfel arbeiteten viele Autohersteller an einer vertrauensbildenden Maßnahme: Bares Geld für alte Diesel. Bis zu 8000 Euro Prämie verspricht etwa Ford neuen Kunden, die ihren alten Wagen mit Diesel gegen einen neuen und schadstoffärmeren Ford eintauschen. Dem US-Autobauer, der auch in Köln produziert, war diese Ankündigung ganzseitige Anzeigen mit dem Titel „Ford Umwelt-Initiative“ in Tageszeitungen wert. Interessenten können auch einen neuen Benziner kaufen und bekommen den Bonus ausgezahlt – sofern ihnen das alte Fahrzeug seit mindestens sechs Monaten gehört.

Das Angebot klingt zunächst verlockend, Enttäuschung droht aber beim Blick ins Kleingedruckte der Anzeige: Denn nicht die ganze Fahrzeugpalette des Herstellers steht für Bonuszahlungen zur Verfügung. Ausgerechnet die Elektro-Variante des Mittelklassemodells Focus ist von der Marketingaktion ausgenommen. Eine Sprecherin konnte auf Handelsblatt-Anfrage zunächst nicht beantworten, warum Ford bei einer „Umwelt-Initiative“ das wohl sauberste Modell von der Prämienzahlung ausschloss.

Wenig später gibt es Aufklärung. Es habe sich schlicht um einen Fehler gehandelt. „Der elektronische Focus ist natürlich nicht ausgeschlossen“, so die Ford-Kommunikationsabteilung. Der Fehler war auf der Ford-Website bis zum Nachmittag noch nicht korrigiert.

Die Ergebnisse des Dieselgipfels

Verantwortung

Die Verantwortung, für die Einhaltung der NOx-Grenzwerte von Diesel-Autos zu sorgen, sieht die Politik „zu allererst“ bei den Autoherstellern. Bei denen sei nach den unzulässigen Diesel-Abgasmanipulationen und angesichts des Verdachts illegaler Kartellabsprachen eine neue Verantwortungskultur nötig.

Grundsätzliche Zielsetzung

Den Unternehmen wird aufgegeben, „ein rasches, umfassendes und belastbar wirksames Sofortprogramm zur Minderung der NOx-Belastungen“ durch Dieselfahrzeuge sowie technologische Anstrengungen zur Optimierung der Dieseltechnologie einzuleiten. Es bedürfe zudem „eines starken Beitrages“, um betroffene Kommunen zu unterstützen, Fahrverbote zu vermeiden.

Umrüstung

Die deutschen Autofirmen sagten zu, insgesamt 5,3 Millionen Diesel-Fahrzeuge nachzurüsten, wobei aber in dieser Zahl bereits 2,5 Millionen nachgerüstete Diesel-Pkw von Volkswagen enthalten sind. Es geht um Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 5 und Euro 6. Die Kosten tragen die Hersteller, wobei sie allein das nach Angaben des VDA rund 500 Millionen Euro kosten wird. Zudem sichern die deutschen Autobauer zu, dass den Fahrzeughaltern durch die Nachrüstung keine Folgeschäden entstehen und die geltenden Anforderungen an Schadstoff- und C02-Ausstoß eingehalten werden.

Umstiegsanreize

Die Autobauer haben eigene Anreizprogramme zugesagt, um den Umstieg von älteren Diesel-Autos auf Fahrzeuge mit moderner Abgasreinigung oder Elektro-Autos zu fördern. BMW zum Beispiel zahlt europaweit bis zu 2000 Euro als Anreiz für den Umstieg von einem alten Diesel-Modell des Herstellers auf ein schadstoffärmeres Fahrzeug. Zu den Kosten des Umstiegs machten die Konzerne noch keine Detailangaben.

Fonds „Nachhaltige Mobilität“

Zur Unterstützung der Kommunen bei der Luftreinhaltung soll es einen Fonds „Nachhaltige Mobilität in der Stadt“ im Gesamtumfang von 500 Millionen Euro geben. Die Hälfte davon will der Bund beisteuern. Den Rest sollen die deutschen Autokonzerne gemäß ihrem Marktanteil zahlen. Auch ausländische Wettbewerber in Deutschland will die Regierung zur Beteiligung drängen.

Ausländische Hersteller

Die internationalen Konkurrenten der deutschen Autofirmen werden aufgefordert, vergleichbare Maßnahmen zur Abgasminderung zu ergreifen und sich an der Initiative zu beteiligen. Dass sie das bislang nicht tun wollen, nannte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt „völlig unakzeptabel“ und kündigte Druck an.

Stärkere Kontrollen

Der Bund will die Abgas-Kontrollen mit regelmäßigen Stichproben-Prüfungen des KBA bei zugelassenen Fahrzeugen verstärken. Die Wirksamkeit der Nachrüstung soll durch das KBA und andere Genehmigungsbehörden geprüft werden.

