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19.02.2013

13:26 Uhr

Hersteller-Garantien auf dem Prüfstand

„Ich bin nicht an einem One-Night-Stand interessiert“

Quelle:dpa

Mit Rabatten und günstigen Finanzierungen umwerben Autohändler schon lange ihre Neuwagenkunden. Experten raten, den wirklichen Nutzen dieser Versprechen zu hinterfragen.

Großzügige Garantieversprechen haben zwei Seiten: Neuwagenkunden können davon profitieren - aber nach Ansicht von Verbraucherschützern auch zu Spontankäufen verführt werden. dpa

Großzügige Garantieversprechen haben zwei Seiten: Neuwagenkunden können davon profitieren - aber nach Ansicht von Verbraucherschützern auch zu Spontankäufen verführt werden.

BerlinSieben Jahre unbeschwert Auto fahren - Kia kümmert sich um die Reparaturen bei Mängeln, wechselt das Öl und spielt sogar regelmäßig Updates aufs Navi. Mit diesem in der Branche bisher wohl einzigartigen Versprechen erregt der koreanische Hersteller seit Jahresbeginn Aufsehen. Die Reaktionen seien sehr positiv, erklärt die Kia-Pressestelle. Doch Verbraucherschützer warnen - unabhängig von einzelnen Marken - vor Euphorie bei solchen Angeboten.

Garantiepakete dürften nicht zum Spontankauf verleiten, sagt Mirko Klimas vom Verbraucherzentrale Bundesverband. "Einen kühlen Kopf bewahren und sich fragen: Brauche ich dieses Auto und warum?", rät ADAC-Juristin Silvia Schattenkirchner. Entscheidend sei der wirkliche Nutzen für den Autofahrer. Vor allem müsse das Auto laut Klimas für die geplante Nutzungsdauer und den Zweck passen. Wichtiges Argument sei auch der Wiederverkaufswert. Wenn dann zwei ähnliche Angebote nebeneinanderstehen, könne die Garantie den Ausschlag geben.

Die Garantieversprechen seien ein kompliziertes Thema, bei dem Verbraucher immer genau auf die Konditionen schauen müssen, betont Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. So gilt die Kia-Garantie nur für Privatkunden, das Angebot ist bis zum 31. März 2013 befristet. Die Laufleistung für die kostenlose Wartung ist auf 105.000 Kilometer begrenzt - Vielfahrer dürften diese Grenze nach drei bis vier Jahren überschritten haben. Wartungsmaterial wie Öl, Filter und Bremsflüssigkeit sind inbegriffen, nicht aber Verschleißteile wie Bremsscheiben.

Wenn Hersteller und Verkäufer zu viel versprechen

Korrekte Angaben

Die Regel gilt zwar für alle Preisklassen. Aber die Fehler werden in der oberen Klasse schnell teurer. Darum sollte vor allem darauf geachtet werden, dass im Kaufvertrag das Herstellungsdatum korrekt angegeben ist und dass tatsächlich die Lieferung eines "Inland-Fahrzeugs" vereinbart wird und - falls nicht ausdrücklich gewünscht - die Lieferung eines Re-Imports ausgeschlossen ist.

Schriftliche Vereinbarungen

Gerade bei Edelautos gibt es viele Sonderwünsche. Umso wichtiger ist es, dass alle Vereinbarungen, wie beispielsweise die Lieferung eines speziellen Zubehörs, schriftlich niedergelegt werden.

Die richtige Unterschrift

Auch hier ist schon viel schief gelaufen. Deswegen raten Juristen dazu, unbedingt darauf zu achten, dass der Vertrag von einer vertretungsberechtigten Person auf Verkäuferseite unterschrieben wird.

Die richtige Reihenfolge

Ganz wichtig: Damit Autokäufer nicht ausgenommen werden, sollten sie den Kaufpreis nur Zug um Zug gegen Übergabe des Fahrzeugs mit allen Papieren zahlen. Wer sich hier großzügig zeigt und zu schnell zahlt, kann nachher eine böse Überraschung erleben.

Alle guten Dinge sind zwei

Ist der teure neue Wagen mangelhaft, hat der Verkäufer laut Experten nur zwei Reparaturversuche. Oft wird von Autohäusern und Herstellern behauptet, es gäbe noch einen dritten Versuch. Falsch. Nach schon nach zwei fruchtlosen Nachbesserungsversuchen kann der Käufer vom Kaufvertrag zurücktreten. Gerade bei hohen Kaufpreisen wird hier dann gern gestritten.

Eine Sache für den Anwalt

Nach dem zweiten Reparaturversuch kann die Einschaltung eines Anwalts unter Umständen weiterhelfen. Denn geht es um eine Rücktrittserklärung, sind verschiedene rechtliche Besonderheiten zu beachten.

