Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2011

09:29 Uhr

Hintergrund

Was E10 für die Umwelt bringt - und was nicht

Das neue Bio-Super-Benzin befeuert den Streit ums richtige Tanken. Mittendrin stehen ratlose Verbraucher und fragen sich: Wie sinnvoll ist E10 für die Umwelt?

Autofahrer sollen mehr E10 tanken: Naturschützer kritisieren aber, dass der neue "Bio-Sprit" eine Mogelpackung für Verbraucher sei. Quelle: dapd

Autofahrer sollen mehr E10 tanken: Naturschützer kritisieren aber, dass der neue "Bio-Sprit" eine Mogelpackung für Verbraucher sei.

Berlin/DüsseldorfFür die deutsche Biokraftstoffindustrie ist der Fall klar: „Bioethanol aus Deutschland stößt 50 bis 80 Prozent weniger Treibhausgase aus als fossiles Superbenzin“, sagt Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB. Und: Für den Anbau müssten keine Regenwaldflächen weichen. Dagegen halten der Verkehrs-Club Deutschland (VCD) und der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND: In Sachen Umweltbilanz sei E10 „eine Mogelpackung und ein Fall von Verbrauchertäuschung“, sagt BUND-Chef Hubert Weiger.

Nötig für die Ethanolproduktion seien zusätzliche Ackerflächen für Weizen, Zuckerrüben oder Mais. Die „Flächennutzung“ des Autoverkehrs verdoppele sich so, letztlich könnten sogar höhere Kohlendioxid-Emissionen anfallen als bei herkömmlichem Kraftstoff. Aus Umweltsicht sei „Agrosprit“ nicht besser als herkömmliches Benzin. In Deutschland seien 2010 rund 600.000 Tonnen Ethanol aus Weizen, Zuckerrüben und Mais hergestellt und die doppelte Menge dem Benzin beigemischt worden. Mit der Erhöhung des Ethanolanteils auf 10 Prozent rechnet der BUND mit einem jährlichen Bedarf von insgesamt rund fünf Millionen Tonnen Getreide, Zuckerrüben und Mais für E10.

Die Biokraftstoffhersteller wollen das nicht gelten lassen und fragen, was denn die Alternative zu Biokraftstoffen sei: „BUND und VCD wollen offenbar mehr Öl aus Diktaturen einführen, sie wollen Ölsande aus Kanada nutzen und in der Tiefsee bohren - und das kein Jahr nach der Katastrophe im Golf von Mexiko.“

Auch die hohen Preise will die Lobby nicht als Argument gegen E10 gelten lassen: Die Preise würden schließlich von den großen Mineralölkonzernen bestimmt, die damit auf Kosten der Verbraucher sehr viel Geld verdienten.

70 Prozent tanken falsch

Die Diskussion um den Bio-Kraftstoff E10 verunsichert die Autofahrer. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) tanken bis zu 70 Prozent der Autofahrer in Deutschland unnötig den falschen Kraftstoff. „Dabei sind 90 Prozent der Fahrzeuge für Super E10 geeignet“, teilte der MWV mit. Hält dieser Trend an, „laufen die Tankstellen Gefahr, bei E5 Kraftstoffen mit 98 Oktan leerzulaufen.“

Hintergrund des Appells: Seit Jahresbeginn müssen die Tankstellen Benzin mit einem Anteil von maximal zehn Prozent Ethanol verkaufen, den sogenannten Kraftstoff E10. Wenn die Mineralölwirtschaft nicht eine bestimmte Menge E10 verkauft, drohen Strafen. Daher wurden die Lagerkapazitäten auf E10 ausgerichtet. Neben der Hauptsorte Super E10 kann daher nur noch eine kleinere Menge des Superbenzins mit 98 Oktan angeboten werden.

Das Umweltministerium und der ADAC sehen die Ölkonzerne in der Pflicht, die Autofahrer besser zu informieren. Die jedoch reichen diese Anforderung weiter an die Autoindustrie, weil nur der Hersteller eines Autos darüber Auskunft geben könne, welchen Sprit es verträgt. Der ADAC habe zudem auch keine hilfreiche Rolle gespielt, sondern sich darauf beschränkt, auf die Mineralölfirmen einzudreschen, heißt es beim MWV.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

verbraucher

01.03.2011, 10:01 Uhr

Man kann nur jedem Verbraucher raten, den neuen Treibstoff noch nicht zu tanken und abzuwarten, was in etwa 1/2 Jahr die Pannenstatistik sagt. Wenn dann die Werkstätten mit den Reparaturen nicht mehr nachkommen, war es richtig, zunächst einmal ein paar Cent pro Liter mehr auszugeben statt einen kapitalen Motorschaden zu haben. Die Bundesregierung würde sich an den Reparaturkosten sicher nicht beteiligen. Aber dann stehen ja Wahlen an!!

Achmuth

01.03.2011, 10:35 Uhr

Ich habe mir bei der Überschrift eigentlich ein wenig mehr an Information erhofft.

lala

01.03.2011, 10:40 Uhr

Also langsam wird es echt lächerlich - "Verunsicherte Verbraucher" die sich nur nicht trauen den guten neuen Biosprit zu tanken - die Leute wollen bei diesem diktatorischen Mist nur nicht Mitmachen - warum sollte ich auch E10 tanken - 1. Mein Auto SOLLTE es vertragen - aber wer bezahlt meinen Motor wenn es nach 3 Jahren plötzlich bum macht? und dann muss ich auch noch nachweisen das E10 daran Schuld ist... wird bestimmt super klappen...
2. Ist man sich nicht mehr so sicher ob es denn sooo Umweltschonend ist denn es mag zwar weniger Schadstoffe ausstoßen - jedoch entstehen wesentlich mehr bei der Produktion von E10......
3. In einer Welt in der jeder 5te Mensch hunger leidet Ackerfläche damit zu verschwenden etwas zu produzieren was wir noch in ausreichenden Mengen besitzen ist unfug... (irgendwann müssen wir eh auf Elektro umsteigen)
Anstatt für sowas geld auszugeben sollte man mal lieber effektiv den Regenwald retten - was die wenigsten wissen - der Regenwald ist nicht nur schön sondern auch die Lunge der Erde und dazu fähig unglaubliche Mengen CO2 einfach umzuwandeln... aber was machen wir? Richtig - holzen ihn für Palmölplantagen ab aus denen man Biosprit macht welcher wiederum CO2 produziert... sieht noch jemand den Fehler in der Gleichung?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×