Bund will Schadstoffminderung stärker fördern

Der Bund will darüber hinaus seine „Förderkulissen für emissionsmindernde Maßnahmen im städtischen Verkehr“ erweitern und ausbauen. Das gilt etwa für die Anschaffung von Elektrobussen im öffentlichen Nahverkehr und emissionsärmeren Nutzfahrzeugen.

Perspektiven

Die technische Nachrüstung von Diesel-Autos wird von der Politik nur als erster wichtiger Schritt zur Senkung des Stickoxid-Ausstoßes eingeordnet. „Weitere Schritte müssen folgen“, heißt es. Auf dem Tisch ist dabei auch noch die Forderung weitergehender, teurerer Umrüstungen.

Andere Modelle, etwa der Ford Mustang oder der Ford Focus RS, sind von dem Programm ausgeschlossen, weil sie in „zu kleiner Stückzahl produziert werden“, hieß es bei Ford.

Bei allen Marken lohnt ein Blick ins Kleingedruckte für die Anti-Diesel-Programme. Der Überblick:

Ford

Bei den Kölnern bekommen nur die Halter der ganz alten Dreckschleudern einen Bonus: Alle Dieselfahrzeuge, die nach dem 1. Januar 2006 zugelassen wurden, sind davon ausgenommen. Die „Umwelt-Initiative“ gilt lediglich für Fahrzeuge bis zur Euro-3-Norm. Die Marke des alten Fahrzeugs spielt keine Rolle – der neue Wagen muss aber selbstverständlich ein Ford sein.

Als einziger Autohersteller besteht Ford auf der Verschrottung der alten Dieselautos. Die Halter müssten, verspricht Ford, ihrem Händler das Verschrottungszertifikat vorlegen und würden dann den Bonus angerechnet bekommen. Und der ist gestaffelt – je nach Modell, für das sich der Käufer entscheidet: Für einen Ford Mondeo Hybrid, der rund 36.000 Euro kostet, bekommt der Käufer die volle Prämie von 8000 Euro. Halb so viel wird auf einen neuen Fiesta angerechnet, der für rund 13.000 Euro im Autohaus steht. Das Angebot gilt nur bis Ende des Jahres.

BMW

BMW musste wie Ford auch zum Dieselrapport in Berlin antreten. Die Wechselprämie fällt bei dem Münchener Hersteller aber deutlich geringer aus. Bis zu 2000 Euro stellen die Bayern ihren Kunden in Aussicht – der genaue Betrag hängt davon ab, welches neue Modell sich der Kunde dann aussucht. Eine genaue Staffelung ist hier bisher aber noch nicht festgelegt. Kunden können ihren Diesel – unabhängig von der Marke – bei einem BMW-Händler abgeben. Bedingung: Der Diesel muss der Abgasnorm Euro-4 oder einer noch älteren angehören und mindestens ein Jahr auf den Halter des Wagens zugelassen sein. Der Händler nimmt dann den alten Wagen in Zahlung.

Was mit den abgegebenen Dieseln passiert, steht bisher noch nicht fest. Der Kunde kann sich anschließend einen BMW oder einen Mini aussuchen, der pro Kilometer weniger als 130 Gramm CO2 ausstößt – egal, welchen Antrieb das Auto hat. Eventuelle zusätzliche Angebote wie der Umweltbonus beim Kauf von Elektroautos kommen dann noch oben drauf. Ab wann genau die Prämie eingelöst werden kann, wird laut BMW wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche bekanntgegeben.

Kommentare (8)

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H. M.

03.08.2017, 15:40 Uhr

Die prämie bekommen sie bei einem Neuwagenkauf. Da derzeit Neuwagen und Tageszulassungen mit bis 30% Rabatt verkauft werden kann man davon aushgehen dass die Dieselprämie wie auch die Elektroprämie verrechnet wird.
Bei der Elektroprämie wurden die sonstigen Verkaufshilfen eingestellt oder rduziert wie man in der Presse nachlesen konnte.

Novi Prinz

03.08.2017, 16:26 Uhr

Schon jetzt waren die Listenpreise "Mondpreise " , jetzt wird auf " Mars" umgestellt und die Sache stimmt . Ich glaub`et Dich !

Sergio Puntila

03.08.2017, 17:11 Uhr

fein.
im globalisiert sich gerierenden Verlogenheitswettbewerb steht inzwischen niemand niemandem in irgendwas irgendetwas nach.

Wir merken uns: Merkur war und ist der Gott der Diebe und Kaufleute - selbst Made (durchaus auch das Insekt im Fett) in Germany.

Halleluja

Der Dumme ist der meist oberschlau auftretende Kunde, der eigentlich nur seine selbstgebastelten Märchen kaufen möchte und zu zahlen bereit ist und nix anderes: weil - wer hats erfunden?
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