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15.04.2015

13:10 Uhr

Ratgeber Blitzmarathon

Erneut bundesweite Jagd auf Raser

Mit bundesweiten Tempokontrollen will die Polizei das Bewusstsein für Gefahren durch zu schnelles Autofahren wecken. Ein Bundesland macht diesmal aber nicht mit, und es wird nur 18 statt 24 Stunden geblitzt.

Erster europaweiter Blitzmarathon

Polizist: „Wir wollen in die Köpfe der Menschen“

Erster europaweiter Blitzmarathon: Polizist: „Wir wollen in die Köpfe der Menschen“

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DüsseldorfDie Polizei greift bei Temposündern in Deutschland und 21 weiteren europäischen Ländern an diesem Donnerstag (16.4.) wieder einmal sehr öffentlichkeitswirksam und in großem Stil durch. Beim sogenannten Blitz-Marathon werden alleine 13.000 deutsche Beamte an über 7.000 Stellen kontrollieren, ob sich Auto- und Motorradfahrer ans Tempolimit halten.

In diesem Jahr beteiligen sich erstmals 21 weitere europäische Länder an der groß angelegten Aktion. Von Deutschlands Nachbarn sind die Niederlande, Belgien und Luxemburg dabei.

Alleine in Deutschland starben im vergangenen Jahr rund 3.350 Menschen bei Verkehrsunfällen - überhöhte Geschwindigkeit war die häufigste Ursache. In diesem Jahr machen die Kontrolleure zum dritten Mal bundesweit Jagd auf Raser: Bei der Premiere 2013 erwischte die Polizei rund 83.000 Temposünder, im vergangenen Jahr rund 93.000.

Eine Ausnahme in Deutschland bildet Schleswig-Holstein. Dort will die Polizei diesmal nicht teilnehmen, weil vor dem Treffen der G7-Staaten in Lübeck am Dienstag und Mittwoch zu viele Polizisten gebunden sind. Somit könne der Blitz-Marathon nicht vorbereitet werden. In Bayern geht die Aktion dagegen sogar ein paar Tage länger.

Allgemeine Schwerpunkte gibt es nach Auskunft des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, das derzeit den Vorsitz der Innenministerkonferenz hat, diesmal nicht. Die hessische Polizei legt aber beispielsweise den Schwerpunkt auf Motorradfahrer.

KTG Was Raser wissen müssen

Anzahl der Radarfallen

Deutschlandweit gibt es 4.231 Blitzer. Weltweit liegt Deutschland damit auf Platz fünf der Blitzer-Staaten: Platz vier belegen die USA mit 5.647 Starenkästen, Großbritannien folgt mit 5.754 Blitzern auf Platz drei. Der zweite Platz geht an Italien mit 6.884 Blitzern und der erste Platz an Brasilien mit stolzen 14.395 Starenkästen.

Die Blitzer-Metropolen

Die meisten Radarfallen gibt es in Berlin: In der Hauptstadt stehen 22 festinstallierte Blitzer. Hinzu kommen 100 mobile Geschwindigkeitskontrollen. Zweitplatzierter ist Düsseldorf mit 37 stationären und mobilen Radarfallen. Danach kommt Hamburg mit 34 Blitzern, Stuttgart mit 32, Freiburg mit 24 sowie Bremen und Aalen mit je 20 Blitzern.

Welche Städte kräftig verdienen

Großstädte wie Berlin, Hamburg und München reagierten trotz gesetzlicher Auskunftspflicht nicht auf die Anfrage des DAV von 2012. Der dritte Platz ging an die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt Düsseldorf: 5,3 Millionen Euro nahm die Stadt im Jahr 2012 durch Radarkontrollen ein. Die Stadt Dortmund kassierte - heruntergerechnet auf alle zugelassenen Pkw - 27,75 Euro pro Auto. Insgesamt flossen sieben Millionen Euro in die Haushaltskasse. Und ausgerechnet die Autostadt Stuttgart verdient 2012 am meisten an ihren Rasern: 7,9 Millionen Euro nahm die Hauptstadt Baden-Württembergs allein durch Radarkontrollen ein. Pro zugelassenem Pkw 28,07 Euro.

Blitzerwarner

Smartphone-Apps und Navigationssysteme können Fahrer vor Radarkontrollen warnen. Das ist aber illegal, denn die Straßenverkehrsordnung verbietet den Einsatz von technischen Geräten, die „dafür bestimmt sind, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören“. Warum das so ist und ob ein Handy überhaupt in diese Kategorie fällt weiß keiner so genau. Der Paragraf stammt aus einer Zeit, in es weder Smartphones noch Navigationsgeräte gab. Entsprechend wirbt etwa der Navigationshersteller Tomtom auf seiner Website für seinen Service, der „mit ausreichend Vorlaufzeit“ vor Radarkameras warnt. Und auch der Gesetzgeber hat nicht gegen jede Form von Blitzer-Warnung etwas: Die Radiosender etwa dürfen vor Radarfallen warnen. Wo genau hier die rechtliche Grenze zwischen technischen Geräten wie Handys oder Navigationssystemen gezogen wird, weiß niemand so genau. Am sichersten ist, das Handy mit der Warn-App dem Beifahrer zu geben.

