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02.02.2015

09:59 Uhr

Plötzlich Lebensretter

Was Unfallhelfer wissen müssen

Quelle:dpa

Nach einem Unfall auf der A2 sind Autofahrer an schwer verletzten Unfallopfern vorbeigefahren – ein klarer Fall von unterlassener Hilfeleistung. Verletzten zu helfen ist Pflicht – doch wie sieht richtige Hilfe aus?

Gut für alle Beteiligten, wenn nach einem Unfall die wichtigsten Handgriffe sitzen. dpa

Wissen, was zu tun ist

Gut für alle Beteiligten, wenn nach einem Unfall die wichtigsten Handgriffe sitzen.

BerlinZahlreiche Autofahrer sind am Samstag an schwer verletzten Unfallopfern auf der Autobahn 2 bei Magdeburg vorbeigefahren. Die Polizei sprach von einem „unbeschreiblichen Verhalten“ dieser Autofahrer. Sie hätten sich über einen längeren Zeitraum über den Standstreifen am Unfallort bei Schackensleben vorbeigedrängelt, auf der Straße liegende Unfallopfer seien regelrecht umkurvt worden. Die Polizei leitete Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung ein und startete einen Zeugenaufruf.

Doch was sollten Autofahrer eigentlich tun, wenn sie plötzlich in die Rolle des Ersthelfers geraten? Laut dem Statistischen Bundesamt ereigneten sich allein in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres rund 255.000 Unfälle mit Verletzten auf deutschen Straßen. Die Wahrscheinlichkeit, plötzlich als Helfer gefordert zu sein, ist also gar nicht so gering. Hier ein paar Tipps für den Notfall.

Kann ich als Ersthelfer für Fehler bestraft werden?

Der einzige Fehler, für den Unfallzeugen bestraft werden können, ist tatenlos zuzusehen und nicht wenigstens Rettungskräfte zu alarmieren: Für unterlassene Hilfeleistung sieht das Strafgesetzbuch eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft vor, erklärt Verkehrsjuristin Yasmin Domé vom Auto Club Europa (ACE).

Sofern ein Ersthelfer nach bestem Wissen und Gewissen handelt, grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz also auszuschließen sind, hat er nichts zu befürchten – übrigens auch nicht wegen Sachbeschädigung, wenn er zum Beispiel ein Kleidungsstück eines Verletzten zerreißt. Entstehen dem Helfer Schäden, wie Blut auf der Kleidung, müssen dafür laut Domé Unfallverursacher, Opfer oder als letzte Instanz die gesetzliche Unfallversicherung aufkommen.

In welcher Reihenfolge sollte ich helfen?

Vier von fünf Menschen in Deutschland können diese Frage laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) nicht richtig beantworten. Korrekt ist: Unfallstelle absichern, Überblick verschaffen, Notruf absetzen, Erste Hilfe leisten. „An erster Stelle steht immer die Eigen- und Fremdsicherung“, betont Ralf Sick, Bereichsleiter Erste Hilfe in der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe. Immer wieder kommt es vor, dass Ersthelfer durch nachfolgenden Verkehr wegen fehlender oder unzureichender Absicherung verletzt oder sogar getötet werden.

Wie kann man den Zustand von Verletzten einschätzen?

„Schon auf den ersten Blick kann man anhand von Aussehen, Position und Verhalten des Betroffenen viel über dessen Zustand erkennen“, sagt Sick. Liegt ein Verletzter regungslos da, sollten Helfer zunächst versuchen, ihn durch lautes Ansprechen und leichtes Rütteln an der Schulter aufzuwecken. Gelingt das nicht, muss die Atmung kontrolliert werden.

„Dazu beugen Sie sich zur Person nieder und prüfen, ob Sie an ihrer Wange die Atemluft spüren, ob Sie Atemgeräusche hören und ob sich der Brustkorb hebt und senkt“, erklärt Sick. Wenn der Bewusstlose atmet, wird er in die stabile Seitenlage gebracht – atmet er nicht, sind Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich.

Wie ging das noch mit der Wiederbelebung?

Als Faustregel gilt: 30 Mal auf den Brustkorb drücken, 2 Mal beatmen – und wieder von vorn. „Der Betroffene liegt dabei mit entblößtem Oberkörper auf dem Rücken und Sie knien daneben. Platzieren Sie den Ballen einer ihrer Hände in der Mitte des Brustkorbs, stabilisieren Sie diese Hand mit der anderen“, so Sick. Dann senkrecht von oben mit durchgestreckten Armen vier bis fünf Zentimeter tief und ungefähr zweimal pro Sekunde drücken. Bewusstlose in einem Unfallauto müssen für die Wiederbelebung aus dem Fahrzeugwrack geholt werden.

Welche Verletzungen sollte man als erstes versorgen?

„Die Versorgung stark blutender Wunden ist wichtiger als die eines Knochenbruchs“, erklärt DRK-Bundesarzt Peter Sefrin. Auch bei der Wundversorgung unbedingt zuerst an den Eigenschutz denken und die Handschuhe aus dem Verbandkasten anziehen, ergänzt Sick von den Johannitern. Ganz wichtig: Da Verunglückte durch einen Schock plötzlich ohnmächtig werden können, sollten sie bei der Behandlung sitzen oder liegen.

Vor Unterkühlung, die selbst bei Sommerhitze droht, schützt die Rettungsdecke aus dem Verbandkasten. Die hat laut Sick obendrein eine wertvolle psychologische Wirkung: Sie gibt Geborgenheit und bietet Schutz vor den Blicken Umherstehender.

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