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29.06.2012

09:59 Uhr

Hauptuntersuchung

Keine Plakette mehr ohne Probefahrt

Quelle:Handelsblatt Online

Ab 1. Juli tritt die Reform der Hauptuntersuchung (HU) für Fahrzeuge in Kraft. Sie gilt zwar zunächst nur für alle ab diesem Datum neu zugelassenen Pkw. Aber die Änderungen sind durchaus gravierend.

Zum 1. Juli 2012 ändert sich die Hauptuntersuchung. Pressefoto

Zum 1. Juli 2012 ändert sich die Hauptuntersuchung.

DüsseldorfAutofahrer müssen sich ab 1. Juli 2012 auf einige neue Regeln bei der Hauptuntersuchung einstellen. Vorgesehen sind unter anderem die Prüfung der elektronischen Sicherheitssysteme und eine kurze Testfahrt sowie eine bundesweit einheitliche Mängelbeschreibung. Die Rückdatierung der HU entfällt künftig.

Wichtigste Neuerung der modernisierten Hauptuntersuchung ist eine umfassende Prüfung der elektronisch gesteuerten Sicherheitssysteme, wie Airbags, ABS, ESP oder Notbremsassistent. Über die Diagnose-Schnittstelle soll künftig geprüft werden, ob die sicherheitsrelevanten elektronischen Systeme richtig funktionieren. Die Elektronikprüfung kommt schrittweise für alle Fahrzeuge, die ab 1. Juli 2012 neu zugelassen werden.

„Mit den Neuregelungen werden einerseits die europäischen Vorschriften umgesetzt und die Hauptuntersuchung an den Stand der Fahrzeug- und Prüftechnik angepasst, anderseits wird durch die neuen Vorschriften ganz klar die Sicherheit erhöht. Die Funktionstüchtigkeit elektronischer Bauteile kann mit der neuen Prüftechnologie effizienter und qualitativ hochwertiger beurteilt werden“, sagt Torsten Hesse vom TÜV Thüringen.

Die Prüfung der Fahrzeugelektronik wird abhängig von der Erstzulassung des Fahrzeugs gestaffelt eingeführt. Mittels einer einheitlichen Software kann über einen Adapter über die Fahrzeugschnittstelle die Ausführung, der Zustand, die Funktion und die Wirkung der elektronischen Komponenten geprüft werden. Die Schnittstellenprüfung erlaubt zukünftig beispielsweise auch die Kontrolle der lichttechnischen Einrichtung inklusive dem Kurvenlicht.

Tipps für ein langes Auto-Leben

Öl regelmäßig wechseln

Autobauer geben vor, wie oft das Öl des eigenen Fahrzeugs gewechselt werden muss. Auch welche Sorte und Viskosität die richtige ist, findet man in den Hersteller-Informationen. An diese Vorgaben sollten sich Fahrzeugbesitzer dringend halten, denn Motoröl schmiert nicht nur - auch Metallpartikel und Verbrennungsrückstände lagern sich mit der Zeit darin ab.

Inspektionen nach Wartungsplan

Bei Inspektionen sollten die Wartungspläne des Herstellers genau eingehalten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle möglichen Schwachstellen überprüft und gegebenenfalls auch gefunden werden können. Außerdem wichtig: Der Zahnriemen des Autos sollte regelmäßig ausgetauscht werden.

Langsam "Warmfahren"

Auf den ersten Kilometern sollten Autofahrer den Motor mit relativ niedriger Drehzahl warmfahren. Der Grund: Der Motor besteht aus verschiedenen Materialien, die sich nach dem Kaltstart unterschiedlich schnell erwärmen und demzufolge auch ausdehnen. Zu schnelles Aufs-Gas-Drücken könnte also dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt und klemmt. Hinzu kommt, dass auch das Öl nach dem Start noch kalt und zähflüssig ist - es braucht also eine gewisse Zeit, um zu den Schmierstellen gepumpt zu werden.

Motor abkühlen lassen

Turbomotoren können sich sehr stark erhitzen. Damit das Öl nicht an der Achse des Turbinenrades verkohlt und die Ölkanäle verstopft, sind Fahrer gut beraten, wenn sie den Motor ein paar Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.

