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29.10.2012

11:55 Uhr

Sicher fahren im Herbst und Winter

Höchste Zeit für den Reifenwechsel

VonFrank G. Heide

Die Temperaturen sinken, es ist höchste Zeit für wintertaugliche Reifen. Wer auf den ersten Schnee wartet, ist schlecht beraten. Denn auch bei Reifglätte am Morgen und überfrierender Nässe haben M+S-Pneus Vorteile.

Größter Vorteil von Winterreifen ist ein deutlich kürzerer Bremsweg bei winterlichen Bedingungen MID

Größter Vorteil von Winterreifen ist ein deutlich kürzerer Bremsweg bei winterlichen Bedingungen

DüsseldorfDie Zeit für Sommerreifen ist spätestens mit der Zeitumstellung am vergangenen Wochenende für 2012 endgültig vorüber. Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, wird es Zeit für wintertaugliche Reifen. Denn die mit dem "M+S"-Symbol gekennzeichneten Pneus bieten nicht nur im Schnee deutlich mehr Sicherheit, sondern haben auch bei typischem Herbstwetter wie überfrierender Nässe oder Reifglätte Vorteile. Sie sind aufgrund der aktuellen Temperaturen in den deutschen Höhenlagen schon jetzt den Sommerkollegen deutlich überlegen und bringen ein Plus an Sicherheit. Für ihren Einsatz sprechen vor allem deutlich kürzere Bremswege.

Tipps fürs richtige Autofahren im Winter

Video: Tipps fürs Autofahren bei Schnee und Eis

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Bremstests zeigen, dass auf Schnee ein Fahrzeug mit Sommerreifen aus Tempo 80 über 40 Meter länger benötigt bis es zum Stehen kommt als ein Auto mit Winterreifen. Das entspricht der Länge von rund zehn Pkw oder zwei Lkw mit Anhängern. Während das Auto mit Winterpneus bereits steht, ist das Fahrzeug mit Sommerreifen noch mit 49 Stundenkilometern unterwegs. Für kurze Bremswege auf nassen, vereisten und verschneiten Straßen sind insbesondere die Gummimischungs- und Lamellentechnologie von Winterreifen entscheidend. Laufflächenmischungen, die auch bei niedrigen Temperaturen flexibel bleiben, sorgen für den Grip. Doch nur in Verbindung mit speziellen Lamellen kann die Mischung ihre volle Wirkung entfalten.

Wer trotzdem bei Schnee, Eis- und Reifglätte mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld von 40 Euro, werden andere Verkehrsteilnehmer behindert, drohen sogar 80 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg. Wer nun noch kurzfristig kaufen muss, braucht aber keine besonders hohen Preise zu fürchten.

Nach Ansicht von Christian Schmitz, Geschäftsführer bei Auto-Teile-Unger, werden in diesem Jahr die Pneus für die kalte Jahreszeit billiger. "Aktuell sehen wir deutlich niedrigere Preise als im Vorjahreszeitraum", sagte der Chef der Werkstattkette gegenüber der "Wirtschaftswoche". Dafür sorge der wachsende Wettbewerb im Internet und die damit verbundene Preistransparenz. Leere Regale beim Händler müsse der Kunden nicht fürchten, denn die Reifenindustrie habe die Produktion erhöht, so dass Engpässe in der Versorgung nicht zu erwarten seien. Zudem könnte aufgrund der schwächelnden Automarkts die Nachfrage zurückgehen.

Tipps zum Winterreifen-Wechsel

Früh kaufen und wechseln

Jeder Autofahrer kennt die Winterreifen-Faustregel "von Oktober bis Ostern". Doch wenn sich alle daran halten, sollte man sich möglichst schon im September darum kümmern. Das empfehlen u.a. die großen Autoclubs. Hans-Georg Marmit von der Prüforganisation KÜS sagt: "Wer mit der Anschaffung bis zum ersten Kälteeinbruch wartet, muss damit rechnen, dass sein bevorzugtes Reifenmodell vergriffen ist oder ein höherer Preis dafür gezahlt werden muss als im Spätsommer."
Außerdem ist schwieriger auf den letzten Drücker noch einen Werkstatt-Termin zu bekommen, wenn der Winter plötzlich da ist. Denn dann werden die Werkstätten erfahrungsgemäß überrannt.

