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22.03.2013

14:25 Uhr

Nur wenig Wertverlust

Gebrauchte Harleys bleiben teuer

Die wertstabilsten Motorräder stammen von Harley-Davidson. Im Restwert-Ranking von Schwacke belegen die US-Bikes gleich die ersten 18 Plätze. BMW, Triumph und Ducati landen weit hinten im Ranking.

Dyna Street Bob von Harley Davidson. PR

Dyna Street Bob von Harley Davidson.

Düsseldorf"Lieber eine Schwester im Puff, als einen Bruder auf BMW". Was bei tätowierten Harley-Markenfans seit vielen Jahren als Bekennerspruch die Runde macht, wird jetzt durch die Marktforschung zumindest ansatzweise bestätigt: Markentreue kann sich auszahlen. Nicht direkt in klingender Münze, aber immerhin in weniger schnellem Wertverfall, wenn man als Motorradfahrer auf die richtige Marke abfährt.

Die in Sachen Wertverfall und-Restwerterhalt versierten Experten von Schwacke haben den Frühlingsanfang als quasi-offiziellen Beginn der Motorradsaison 2013 zum Anlass genommen, den Markt für Gebrauchtmotorräder zu analysieren. Fast 500 Motorräder von 125 bis 2.300 Kubikzentimeter wurden hinsichtlich Ein- und Verkaufswerten sowie dem Restwertverlauf überprüft.

Kurze Harley-Fahrer-Typologie

Viel mehr als nur Bad Boys

In seinem Aufsatz "Magie einer Marke" greift der Hamburger Soziologe Kai-Uwe Hellmann eine eingängige Typisierung verschiedener Gruppen von Harley-Davidson-Fahrern auf, von der leider nicht belegt ist, aus welcher Quelle sie stammt. Unterhaltsam und zutreffend ist ist allemal, auch wenn es einigen Harley-Fahrern nicht gefallen wird ...

MOPS

MOPS steht für „mom-and-pops-bikers“: Paare, die ihre Harley als normales Transportmittel benutzen.

RUBS

RUBS sind „Rich Urban Bikers“: vorwiegend Männer, die sich mit Blick auf ihr fortgeschrittenes Alter und vor dem Hintergrund ihres beruflichen Erfolgs (Anwälte, Broker, Ärzte etc.) eine Harley (problemlos) leisten
(können), um das Lebensgefühl der Teenager und Outlaws nochmals in sich aufleben zu lassen.

SEWERS

SEWERS steht für „Suburban Weekend Riders“: Vorstadtbewohner, die unter der Woche ein ganz normales Leben führen, in den weitverzweigten „suburbs“ mit den vielen gleich aussehenden Einfamilienhäusern wohnen und zum Wochenende ihre Harley aus der Garage holen, um eine kleine Spritztour zum nächsten Harley-Treffpunkt zu machen.

RIOTS

„Retired Idiots On Tour”: zumeist ältere Personen, die ihren verdienten Ruhestand dazu nutzen, ihre Freizeit und ihre finanzielle Abgesichertheit zu genießen, indem sie sich eine Harley kaufen und längere Überlandfahrten machen.

MUGWUMPS

MUGWUMPS („My Ugly Goldwing Was Upsetting My Peers”): ehemalige Fahrer einer Honda Goldwing, deren Behäbigkeit und betuliches Image im Bekanntenkreis auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, weshalb sie sich zu einem Markenwechsel genötigt sahen.

AHABS

„Aspiring Hardass Bikers”: Vermutlich handelt es sich hierbei um Harley-Fahrer, die vorgeben, besonders lange Fahrten übers Land zu unternehmen, mit den entsprechenden Folgen fürs eigene Gesäß.

BASTARDS

„Bought A Sportser, Therefore a Radical Dude”: Diese Bezeichnung betrifft das prätentiöse Gehabe mancher Harley-Fahrer, die sich durch den Besitz einer solchen Maschine im antibürgerlichen Image der Harley-Kultur sonnen.

IGLOOS

„I got the look, Own one Soon”: Personen, die zwar gerne eine Harley hätten, sich aber keine leisten können und sich statt dessen durch entsprechende Kleidungsstücke und die zugehörigen Accessoires schmücken, um den Anschein von Harley-Besitz und H.O.G.-Zugehörigkeit zu erwecken; siehe auch HOOTS ...

HOOTS

„Have one Ordered, True Story”: HOOTS sind den IGLOOS sehr ähnlich, nur begnügen diese sich mit der nur vorgetäuschten Tatsache, dass sie demnächst eine Harley besitzen werden, deren Bestellung schon erfolgt
ist.

Als erstes Ergebnis steht fest, dass sich Motorräder im Gegensatz zu Gebraucht-PKW in der Regel erheblich wertstabiler verhalten. Das liege zum einen an den deutlich geringeren Durchschnitts-Laufleistungen als bei den Pkw, sagen die Experten. Zweitens sei dies aber auch auf das Marktverhalten der Neu-Motorrad-Käufer zurückzuführen. Harleys sind beliebt und teuer, der Handel muss so gut wie keine Rabatte gewähren. Und da sie auch als Gebrauchte gesucht sind, bleiben sie eben auch aus 1. und 2. Hand länger teuer als viele andere Marken.

So kann sich die US-Kultmarke bei den zweijährigen Motorrädern mit sage und schreibe 18 Modellen an die Spitze des Restwert-Rankings setzen, bevor ein Motorrad von BMW die amerikanische Phalanx durchbrechen kann. Spitzenreiter ist die Street Glide mit einem Restwert von 87,6 Prozent nach zwei Jahren.

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In der kompletten Top-25 geht auch nur ein Platz an die Konkurrenz: Rang 19 belegt die BMW R 1200 GS Adventure Triple Black mit 83,7 Prozent Restwert. Auch auf den folgenden sechs Plätzen sind ausschließlich die Maschinen aus Milwaukee gelistet.

Ähnlich verhält es sich auch in der Marktübersicht der dreijährigen Modelle. Mit Ausnahme der BMW R 1200 GS Adventure und der R 1200 GS werden die 25 restwertstabilsten Motorräder ausschließlich von Harley geliefert.

Bei den restwertschwächsten Motorrädern fänden sich hingegen vorrangig Modelle, bei denen durch Abverkäufe von Lagerfahrzeugen und sonstige Verkaufsaktionen bereits bei den Neuzulassungen die Preise unter Druck gesetzt wurden.

Neben Harley-Davidson und BMW zeigen sich in der Schwacke-Analyse zwei europäische Traditionsmarken als besonders wertbeständig: Modelle von Triumph und Ducati weisen ebenfalls überdurchschnittliche Restwerte aus.

Von

fgh

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.03.2013, 15:51 Uhr

mmmmmh ....die R1200C´s (klassischer Stil) von BMW sind auch teuer und werthaltig. Es war bis heute der letzte ernsthafte Versuch von BMW einen "Chopper/Cruiser" zu kreiern. .... und hat bis heute viele Fans.

http://www.youtube.com/watch?v=F7_Ugfkl2Dg

Account gelöscht!

24.03.2013, 09:16 Uhr

Wer sich zu den Bevölkerungsgruppen gesellen muss, die den Milwaukee-Methusalem als Statussymbol pflegen, darf beim Wiederverkauf auch mit einem hohen Restwert entschädigt werden. Falls die Karre nicht vorher in Russland oder Balkanien landet (ohne den rechtmäßigen Besitzer) bzw. den Halter aufgrund regelmäßiger Werkstattbesuche ruiniert hat.

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