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26.10.2012

15:31 Uhr

Ratgeber

Winterschlaf für den Oldtimer

Bei der Einlagerung und Konservierung des Oldtimers gibt es ein paar grundlegende Dinge zu beachten, um ärgerliche und vor allem kostspielige Standschäden zu vermeiden.

Wird der Oldtimer richtig für die Winterpause vorbereitet, fällt der Start in die nächste Saison später umso leichter. ampnet

Wird der Oldtimer richtig für die Winterpause vorbereitet, fällt der Start in die nächste Saison später umso leichter.

Wenn die letzten Oldtimerveranstaltungen vorüber sind und der Herbst ins Land zieht, gehen die meisten Fahrzeugklassiker in die Winterpause. Wichtig dabei ist vor allem ein geeigneter Abstellplatz. Der sollte eine möglichst konstante Raumtemperatur aufweisen und gut belüftet sein, um das Entstehen von Kondenswasser zu verhindern, rät die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ). Wird eine Schutzhülle verwendet, dann sollte einer atmungsaktiven Stoffgarage der Vorzug gegeben werden. Gegen Feuchtigkeit helfen beispielsweise so genannte Entfeuchter-Granulate. Der Behälter wird in die Garage gestellt und die Verschlussfolie abgezogen.

Das hochwirksame Granulat entzieht der Raumluft die Feuchtigkeit, bis eine gesunde (50 bis 60 Prozent) Luftfeuchtigkeit erreicht wird. Dabei löst sich das Granulat allmählich auf und sammelt sich als Flüssigkeit im Auffangbehälter. Ein Beutel reicht für Räume bis zu 80 Quadratmeter und ist mehrere Monate wirksam. Die GTÜ empfiehlt, darauf zu achten, dass die Luft nicht zu trocken wird, da sonst Gummis, Leder und Hölzer leiden.

Vor dem „Winterschlaf“ sollte der Motor auf Betriebstemperatur gebracht und der Kühlerfrostschutz geprüft sowie gegebenenfalls aufgefüllt werden. Bei Aluminiummotoren ist es ratsam, die Kühlflüssigkeit abzulassen, da Aluminium von Frostschutzmittel angegriffen wird. Auch die Scheibenwaschanlage sollte mit entsprechenden Mitteln frostsicher gemacht werden.

Anschließend ist das Auto von oben und unten zu waschen sowie der Lack zu konservieren. Ebenso empfiehlt die GT, das Auto vollzutanken und einen Ölwechsel vorzunehmen. Bei Vergaserfahrzeugen muss der Vergaser entleert werden.

Oldie-Konservierung

Was ist Fahrzeugkonservierung?

Mit einer Fahrzeugkonservierung soll das Fahrzeug in dem Zustand gehalten werden, in dem es ist oder kurz vor der Konservierung gebracht wurde.

Wie wird konserviert?

Meist dienen unterschiedlich kriechfähige Fette zur Konservierung. Sie unterkriechen Schmutz, Dreck und Unterbodenschutz und verhindern, dass sich an kleinen vorhandenen Roststellen weiterer Rost bildet, indem sie die Sauerstoffzufuhr stoppen. Größere Roststellen sollten durch entsprechende Karosseriebauarbeiten vor der Konservierung fachmännisch behandelt werden.

Wo kann man konservieren lassen?

Die Anbieter von Konservierungsmitteln haben zum teil Partnerwerkstätten. Vieles kann man aber auch selbst machen.

Auf was muss ich beim Konservieren achten?

Es muss genau gearbeitet werden. Ist aber ein Blech einmal so professionell behandelt, wird es kaum mehr rosten.

Was kostet eine Konservierung?

Das kann man ohne direkte Inaugenscheinnahme und Prüfung des Oldtimers nicht sagen. Generell gilt: Eine gute, saubere Bodenwäsche kostet zwischen 100 und 300 Euro. Trockeneisstrahlen wird pro Stunde berechnet, da können schon mal schnell 800 bis 1.300 Euro weg sein. Das Auftragen der Fette kann man mancherorts durchaus im Alleingang machen, es gibt dazu ausführliche Beschreibungen.

Wie lange hält eine Konservierung?

Wenn sie gut gemacht ist, hält sie theoretisch extrem lange. Es kommt aber auch darauf an, welchen Temperatur- und Witterungsbedingungen der Oldtimer ausgesetzt ist, damit die Fette ihre Wirksamkeit behalten.

Der Motor sollte durch die Ansaug- oder Kerzenbohrungen konserviert und die Ansaug- und Auspufföffnungen mit ölgetränkten Lappen verschlossen werden. Die Batterie sollte nach dem Ausbau in einem trockenen, frostfreien Raum lagern und regelmäßig entladen und geladen werden. Hilfreich sind hier Akku-Puls-Lader, die mittlerweile sehr günstig zu bekommen sind.

Weitere Tipps der GTÜ-Experten: den Reifenluftdruck um je ein Bar rundum erhöhen und den Wagen kippsicher aufbocken, so dass die Räder entlastet sind, aber noch Kontakt zum Boden haben und die Federn und Stoßdämpfer etwas belastet bleiben.
Lederausstattungen sollten mit Spezialfett dünn eingerieben werden.

Alte Werte: Oldtimer - Die schönere Geldanlage

Alte Werte

Oldtimer - Die schönere Geldanlage

Der Geruch von altem Leder und Benzin, das Fahrgefühl, wenn sich das Auto aufreizend langsam in Bewegung setzt, Fußgänger die Daumen heben. Oldtimer gehören zu den schönsten Geldanlagen. Und zu den lukrativsten.

Wenn möglich sollten die Fenster einen Spalt offen stehen und gute Luftzirkulation in der Garage herrschen, Cabrioverdecke müssen trocken sein, sollten imprägnieret und ebenfalls einen Spalt geöffnet bleiben. Weitere Maßnahmen: Scheibenwischerblätter abklappen und die Gummis mit Talkum einreiben, Chromteile mit Paraffin oder Schutzwachs einstreichen und die gesamte Karosserie nach Roststellen absuchen und wenn nötig behandeln. Idealerweise können die Hohlräume und Falze versiegelt werden. Auch die Gummiabdichtungen sind mit Pflegemittel zu behandeln. 

Die Handbremse sollte nicht festgezogen sein. Der Motor sollte später unbedingt im Leerlauf und mit angezogener Handbremse gestartet werden, da sich die Kupplung festsetzen kann.
Zum Schluss sollte das Fahrzeug mit staubdichtem Stoff, am besten Baumwolle, abgedeckt werden. Eventuell kann dann noch eine Ruheversicherung abgeschlossen werden bzw. sollte der Versicherungsvertrag hinsichtlich Ruhephasen oder Saisonzeiträume noch einmal überprüft werden.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

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