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03.08.2012

09:20 Uhr

Ratgeber

Wann sich Carsharing lohnt

VonSebastian Schaal

Schon seit den 1980er Jahren gibt es Carsharing in Deutschland, in Mode gekommen ist es allerdings vor wenigen Jahren. Wer den richtigen Tarif finden will, muss auf die Details achten.

Buchung leicht gemacht: Selbst unterwegs kann man per Smartphone noch ein freies Auto vormerken. Quelle: dpa/picture alliance

Buchung leicht gemacht: Selbst unterwegs kann man per Smartphone noch ein freies Auto vormerken.

DüsseldorfDie Grundidee ist eng mit dem Umweltschutz verknüpft, heute gibt es mehr Argumente für das Carsharing, also das gemeinschaftliche Nutzen eines Autos. Was in den 1980er Jahren mit gemeinnützigen und ehrenamtlichen Projekten begann, hat sich zu einem wachsenden Markt entwickelt, in den immer mehr Unternehmen einsteigen. Insgesamt 128 Anbieter gibt es in Deutschland, darunter sind viele kleine, regionale Anbieter, aber auch große Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Daimler oder BMW haben ihre eigenen Projekte. Jüngst ist auch VW in das Geschäft eingestiegen.

Laut dem Bundesverband Carsharing (BCS) lohnt sich das Gemeinschafts-Auto für Kunden, die weniger als 12.000 Kilometer im Jahr fahren. Gerade auf kürzeren Strecken, wo es keine angemessene ÖPNV-Verbindung gibt, wird Carsharing attraktiv. Doch hier muss der Kunde auf die verschiedenen Berechnungsmodelle der einzelnen Anbieter achten, welches für ihn wirklich am günstigsten ist.

TeilAuto beispielsweise verlangt für einen Kompaktwagen einen mit 2,40 Euro einen relativ niedrigen Stundenpreis (Standard-Tarif), die zusätzlichen Kosten pro gefahrenem Kilometer liegen aber über der Konkurrenz (0,28 Euro/km). Die Deutsche Bahn mit ihrem Carsharing-Angebot will für ein vergleichbares Auto eine Stundenpauschale von sechs Euro, jeder Kilometer kostet aber nur 18 Cent. Wer also mehr als 36 Kilometer in dieser Stunde fährt, kommt in diesem Beispiel bei DB Carsharing günstiger weg, sind es weniger, ist das Angebot von TeilAuto besser.

Tipps fürs Car-Sharing

Welche Anbieter gibt es?

Die Angebote für privates und kommerzielles Carsharing nehmen laufend zu. In Deutschland gehören unter anderem die Online-Netzwerke cambio-carsharing.de, tamyca.de, autonetzer.de, nachbarschaftsauto.de und das Bahn-Projekt flinkster.de zu den bekanntesten Vertretern der Branche. Auch die Autobauer setzen auf die Kurzzeit-Vermietung kleiner Fahrzeuge - darunter etwa Daimler, BMW, VW und Peugeot.

Worauf sollte man bei der Anbieterwahl achten?

Neben einer Durchsicht der Allgemeinen Geschäftsbedingungen empfiehlt der VCD die Auswahl von Anbietern, bei denen die bloße Registrierung nicht schon mit Extrakosten verbunden ist. Zudem ist die Möglichkeit einer raschen Kontaktaufnahme für Rückfragen, nachträgliche Absprachen oder im Schadensfall wichtig. Viele Online-Anbieter lassen sich von ihren Kunden im Internet bewerten.

Wie sehen die Verträge aus?

Beim privaten Carsharing können meist kürzere Nutzungszeiten vereinbart werden, Modelle wie "Car2Go" erlauben aber auch die Abrechnung einzelner Fahrten ohne Grundgebühr und die Kombination mit Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs. Beim kommerziellen Carsharing werden dagegen meist längerfristige Verträge abgeschlossen. Außerdem müssen Kunden dabei oft stärker auf die Verfügbarkeit der Autos an den Mietstationen achten. Beim privaten Carsharing ist das Netz dichter.

Wie werden Konditionen festgelegt?

Grundsätzlich kann der private Vermieter die Nutzungsgebühr selbst bestimmen. Dabei sollte sich der Anbieter jedoch in einer angemessenen Preisspanne bewegen. Bei häufigem Kontakt mit demselben Mieter können später auch Rabatte gewährt werden.

Wie wird man Vermieter des eigenen Autos?

Bei vielen deutschen Internet-Vermittlern muss der Vermieter seinen Wohnsitz im Inland haben und einen in einem EU-Staat ausgestellten Führerschein besitzen. Das vermietete Auto sollte ihm gehören oder ihm per Vollmacht zur Nutzung übertragen worden sein. Der Neupreis des in Deutschland zugelassenen Fahrzeugs darf bei einigen Anbietern höchstens bei 75.000 Euro gelegen haben. Eine Motorleistung von 150 kW bzw 204 PS, ein Tachostand von 200.000 Kilometern und ein Fahrzeugalter von zehn Jahren sollten möglichst nicht überschritten werden.

Wer darf privat vermittelte Autos mieten?

Das zulässige Alter des Mieters liegt in der Regel zwischen 23 und 70 Jahren. Neben einem Wohnsitz in Deutschland ist der Besitz eines EU-Führerscheins für PKW seit mindestens drei Jahren Pflicht. Mehr als 8 Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei sind meist tabu.

Wie sollten Carsharing-Autos versichert sein?

Ein ausreichender Versicherungsschutz ist beim Carsharing unerlässlich. Es gibt Zusatzversicherungen, die häufig zwischen 7,50 und 9,00 Euro für einen vollen Miettag kosten. Abgedeckt sind Haftpflicht sowie Teil- und Vollkaskoschutz. Die Leistungen können sich wie bei herkömmlichen Autopolicen auch nach dem Fahreralter richten.

Andere Hersteller rechnen pro Stunde ab - wie Daimler bei seinem Projekt "car2go". Statt einer kombinierten Stunden- und Kilometerpauschale muss der Kunde nur einen Mietpreis von 24 bis 29 Cent pro Minute bezahlen. Spontane, kurze Fahrten werden durch den Entfall des Fixpreises für eine ganze Stunde attraktiver. Den gleichen Weg geht auch BMW mit "DriveNow", das aus einer Kooperation mit dem Autovermieter Sixt hervorgegangen ist. In München und Berlin werden 800 Autos (Mini und BMW 1er) zu einem Preis von 29 Cent pro Minute bereitgestellt. Das ist zwar mehr als bei dem Smart-Projekt, dafür erhält man auch einen Viersitzer mit größerem Kofferraum. Benzin und Parkgebühren sind bei beiden Anbietern inklusive. Wer den günstigsten Anbieter finden will, muss vergleichen.

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