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27.02.2012

15:03 Uhr

Neues Konzept

Carsharing fürs Taxi soll Fahrten billiger machen

Quelle:dpa

Das Auto teilen und weniger zahlen: Was vom Carsharing schon lange bekannt, dehnt sich nun aufs Taxi-Gewerbe aus. Am Münchner Flughafen startet ein erstes Projekt, weitere Städte sind in Planung.

Eine Taxifahrt vom Flughafen in die Innenstadt kann ganz schön teuer werden. Eine neue Smartphone-App ermöglicht Fahrgästen, sich ein Taxi zu teilen. dpa

Eine Taxifahrt vom Flughafen in die Innenstadt kann ganz schön teuer werden. Eine neue Smartphone-App ermöglicht Fahrgästen, sich ein Taxi zu teilen.

MünchenVon diesem Montag (27. Februar) an können sich Reisende am Münchner Flughafen mit Unterstützung durchs Handy ein Taxi teilen und damit Kosten für die Fahrt in die Innenstadt sparen. Die Interessenten und ihre Fahrtziele würden so koordiniert, dass möglichst geringe Wartezeiten und keine Umwege anfielen, sagt der Taxi-Unternehmer Jürgen Ubben. Er ist Gesellschafter des schleswig-holsteinischen Unternehmens Colexio, das den Dienst gemeinsam mit der Münchner Taxizentrale Isar Funk initiiert.

Fahrgäste brauchen ein Smartphone und vor allem zu Anfang vielleicht auch ein bisschen Glück - denn das System funktioniert nur, wenn genügend Kunden mitmachen. Schon kurz nach der Landung des Flugzeugs können sie zu ihren Telefonen greifen und über ein kostenloses Programm ein Taxi rufen. Bis sie zum Ausgang kommen, hat die App nach Möglichkeit weitere Interessenten gefunden, die entweder in unmittelbarer Nähe oder auf dem Weg zusteigen und ein ähnliches Fahrtziel haben. Bis zum Einstieg darf die Bestellung storniert werden.

Tipps fürs Car-Sharing

Welche Anbieter gibt es?

Die Angebote für privates und kommerzielles Carsharing nehmen laufend zu. In Deutschland gehören unter anderem die Online-Netzwerke cambio-carsharing.de, tamyca.de, autonetzer.de, nachbarschaftsauto.de und das Bahn-Projekt flinkster.de zu den bekanntesten Vertretern der Branche. Auch die Autobauer setzen auf die Kurzzeit-Vermietung kleiner Fahrzeuge - darunter etwa Daimler, BMW, VW und Peugeot.

Worauf sollte man bei der Anbieterwahl achten?

Neben einer Durchsicht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen empfiehlt der VCD die Auswahl von Anbietern, bei denen die bloße Registrierung nicht schon mit Extrakosten verbunden ist. Zudem ist die Möglichkeit einer raschen Kontaktaufnahme für Rückfragen, nachträgliche Absprachen oder im Schadensfall wichtig. Viele Online-Anbieter lassen sich von ihren Kunden im Internet bewerten.

Wie sehen die Verträge aus?

Beim privaten Carsharing können meist kürzere Nutzungszeiten vereinbart werden, Modelle wie "Car2Go" erlauben aber auch die Abrechnung einzelner Fahrten ohne Grundgebühr und die Kombination mit Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs. Beim kommerziellen Carsharing werden dagegen meist längerfristige Verträge abgeschlossen. Außerdem müssen Kunden dabei oft stärker auf die Verfügbarkeit der Autos an den Mietstationen achten. Beim privaten Carsharing ist das Netz dichter.

Wie werden Konditionen festgelegt?

Grundsätzlich kann der private Vermieter die Nutzungsgebühr selbst bestimmen. Dabei sollte sich der Anbieter jedoch in einer angemessenen Preisspanne bewegen. Bei häufigem Kontakt mit demselben Mieter können später auch Rabatte gewährt werden.