Pflicht oder freiwillig?

In Deutschland gilt die sogenannte situative Pflicht zur passenden Bereifung. Der Gesetzgeber schreibt Winterreifen oder Ganzjahrespneus mit "M+S"-Symbol (Matsch und Schnee) also nicht für einen bestimmten Zeitraum vor, sondern für winterliche Straßenverhältnisse - also bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte. Wer bei solchen Witterungsbedingungen von der Polizei mit Sommerreifen am Wagen erwischt wird, muss sich auf Strafen einstellen.
SUVs brauchen übrigens trotz des technischen Traktionsvorteils gleichfalls spezielle Profile in der kalten Jahreszeit, denn beim Bremsen hilft der Allradantrieb kein bisschen.

Welche Strafen drohen

Wer bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte von der Polizei mit Sommerreifen am Wagen erwischt wird, muss sich auf ein Bußgeld von 40 Euro und einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei gefasst machen. 80 Euro und ein Punkt sind fällig, wenn wegen der unpassenden Bereifung andere Verkehrsteilnehmer behindert werden.

Wann sind neue Pneus fällig?

Für einen neuen Satz Reifen sei die Zeit reif, wenn das Profil auf 4 Millimeter heruntergefahren ist, sagen die meisten Experten. Der Gesetzgeber schreibt zwar nur ein Mindestprofil von 1,6 Millimetern vor, aber damit lässt sich vor allem auf Schnee und Eis kaum etwas erreichen. Generell wird auch davon abgeraten, Reifen länger als 8 Jahre lang zu fahren oder lagern. Das Herstellungsdatum geht aus der sogenannten DOT-Nummer an der Reifenflanke hervor.

Stoßdämpfer checken

Defekte Stoßdämpfer verlängern den Bremsweg um 20 Prozent, d.h. 6 Meter mehr bei Tempo 80. Und 22% aller Autos fahren mit defekten Stoßdämpfern, 13,4 Prozent der Wagen haben Mängel am Fahrwerk gemäß TÜV Report 2012.
Über 50 Prozent der Unfälle von Pkws, die mehr als zehn Jahre oder 150.000 Kilometer auf dem Buckel haben, sind durch defekte Stoßdämpfer mit verursacht, stellt das Instituts für Verkehr und Umwelt (IVU) fest. Der Reifenwechsel in einer Werkstatt ist daher ein guter Anlass, Stoßdämpfer und Federn überprüfen zu lassen, die Räder sind ja sowieso abmontiert.

Reifen-Kennzeichnung

Ein Buch mit sieben Siegeln sind für viele Autofahrer die Hieroglyphen auf der Reifenflanke. Sie geben u.a. Aufschluss über Größe, Bauart, Höchstgeschwindigkeit, Laufrichtung, Herstellungsdatum, Tragkraft und Wintereignung (M+S). Wer ganz genau wissen will, wo was steht, erhält hier und hier genauen Aufschluss.

Unterschiede zwischen Winter- und Sommerreifen

Von Ostern bis Oktober ist Sommerreifen-Zeit. Von April bis Ende September fährt es sich mit Sommerpneus sicherer. Winterreifen nutzen sich auf sommerlichen Straßen schnell ab. Und je stärker der Abrieb, desto höher ist der Spritverbrauch.
Sommerreifen haben die besseren Eigenschaften für die warme Jahreszeit. Die Gummimischung ist härter, sie ist auf höhere Temperaturen und aufgeheizten Asphalt abgestimmt. Das gewährleistet gute Bodenhaftung, Stabilität und geringeren Abrieb.
Außerdem ist das spezielle Sommerprofil optimal für trockene Straßen und nasse Fahrbahnen ausgelegt. So kann sich der Bremsweg mit Sommerreifen und ABS-Bremsen auf trockener Fahrbahn verkürzen: Aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h steht das Auto zirka drei Meter früher als mit Winterreifen.