Ab wann es Punkte gibt

Wer bis zu 20 Sachen zu schnell unterwegs ist, muss nur mit einem Bußgeld von bis zu 30 Euro rechnen. Ab 21 Stundenkilometern zu viel steigt die Höhe des Verwarngeldes schon auf 70 Euro und es gibt einen Punkt in Flensburg.

Wann Fahrverbot droht

Wer außerorts 41 oder mehr Stundenkilometer über dem Limit fährt, muss ein Auto für mindestens einen Monat stehen lassen. Innerhalb einer Gemeinde gibt es schon ab einer Geschwindigkeitsübertretung von 31 km/h ein einmonatiges Fahrverbot.

Blitzer ohne Blitz

In vielen Bundesländern gibt es Blitzer ohne Blitz: In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bremen und Thüringen hat auch Bayern das System TraffiStar 330 eingeführt. Die Anlage liefert bei Tag und Nacht scharfe Bilder, ohne den Fahrer durch einen Blitz zu blenden. Bei der sogenannten Robot Black Flash Technologie kommt ein Infrarot-Blitz zum Einsatz, der für das menschliche Auge fast unsichtbar ist. Außerdem berechnet der TraffiStar 330 die Geschwindigkeit der Fahrzeuge anhand des Wegs, den das Auto in einer bestimmten Zeit zurückgelegt hat. Kritiker monieren, dass so der "Erziehungseffekt" wegfalle, weil der Raser erst beim Öffnen des Bußgeldbescheids von seiner Geschwindigkeitsübertretung erfährt.

Streckenradar

So haben notorische Raser in Italien das Streckenradar schon überlistet: Sie durchrasen den ersten Teil der Strecke mit hoher Geschwindigkeit. Danach trinkt der Fahrer an einer Raststätte einen Espresso und fährt nach der kurzen Pause weiter. So bleibt er insgesamt unter der Geschwindigkeitsbegrenzung.

Foto ist kein Beweismittel

Mittlerweile gelten Fotos, die Blitzgeräte aufgenommen haben, nicht mehr als Beweismittel, weil sie gegen das „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ verstoßen. Wer also einen bösen Brief samt Foto bekommt, kann - trotz gestochen scharfem Foto - behaupten, nicht zu wissen, wer das Auto zum fraglichen Zeitpunkt gefahren hat.

Die Kontrollen der Polizei beginnen am Donnerstag um 6.00 Uhr, üblicherweise laufen sie 24 Stunden lang. Diesmal ist aber schon um Mitternacht Schluss, Grund dafür ist die Trauerfeier am Freitag in Köln für die Opfer des Germanwings-Absturzes in den Alpen. „Wir wollen, dass der 17. April ganz als Tag der Trauer gilt und nicht von einem anderen Thema überlagert wird“, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums.

Kommentare (3)

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Herr Markus Gerle

15.04.2015, 15:50 Uhr

Ach ne, schon wieder dieser Unsinn, wo unsere Abzocker meinen, einen auf Verkehrserziehung zu machen. Diesen Unsinn habe ich selbst erst einmal erlebt, weil ich meine Steuern hauptsächlich im Ausland erwirtschafte. Damals schlich jeder durch meine Stadt und es kam zum Verkehrsinfarkt. Und warum wird immer wieder behauptet, dass überhöhte Geschwindigkeit Hauptunfallursache sei. Hauptunfallursache ist mangelnde Aufmerksamkeit und mangelnde Disziplin. Ich bin gerade in Frankreich, wo sich jeder peinlichst an die Geschwindigkeitsgrenze hält, weil die Strafen drakonisch hoch sind. Trotzdem kracht es hier ständig. Ich stehe morgen auf der A86 in Paris garantiert wieder im Stau, weil es gekracht hat. An der überhöhten Geschwindigkeit liegt es nicht.
Nun denn, ich werde versuchen, morgen meinen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen zu leisten. Auf dem Rückweg vom Flughafen komme ich durch eine Baustelle, die eigentlich gar keine ist (es sind nur Schilder aufgestellt). Dort wird gerne abgezockt. Morgen werde ich meinen Tempomat auf 30,-EUR zu schnell einstellen und die ganze Zeit Lächeln. Und wieder werde ich enttäuscht sein, weil nach 22:00h kein Beamter mehr Bock auf Abzocke hat.
Kleiner Tipp: Wer es wirklich mit der Verkehrssicherheit ernst meint, würde eben genau nach 22:00h und dann auf Landstraßen die Geschwindigkeit kontrollieren. Da ist es besonders gefährlich und es finden nie Kontrollen statt.

Herr jochen voss

16.04.2015, 10:13 Uhr

überall gilt in der "Erziehung", dass mit Strafen keine Verhaltensänderung bewirkt wird. wenn es aber ums Geld geht, werden alle 68- Lehrsätze über Bord geworfen.
Das Geld besiegt die Ideologie - wenigstens bei den Autofahren.

Herr mathias müller

17.04.2015, 12:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Gerle, Ich bin über Ihr Beitrag etwas irritiert.
- Geschwindigkeit nicht unbedinkt hauptursächlich für Unfälle
- Wegen Verkehrssicherheit auf der Landstrasse - Geschwindigkeitskontrollen einführen
Wollen Sie auch die letzten möglichkeiten - fahren ohne immer auf den Tacho zu glotzen ausmerzen??

Aber ich bin bei Ihnen, für zu langsames fahren Geld kassieren fehlt die Glaubwürdigkeit.
RASER hört sich schon besser an.

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