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06.02.2012

10:36 Uhr

Ratgeber Autokauf

Wie wird man einen ungeliebten Neuwagen los?

Quelle:dpa

Die Vorfreude auf den Neuwagen war groß - doch auf den Kauf folgte der Frust: Nach ein paar Fahrten gefällt dem Besitzer das Auto gar nicht mehr. Zurück zum Händler damit? Dann werden Autoverkäufer zu Gegnern.

Frustrierend: Wer einen Neuwagen schnell wieder loswerden will, weil ihm das Auto doch nicht so gut gefällt wie gedacht, kann ihn nicht einfach zurückgeben. dpa

Frustrierend: Wer einen Neuwagen schnell wieder loswerden will, weil ihm das Auto doch nicht so gut gefällt wie gedacht, kann ihn nicht einfach zurückgeben.

MünchenWenn ein neues Paar Turnschuhe bei der zweiten Anprobe zu Hause doch zwickt und drückt, gibt man es zurück. Die meisten Händler sind da kulant und erstatten den vollen Kaufpreis. Bei der Anschaffung eines Neuwagens sieht die Sache anders aus: Wer danach unzufrieden ist, weil ihm das Auto doch zu klein oder die Motorisierung zu schwach ist, wird diesen Fehlkauf nicht so leicht wieder los. Der Händler nimmt das Fahrzeug in der Regel nur mit erheblichen Abstrichen vom Kaufpreis zurück.

«In solch einer Situation hilft nur eines: Ruhe bewahren, bloß nichts überstürzen und weiter nach Alternativen suchen», rät Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC. Beim Verkauf eines sehr jungen Gebrauchtwagens sei grundsätzlich mit einem hohen Wertverlust zu rechnen - daran führe kein Weg vorbei. Wer allerdings geduldig nach einem passenden Abnehmer für den Wagen sucht, könne wenigstens Einfluss darauf nehmen, wie viel Geld er am Ende tatsächlich verliert.

Ein Wertverlust bis zu 40 Prozent allein durch die Erstzulassung eines Neuwagens auf einen privaten Halter ist nach Auskunft des Branchendienstes Eurotax-Schwacke durchaus denkbar. Im Schnitt durch alle Fahrzeugsegmente liege er bei rund 20 Prozent, wobei Luxusautos meist mehr verlieren als kleinere Modelle.

Technisch gerechtfertigt sei der hohe Wertverlust extrem junger Fahrzeuge ohne Mängel normalerweise nicht, betont Thiemel. «Das hängt vielmehr mit der allgemeinen Wertschätzung neuer und gebrauchter Dinge und mit dem besonderen Verhältnis von Autokäufern zu einem Neuwagen zusammen», erklärt er. «Wer bereit ist, viel Geld für seinen Traumwagen auszugeben, der möchte das Auto auch ganz nach seinen Vorstellungen gestalten und ausstatten. Zu Kompromissen sind dann die wenigsten bereit.»

Was bei Auto-Re-Importen zu beachten ist

Warum Re-Import?

Weils billiger ist. Bis zu 30 Prozent sparen Neuwagenkäufer, wenn sie das Fahrzeug über einen freien Händler als Re-Import bestellen. Möglich ist dies, weil die Hersteller in den Ländern der Europäischen Union eine flexible Preispolitik betreiben.

Vorteile

Durch einen Re-Import kann beispielsweise der Nettopreis eines Fahrzeugs aus deutscher Produktion in Italien mehrere tausend Euro unter dem Verkaufspreis beim Vertragshändler hierzulande liegen. Außerdem sind andere Paket-Zusammenstellungen bzw. Ausstattungs-Zusammenstellungen in unterschiedlichen Ländern üblich, die für den Käufer von Vorteil sein können. Kunden sollten sich vom Anbieter alle Details lückenlos dokumentieren zu lassen.

Gibt's Unterschiede?

Ja. Es kann zum Teil sogar an wichtiger Ausstattung mangeln, erklärt der TÜV Nord. Re-Importe sind oft landestypisch ausgestattet, deshalb können zum Beispiel Sicherheitssysteme wie Airbags oder ESP fehlen. Danach sollten Kunden auf jeden Fall beim Händler fragen. Müssen diese entsprechend der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) nachgerüstet werden, wirds teuer. In Streitfällen darf der Re-Import-Käufer außerdem keine besondere Kulanz in der deutschen Markenhändler-Werkstatt oder beim Hersteller erwarten.

Papiere

Alle Fahrzeugpapiere und die Rechnung müssen im Original vorliegen, denn Kopien werden von den deutschen Zulassungsbehörden und bei der Hauptuntersuchung nicht akzeptiert. Beim Entgegennehmen des Fahrzeugs muss der Händler dem Kunden diese Original-Papiere übergeben. Außerdem ist der europäische Händler dazu verpflichtet, das "Certificate of Conformity" (COC) auszuhändigen.


Garantie

Mit Blick auf die Garantie haben Re-Import-Käufer gegenüber dem Hersteller die gleichen Rechte wie bei einem in Deutschland gekauften Fahrzeug - sofern der Händler das Wartungsheft gestempelt und mit dem Auslieferungsdatum versehen hat.

Lediglich bei Ladenhütern sollten Kunden vorsichtig sein, denn in manchen Ländern läuft die Garantiezeit ab der Auslieferung an den Zwischenhändler, nicht erst ab der Zulassung wie in Deutschland; ein Minus für Autos, die lange auf dem Hof gestanden haben. 

Abgasnorm & Allgemeines

Außerdem ist bei Re-Importen auf die im Ausland vergebene Abgasnorm zu achten. Manchmal werden die Pkw nach Angaben des Internet-Portals "AutoTopdeal" schlechter eingestuft, als dies in Deutschland der Fall wäre. Das kann steuerliche Nachteile bringen. 
Und generell sollten Kunden natürlich auf die Seriosität des Händlers achten, niemals Vorkasse leisten und alle Dokumente genau prüfen. Dann kann mancher Autokäufer mit einem Re-Import ein guten Fang machen, ohne böse Überraschungen dabei zu erleben.

Einen Neuwagenfehlkauf nach kurzer Zeit direkt beim Händler wieder rückgängig zu machen, sei deshalb mit Blick aufs Geld meist die schlechteste Idee: «Der Händler muss genau den passenden Kunden für das Auto finden, vor allem für ein Luxusmodell. Das ist nicht einfach», erläutert Thiemel. Am schnellsten könne er den Wagen nur zu einem Schnäppchenpreis weiterverkaufen, und dabei will er auch noch etwas verdienen. Die Quittung dafür bekommt dann der Erstbesitzer mit einem vergleichsweise mickrigen Erlös.

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