Kurzstrecken und Kaltstarts vermeiden

Beim Kaltstart eines Verbrennungsmotors wird das Kühlwasser und Öl nicht vorgewärmt. Auch im Schmierölkreislauf kann vorher kein Druck aufgebaut werden. Die hohen Temperaturunterschiede belasten den Motor. Unnötige Kaltstarts und Kurzstrecken sollten aus diesen Gründen vermieden werden.

Drehzahlen im Auge behalten

Wird ein kaltes Triebwerk zu hoch gedreht, führt das zu Verschleißerscheinungen. Wer permanent mit voller Leistung fährt, wird auch trotz behutsamen "Warmfahrens" und regelmäßigem Ölwechsel mit mehr Abnutzungserscheinungen rechnen müssen. Aus diesem Grund sind Drehzahlen im mittleren Bereich zu empfehlen.

Durchlüftung

Auch wenn das Merkmal "Garagenwagen" bei Gebrauchtwagenkäufern gern gesehen ist, trocknen nasse Fahrzeuge aufgrund der mangelnden Belüftung in Garagen meist langsamer - vor allem in den Zwischenräumen. Besser aufgehoben sind Autos in einem Carport.

Reinigung

Die Schmutz- und Rostnester eines Autos liegen meist im Verborgenem. Deswegen sollte bei einer Reinigung wirklich gründlich vorgegangen werden. Dabei sollten vor allem die Tür- und Haubenkanten, die Radläufe und der Unterboden nicht vergessen werden.

Hohlraumkonservierung

Wer seinem Fahrzeug ein langes Leben bescheren möchte, sollte Hohlräume und den Unterboden vor Rost schützen. Am besten geht das mit Wachs oder Fett.

"Reifenschonend" fahren

Wer ständig über Bordsteine und durch Schlaglöcher brettert, setzt nicht nur den Reifen seines Autos ordentlich zu, sondern auch eine Achse wird das auf Dauer kaum unbeschadet aushalten können. Deswegen ist bei solchen Hindernissen Vorsicht gefragt.


Künftig erhalten Autofahrer bei der HU zudem einen genaueren Prüfbericht, der den konkreten Mangel und dessen Lage nach einem bundesweit einheitlichen System ausweist. Wenn anstelle von „Bremsanlage“ im Prüfbericht künftig „Bremsscheibe 1.Achse links verschlissen“ steht, erhält der Autofahrer einen genaueren Hinweis, was am Fahrzeug repariert werden muss.

Höhere Gebühr bei Terminüberziehung

Neu ist auch, dass die Prüfplakette nicht mehr rückdatiert wird, wenn das Fahrzeug zu spät zur Hauptuntersuchung kommt. Das heißt: Die neue Plakette ist ab dem Zeitpunkt der Prüfung für die volle Laufzeit gültig. Da sich der technische Zustand der Fahrzeuge verschlechtert, je weiter die Prüftermine auseinander liegen, verlangt der Gesetzgeber beim Überziehen jedoch eine „vertiefte Untersuchung“, für die eine höhere Gebühr fällig wird.

Wird der Termin um mehr als zwei Monate überschritten, erhöht sich die Prüfgebühr um 20 Prozent. Ansonsten bleibt es bei den bisherigen Gebühren von 54 bis 62 Euro ohne AU je nach Bundesland. Die Fahrzeugexperten des TÜV warnen aber generell davor, mit abgelaufener HU-Plakette zu fahren, zum einen droht ein Bußgeld und im Falle eines Unfalls kann der Versicherungsschutz erlöschen.

Ab Juli kommen bei der HU ebenfalls neue Pflichtuntersuchungspunkte zum Tragen. Künftig wird im Rahmen der Hauptuntersuchung wieder das Warndreieck und der Verbandskasten überprüft. Weiterhin wurde die Mängeleinstufung angepasst, so werden künftig Mängel an lichttechnischen Einrichtungen deutlich strenger bewertet.

Gegen die kürzlich von der EU-Kommission vorgeschlagene verschärfte Neuregelung der TÜV-Hauptuntersuchung sind 92 Prozent. Sie lehnen eine jährliche Prüfung ab, ergab eine aktuelle Umfrage von Autokauf-Internetportals AutoScout24.

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