Ärger und sogar gerichtliche Auseinandersetzungen gebe es etwa immer wieder um Durchrostungsgarantien, die viele Hersteller zwölf Jahre lang übernehmen, berichtet Schattenkirchner. Gemeint ist damit nämlich zur Verblüffung vieler Autofahrer nur ein Durchrosten von innen nach außen durch Materialfehler. Reklamationen wegen äußerer Rostschäden würden oft abgeschmettert, weil ein Steinschlag die Schadensursache war oder weil der Rost nur oberflächlich blüht.

Generell ist in Deutschland eine gesetzliche Gewährleistungszeit von zwei Jahren vorgeschrieben, in der Händler für Sachmängel haften müssen. Eine Nachbesserung gilt während dieser zwei Jahre regelmäßig nach dem erfolglosen zweiten Versuch als fehlgeschlagen. Der Käufer kann dann Kaufpreisminderung verlangen oder bei einem wesentlichen Mangel vom Kaufvertrag zurücktreten - er fährt also zwei Jahre lang auf Nummer sicher.

Wer sein Auto nicht wartet, riskiert teure Reparaturen

Öl

Motoröl muss regelmäßig erneuert werden, denn mit der Zeit lässt seine Schmierfähigkeit nach. Die Wechselintervalle sind allerdings deutlich länger geworden. Empfahl der Kfz-Meister den Ölwechsel früher noch sehr häufig, muss das Motoröl heute oft erst nach 30 000, manchmal sogar erst nach 50 000 Kilometern erneuert werden, so der ZDK. Maßgeblich sind die Empfehlungen der Hersteller. Wer viel Kurzstrecke fährt, sollte das Öl früher wechseln.

Bremsbeläge

Die Abnutzung hängt stark von der Fahrweise ab. Wer oft in die Eisen steigt, muss die Beläge laut GTÜ unter Umständen bereits nach wenigen 10 000 Kilometern wechseln. Manchmal halten sie aber auch 100 000 Kilometer. Klarheit über den Zustand verschafft eine Sichtprüfung in der Kfz-Fachwerkstatt, am besten einmal jährlich. Manche Autos teilen dem Fahrer per Warnleuchte mit, dass der Wechsel ansteht.

Bremsflüssigkeit

Allgemein empfehlen Hersteller, die Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre zu wechseln. Der Grund: Sie zieht mit der Zeit Wasser aus der Umgebungsluft an. Weil Bremsen im Betrieb sehr heiß werden, verdampft dieses Wasser. Das kann kann die Bremswirkung stark beeinträchtigen, da sich Wasserdampf anders als die Bremsflüssigkeit komprimieren lässt. Dadurch wird weniger Bremskraft aufgebaut.

Reifen

Für das Ausrangieren gibt es keine Zeitvorgaben. Experten von VDA und ZDK empfehlen, die Pneus nach rund sechs, spätestens aber nach zehn Jahren zu erneuern, da die Gummimischung mit der Zeit aushärtet und porös wird. Auskunft über den Herstellungszeitraum geben die letzten vier Ziffern der «DOT»-Nummer an der Reifenflanke - «1112» etwa entspricht der 11. Woche des Jahres 2012. Unabhängig vom Alter müssen die Reifen runter, sobald die Profiltiefe geringer ist als die gesetzlich vorgeschriebenen 1,6 Millimeter.

Batterie

Der Stromspeicher hält kein Autoleben lang. Nach vier bis fünf Jahren sollte eine neue Batterie her, um dem Komplettausfall zuvorzukommen. Früher wurden Autobatterien nur zum Starten des Motors genutzt, heute müssen sie Geräte wie Klimaanlage, Sitzheizung oder Infotainment-System versorgen.

Zahnriemen

Der Zahnriemen überträgt die Kraft von Kurbel- auf Nockenwelle und ist grundsätzlich sehr haltbar. Aber er ist einer großen Beanspruchung ausgesetzt. Reißt er, droht ein kapitaler Motorschaden. Um dem vorzubeugen, empfehlen Hersteller den rechtzeitigen Austausch - manchmal nach 100 000, manchmal erst nach 180 000 Kilometern. Vorgaben sollten unbedingt eingehalten werden.

Luftfilter

Er soll den Motor vor Verunreinigungen in der angesaugten Luft schützen. In der Regel befindet sich der Filter in einem Gehäuse und besteht aus einem papierähnlichen Fasergewebe. Ist der Filter durch Schmutzpartikel oder Schwebstoffe zu stark verunreinigt, wird er im Rahmen der Inspektionsintervalle gewechselt. Sonst verschlechtert sich das Abgasverhalten, der Motorverschleiß erhöht sich, und der Spritverbrauch steigt, warnt die GTÜ.

Diese sorgenfreie Zeit ohne Zusatzkosten deutlich zu verlängern, ist natürlich ein verlockendes Angebot der Autobauer, mit dem vor allem Einsteiger oder Unternehmen mit noch geringem Marktanteil für sich werben. Neben Kia bietet beispielsweise die größere Schwester im koreanischen Konzern, Hyundai, eine fünfjährige Garantie. Toyota steht drei Jahre für seine Neuwagen gerade (maximal 100 000 Kilometer).

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