Wie wird man Vermieter des eigenen Autos?

Bei vielen deutschen Internet-Vermittlern muss der Vermieter seinen Wohnsitz im Inland haben und einen in einem EU-Staat ausgestellten Führerschein besitzen. Das vermietete Auto sollte ihm gehören oder ihm per Vollmacht zur Nutzung übertragen worden sein. Der Neupreis des in Deutschland zugelassenen Fahrzeugs darf bei einigen Anbietern höchstens bei 75.000 Euro gelegen haben. Eine Motorleistung von 150 kW bzw 204 PS, ein Tachostand von 200.000 Kilometern und ein Fahrzeugalter von zehn Jahren sollten möglichst nicht überschritten werden.

Wer darf privat vermittelte Autos mieten?

Das zulässige Alter des Mieters liegt in der Regel zwischen 23 und 70 Jahren. Neben einem Wohnsitz in Deutschland ist der Besitz eines EU-Führerscheins für PKW seit mindestens drei Jahren Pflicht. Mehr als 8 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei sind meist tabu.

Wie sollten Carsharing-Autos versichert sein?

Ein ausreichender Versicherungsschutz ist beim Carsharing unerlässlich. Es gibt Zusatzversicherungen, die häufig zwischen 7,50 und 9,00 Euro für einen vollen Miettag kosten. Abgedeckt sind Haftpflicht sowie Teil- und Vollkaskoschutz. Die Leistungen können sich wie bei herkömmlichen Autopolicen auch nach dem Fahreralter richten.

Taucht ein Fahrgast innerhalb einer vereinbarten Frist nicht auf, wird er automatisch auf ein späteres Taxi gebucht. Für die anderen Kunden hat das den Nachteil, dass sich ihr Fahrpreis entsprechend erhöht. Die Vermittlung des Taxis kostet einen Euro extra. "Das ist ganz klar eine Geschäftsidee, die in die Zukunft führt", ist Christian Hess, Geschäftsführer der Taxizentrale Isar Funk, überzeugt. Das Angebot sei vor allem für Menschen interessant, die bisher die rund 70 Euro für eine Taxi-Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt scheuten. Rund 200 bis 300 Fahrzeuge seien ständig im Einsatz. Allerdings birgt die Idee für die Taxichauffeure auch das Risiko, dass sie anfangs womöglich weniger Fahrten haben.

Das Angebot könnte nach Ubbens Meinung aber bald auch für Geschäftsleute interessant werden, die bisher von Fahrern abgeholt werden. Nach und nach soll es auch von der Münchner Innenstadt ins Umland ausgedehnt sowie in anderen Städten angeboten werden. Mit der Kooperation mit einer Taxizentrale hat Colexio einen Konflikt vermieden, den Angebote wie "MyTaxi" in den vergangenen Wochen auslösten. Diese - ebenfalls auf Basis einer Smartphone-Applikation funktionierenden - Angebote umgehen die Zentralen zu deren großen Unmut und buchen direkt bei meist freiberuflichen Unternehmern.

Für Ubben ist die Kooperation allerdings "kein Dogma", wie er sagt: "Es wird bestimmt Städte geben, die keine geeignete Taxizentrale haben." Nach München will Colexio alle größeren deutschen Flughäfen bedienen, etwa Frankfurt, Hamburg und Berlin. Danach werde man die Flughafenknotenpunkte Europas in den Fokus nehmen.

Kommentare (2)

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Gaehn

27.02.2012, 18:50 Uhr

"klare Geschäftsidee, die in die Zukunft führt"? Die Zukunft hat schon längst begonnen und heisst Flinc. Dafür braucht es auch keine Taxis bzw. jedes Privatfahrzeug wird zum Taxi 8-)

taxiweg

28.02.2012, 03:40 Uhr

j('m)appel - i phone - nicht teflonieren - ich heiSSE

logisch, oder?

http://farm8.staticflickr.com/7182/6787126006_a99f59b3c7_z.jpg

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