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12.11.2013

12:54 Uhr

Gebrauchtwagen-Kauf

Wie man Tacho-Manipulation erkennt

Quelle:Spotpress

Moderne Autos sind gegen die Manipulation des Kilometerstandes kaum geschützt. Gebrauchtwagenkäufern bleibt nur genaues Studium der Unterlagen und der gesunde Menschenverstand, um einen überteuerten Kauf zu vermeiden.

Beim Autoverkauf wird getrickst, wo es sich am meisten lohnt: Bei relativ neuen und teuren Fahrzeugen, gerne auch bei Leasingautos. gms

Beim Autoverkauf wird getrickst, wo es sich am meisten lohnt: Bei relativ neuen und teuren Fahrzeugen, gerne auch bei Leasingautos.

Frage: In letzter Zeit wird viel über Tacho-Manipulation geschrieben. Wie kann ich mich beim Gebrauchtwagenkauf dagegen schützen?

Antwort von Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der KÜS: Tacho-Manipulation ist tatsächlich ein wachsendes Problem. Nie zuvor war es für Betrüger leichter, den Kilometerstand zurückzudrehen. Statt Geschick und Bohrmaschine braucht es dazu heute nur noch Know-How und einen Computer. Man schätzt, dass knapp jeder dritte Gebrauchtwagen mit manipuliertem Tacho angeboten wird.

Die größten Betrüger sind dabei nicht unbedingt die häufig schlecht beleumundeten „Fähnchenhändler“. Denn besonders häufig wird getrickst, wo es sich am meisten lohnt: Bei relativ neuen und teuren Fahrzeugen, gerne auch bei Leasingautos.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Dort lässt sich der Preis schnell um einige tausend Euro hochschrauben. Das Risiko ist für die Betrüger gering, denn das Zurückstellen des Tachostandes allein ist keine Straftat, ebenso wenig wie der Besitz der dafür nötigen Ausrüstung – juristisch relevant wird die Manipulation erst, wenn das Auto verkauft werden soll, ohne dass sie erwähnt wird.

Anders die mechanischen Tacho-Manipulation ist die elektronische äußerlich nie zu erkennen. Wer nicht übers Ohr gehauen werden will, sollte daher die Unterlagen des Vorbesitzers gründlich prüfen. Passt die Abnutzung des Innenraums zu den Angaben auf dem Tacho? Stimmen die Daten im Scheckheft und von den HU-Belegen mit dem Kilometerstand überein?

Auch die Zettel und Aufkleber, die nach Öl- oder Zahnriemenwechsel im Motorraum oder an der A-Säule angebracht werden, geben Hinweise auf die tatsächliche Laufleistung.

Empfehlenswert ist es auch, nach einer Dokumentation der Service- und Wartungshistorie zu fragen. Diese ist über den Hersteller oder seine Händler zu bekommen führt inklusive dem jeweiligen Kilometerstand auf, welche Arbeiten die Vertragshändler der Marke bisher vorgenommen haben. Dafür ist allerdings die Zustimmung des Vorbesitzers nötig. Weigert dieser sich, sollte man bereits misstrauisch werden.

Auch einfache Rechenübungen können Betrüger enttarnen. Das deutsche Durchschnittsauto wird im Jahr 12.000 Kilometer bewegt. Diesel-Limousinen fahren dabei deutlich weitere Strecken als Kleinwagen für die Stadt oder Sportwagen für den Wochenendausflug.

Zum Beispiel dürfte eine Mercedes E-Klasse mit Dieselmotor und einer Laufleistung von weniger als 20.000 Kilometern pro Altersjahr eine echte Seltenheit sein. Wenn es für den geringen Kilometerstand keine einleuchtende Erklärung gibt, etwa das klassische Rentnerauto, dann lässt man besser die Finger vom Angebot.

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