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26.07.2017

09:33 Uhr

MPU-Vorbereitung

Das große Geschäft mit dem Fahreignungstest

Quelle:dpa

Den Führerschein nach einer Verkehrskontrolle zu verlieren, ist ein einschneidendes Erlebnis. Geht es doch darum, eigenes Fehlverhalten einzugestehen, daraus zu lernen. Wer kann auf dem Weg dorthin helfen?

Wer wegen eines schweren oder wiederholten Alkoholdelikts aus dem Verkehr gezogen wird, muss zur MPU. Die Vorbereitungskurse sind oft sehr teuer. Foto: Uli Deck/dpa dpa

Polizeikontrolle

Wer wegen eines schweren oder wiederholten Alkoholdelikts aus dem Verkehr gezogen wird, muss zur MPU. Die Vorbereitungskurse sind oft sehr teuer. Foto: Uli Deck/dpa

Rund 90.000 Deutsche stehen laut der Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen jährlich vor dieser Frage. Sie müssen zur MPU, einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, die von einem Gericht oder der Führerscheinstelle angeordnet wird.

Die allein kostet je nach Vorgeschichte 338 Euro bis mehr als 700 Euro. Mit Vorbereitung und Laborbefunden von Alkohol- oder Drogentests kann schnell ein größerer vierstelliger Betrag zusammenkommen.

Nur wenn die Beurteilung des amtlich anerkannten Gutachters positiv ausfällt, kann der Verkehrssünder seinen Führerschein zurück erhalten. Doch die Durchfallquote ist hoch, 41 Prozent der Teilnehmer rasselten im Jahr 2015 durch die Prüfung.

Diese Tatsache hat einen Markt für Kurse und Beratungsgespräche geschaffen, auf dem sich Hunderte von Anbietern tummeln. Das Problem: Es ist bei der Vorbereitung auf die im Volksmund auch „Idiotentest” genannte Prüfung nicht ganz leicht, seriöse von unseriösen Firmen zu unterscheiden. „Es gibt keine Zertifizierung von Beratungsangeboten, darüber hinaus ist „Berater” keine geschützte Bezeichnung”, warnt der Autoclub ADAC.

Je größer die Versprechungen sind, desto skeptischer sollte man sein, sagt der erfahrene Verkehrspsychologe Reinhard Barth aus Stuttgart. Die schwarzen Schafe in der Branche lockten etwa mit einer „Erfolgsgarantie” oder sogar „Geld-zurück-Garantie” bei Misserfolg. Dafür verlange zum Beispiel ein Anbieter ein Pauschalhonorar von 1300 Euro, bei einer Gegenleistung von nur drei Beratungsstunden.

Eine Garantie könne ein redlicher Berater gar nicht geben, stellt Barth fest. Schließlich treffe der Gutachter seine Beurteilung unabhängig. Geschulte Psychologen unterstützten ihre Klienten dabei, Alkoholprobleme oder Aggressionen zu überwinden, damit sie dann vor der Begutachtungsstelle glaubwürdig ihre Einsicht darlegen könnten.

Seinen Führerschein muss abgeben, wer in der Flensburger Verkehrssünderdatei, die seit 2014 amtlich Fahreignungsregister heißt, acht oder mehr Punkte angesammelt hat. Das gilt auch bei schweren oder wiederholten Alkoholdelikten. Betroffene können dann nach frühestens sechs Monaten einen Antrag auf Neuerteilung stellen. In der Regel fordert die Fahrerlaubnisbehörde ein MPU-Gutachten.

„Ein seriöser Berater wird sie niemals unter Druck setzen, er sagt ihnen nicht, dass sie sicher bestehen werden, er empfiehlt auch nicht, beim Gutachter eine erfundene Geschichte vorzutragen. Er dokumentiert das Gespräch, und er stellt Quittungen aus”, fasst Barth die wichtigsten Merkpunkte zusammen.

Trotz vorgeblicher Garantie zahlten die windigen Geschäftemacher unter den MTU-Beratern meist kein Geld zurück. Ihr Trick: Klappt es im ersten Anlauf mit dem Rückerwerb des Führerscheins nicht, werden in der zweiten Beratungsrunde Termine nur noch in großen Abständen vergeben - „bis der Kunde irgendwann die Lust verliert”, erzählt Barth.

Eine andere Masche ist diese: Im Kleingedruckten des Vertrags steht, dass der Klient den Zeitpunkt der Anmeldung zur Untersuchung mit seinem Berater absprechen muss. So kann dieser ein paar Extra-Stunden herausschinden. Und: Wird es dem Betroffenen zu bunt und bucht dieser aus freien Stücken einen MPU-Termin, erlischt die angebliche Erfolgsgarantie.

Günstig sind allerdings auch die seriösen Vorbereitungsgespräche nicht zu haben. Die bundesweit rund 380 Verkehrspsychologen verlangen 80 bis 160 Euro pro Stunde. Zehn oder mehr Sitzungen sind die Regel.

Kommentare (2)

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Herr J.-Fr. Pella

26.07.2017, 13:43 Uhr

Zunächst geht es darum, durch Abzocke eine Menge Geld zu kassieren. Diese selbsternannten Tester und Prüfer brauchen weder ein Medizinstudium oder ein ähnlich gelagertes Studium. Diese "Kaste" ernennt sich selbst und alle Politiker schauen zu und waschen Ihre dreckigen Hände in Unschuld.
Wenn man diese Tatsachen kennt, fragt man zu Recht, wer einen Psychater bzw. einen Psychologen braucht??

Herr Günther Bauer

28.07.2017, 13:25 Uhr

Niemand wird gezwungen.
Sie können auch zur MPU gehen, ohne sich bei einem entsprechenden Fachmann hierauf vorbereitet zu haben.
Wundern Sie sich dann aber nicht, wenn Sie "durchfallen".
Die MPU ist ein Privatgutachten, das Sie der Fahrerlaubnisbehörde präsentieren.
Sie können so viele MPUs machen, wie Sie wollen, bis das Ergebnis passt.
Und es gibt gute und weniger gute und schlechte Anbieter von derartigen Vorbereitungskursen.
Woran man seriöse und unseriöse erkennen kann, das steht im Artikel.

Wieso Sie jetzt den Politikern die Schuld geben, ist nicht recht nachvollziehbar. Und unerfindlich ist es, wenn Sie von "dreckigen Händen" sprechen.
Das ist mir ein wenig zu pauschal - larmoyant obendrein.

Tja, und wer braucht einen Psychiater oder einen Psychologen?
Derjenige, der besoffen gefahren ist, braucht nur in den Spiegel zu gucken.

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