A bis G: Das neue Reifen-Label

Ab 1. November 2012 müssen alle ab dem 1. Juli 2012 produzierten Reifen mit dem neuen Reifenlabel gekennzeichnet sein. Die Bewertung erfolgt in sieben Kategorien von "A" bis "G". "A" steht für den Bestwert, "G" für die schlechteste Benotung. Auf dem Label wird oben links mit Buchstabenkennung von A bis G angegeben, ob der Rollwiderstand niedrig oder hoch ist.
Zwischen Reifen mit der Kennung "A" (sehr gut) und solchen mit der Kennung "G" (schwach) liegen 0,5 bis 0,75 l/ 100 km Mehrverbrauch. Oben rechts auf dem Label ist die Nasshaftung und Nassbremsleistung angegeben. Zwischen den Werten "A" und "F" können 18 Meter Unterschied beim Bremsweg liegen.
Unterhalb von diesen Angaben wird die Geräuschemission beim Vorbeifahren in drei Klassen angezeigt; ein leiser Reifen erhält einen ausgefüllten Balken, ein lauter bekommt drei Balken. Das Reifengeräusch muss in Ziffern in der Geräuscheinheit "dB" angegeben werden. Damit sind neue Reifen für Verbraucher auf den ersten Blick leichter zu bewerten, das Studium umfangreicher Reifentests ersetzt das Label aber nicht. Denn die Informationen sind nicht vollständig, das Label weist allein eine Klassifizierung des Rollwiderstands, der Nasshaftung und des Geräuschniveaus aus.

Ganzjahresreifen

Ganzjahresreifen sind Allrounder, und immer ein Kompromiss. Die Pneus sind weicher als Sommerreifen und härter als Winterreifen, auch das Profil ist eine Zwischenlösung. Folge: Sie fahren sich schneller ab und haben zum Beispiel bei Glätte oder auf nasser Fahrbahn in den Sommermonaten nicht die Haftungs- und Bremseigenschaften wie reine Saisongummis.
Wer nur in der Stadt oder in mittleren Lagen fährt, und bei viel Eis und Schnee auch mal auf das Auto verzichtet, mache mit guten Ganzjahresreifen nichts falsch. Für schneereiche, bergige Gegenden sind sie aber nichts. Auch für Vielfahrer, sportliche Zeitgenossen und Fahrzeuge mit Breitreifen lohnt sich der halbjährliche Wechsel von Sommer- und Winterreifen.

Korrekte Lagerung

Für Saisonreifen ist jeweils ein eigener Felgensatz von Vorteil, denn allzu oft machen Reifen das Auf- und Abziehen nicht mit. Außerdem lassen sich Kompletträder, die gerade nicht genutzt werden, materialschonender einlagern. Am besten werden sie auf einen Felgenbaum am Felgenloch aufgehängt und an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort aufbewahrt.
Reifen ohne Felge sollten aufrecht stehen oder liegen, dann höchstens zwei Gummis aufeinanderstapeln. Werden sie aufgehängt, können sie sich verziehen und unbrauchbar werden.

Und was soll man auf die Felgen ziehen? Obwohl für Winterreifen die gleiche gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern gilt, ist der Autofahrer mit einem früheren Wechsel auf der sicheren Seite. Unter vier Millimetern Profiltiefe sind Winterreifen nur sehr bedingt sicher. Auch werden Pneus spröde, wenn sie älter als zehn Jahre sind. Bei den großen Winterreifen-Tests, deren Ergebnisse die einschlägigen Magazine und Autoclubs schon vor Wochen veröffentlicht haben, gehen die aktuellen Empfehlungen wieder eindeutig zur Markenware und zum individuellen Preisvergleich.

Kommentare (1)

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General-Investigation

27.11.2012, 18:23 Uhr

Winterreifen haben bei winterlichen Bedingungen nicht immer den kürzeren Bremsweg, denn ABS verhindert genau das. Auf Schnee steht jeder Pkw mit Winterreifen ohne ABS schneller - hat also einen kürzeren Bremsweg und somit Anhalteweg - weil sich zwischen Reifen und Schneedecke ein Schneekeil bilden kann, der zusätzlich das Fahrzeug bremst. Bei ABS ist der Bremsweg um ca. 15% länger.

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