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12.07.2017

10:59 Uhr

Statistik des Parkens

Stuttgart ist Knöllchen-Hauptstadt

VonLukas Bay

Parken ist überall lästig. Doch hierzulande sammeln Autofahrer deutlich mehr Strafzettel als in anderen Regionen in der Welt. Besonders eifrig sind schwäbische Politessen. Einblicke in eine weltweite Parksünder-Statistik.

In Deutschland kassieren Autofahrer zwar deutlich mehr Strafzettel als in Großbritannien und den USA, müssen dafür allerdings auch weniger bezahlen. dpa

Falschparker-Paradies Deutschland

In Deutschland kassieren Autofahrer zwar deutlich mehr Strafzettel als in Großbritannien und den USA, müssen dafür allerdings auch weniger bezahlen.

DüsseldorfAuf ihre Automarken sind die Schwaben stolz. In Stuttgart sind mit Daimler und Porsche immerhin gleich zwei Hersteller mit Weltruf zuhause. Doch die Liebe zum Automobil müssen die Schwaben oft teuer bezahlen. In keiner deutschen Stadt gibt es mehr Staus, in kaum einer Stadt sammelt sich so viel Feinstaub und Stickoxid in der Luft – und auch Parken ist in Stuttgart ein großes Problem.

Das zeigt eine aktuelle Studie des Parkdienstleisters Inrix. Für die Untersuchung hat das Datenunternehmen die weltweit größte Parkdatenbank mit 100.000 Standorten ausgewertet. Exemplarisch haben die Fachleute dabei die Daten von 30 Städten in Deutschland, Großbritannien und den USA detailliert aufgelistet – und befördern dabei interessante Fakten über das Parkverhalten von Großstädtern zutage.

Die Deutschen sind demnach besonders fleißige Knöllchen-Sammler. Bei den durchschnittlichen Strafzetteln pro Fahrer landen drei deutsche Städte auf den ersten Plätzen. Mit 1,5 Knöllchen pro Autofahrer ist die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart im weltweiten Vergleich die Stadt, in der die meisten Strafzettel pro Einwohner verteilt werden. Selbst internationale Metropolen wie New York (1,31 Strafzettel pro Einwohner) und London (1,09 Strafzettel pro Einwohner) können da nicht mithalten.

In diesen Städten gibt es die meisten Knöllchen

Platz 10

Hamburg – In der Hansestadt bekommen Autofahrer im Schnitt 0,96 Knöllchen im Jahr. Durch die hohe Einwohnerzahl liegen die Strafen, die durch Falschparker eingenommen werden, bei rund 16 Millionen Euro.

Quelle: „Die Folgen der Parkplatzproblematik in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland“, INRIX Research, Graham Cookson & Bob Pishue, Juli 2017

Platz 9

Bremen – Etwas öfter trifft es die benachbarten Bremer. Mit durchschnittlich 1,01 Knöllchen pro Autofahrer spülen die Bremer jährlich vier Millionen Euro in die Kasse.

Platz 8

München – Die bayerische Landeshauptstadt gilt als Pendlermetropole. 1,04 Knöllchen sammeln die Bewohner im Jahr ein. Insgesamt summieren sich die Parkstrafen auf zehn Millionen Euro.

Platz 7

Essen – Das Ruhrgebiet ist so dicht besiedelt, dass die Parkplätze mitunter knapp werden. 1,09 Knöllchen gab es für jeden Autofahrer in Essen im vergangenen Jahr. Insgesamt belaufen sich die Parkstrafen auf vier Millionen Euro.

Platz 6

Dortmund – Nicht nur beim Fußball, auch bei den Knöllchen sind die Dortmunder derzeit die Nummer Eins im Pott. 1,11 Strafzettel pro Fahrer sammelten die Dortmunder zuletzt ein – auch hier summiert sich die Gesamtsumme auf etwa vier Millionen Euro.

Platz 5

Düsseldorf – Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt ist berühmt für ihre teuren Autos. Die parken nicht immer dort, wo sie dürfen. Im Schnitt sammelt jeder Düsseldorfer 1,15 Knöllchen pro Jahr. Die Stadtkasse freut sich über fünf Millionen Euro.

Platz 4

Berlin – Deutschlands Hauptstadt liegt wegen ihrer hohen Einwohnerzahl natürlich bei der Gesamtsumme der Strafen vorne. Insgesamt zahlten die Berliner 14 Millionen Euro für Knöllchen. Auf einen Berliner Fahrer entfallen etwa 1,29 Strafzettel.

Platz 3

Köln – Was haben New York und Köln gemeinsam? In beiden Städten kassieren die Autofahrer im Schnitt genau 1,31 Strafzettel pro Jahr. Doch während die New Yorker dafür insgesamt 164 Millionen Dollar im Jahr zahlen, beläuft sich die Gesamtsumme in der Domstadt auf gerade einmal neun Millionen Euro.

Platz 2

Frankfurt – In keiner anderen Stadt müssen Autofahrer so lange einen Parkplatz suchen wie in der Bankenmetropole am Main. Da greifen manche zu illegalen Mitteln. Insgesamt sammeln die Frankfurter damit 1,39 Strafzettel im Jahr – und zahlen dafür insgesamt sieben Millionen Euro.

Platz 1

Stuttgart – Schwäbische Politessen geizen nicht mit Strafzetteln. Mit 1,5 Knöllchen pro Autofahrer im Jahr wird in keiner getesteten Großstadt häufiger verwarnt. Sechs Millionen Euro Strafen kommen so im Jahr zusammen.

Allerdings fällt das Bußgeld in Deutschland immer noch vergleichsweise günstig aus. Während in New York für einen durchschnittlichen Strafzettel ganze 85 Dollar gezahlt werden müssen, kostet ein Knöllchen in Stuttgart im Schnitt gerade einmal 16 Euro. Auch das erhöht den Anreiz, beim Parken zu schummeln.

Dabei ist die Bundesrepublik bei Parkgebühren meist günstiger als Großbritannien oder die USA. In ihrer Studie verglichen die Forscher von Inrix den durchschnittlichen Tarif für zwei Stunden auf zentralen Parkplätzen an einem Montagmittag. Dabei unterschieden sie die Preise öffentlicher Parkplätze auf der Straße und privater Parkhäuser. Die teuerste deutsche Großstadt München landet für einen durchschnittlichen Stellplatz im Parkhaus bei moderaten 5,66 Euro. In New York kostet ein Parkhaus für zwei Stunden dagegen im Schnitt rund sechsmal so viel (32,80 Dollar), dahinter landen Boston (25,59 Dollar) und Chicago (21,54 Dollar).

Bei öffentlichen Parkplätzen auf der Straße ist Stuttgart die teuerste deutsche Stadt. Zwei Stunden kosten hier sieben Euro. Im internationalen Vergleich landet hier Chicago (13 Dollar) knapp vor London (9,80 Pfund). Auffällig: Öffentliche Parkplätze sind in Deutschland teurer als die privaten Parkhäuser. Denn statt nach Angebot und Nachfrage werden sich die Parkplätze, die von den Kommunen betrieben werden, nach lokalpolitischen Erwägungen bepreist. Das führt aber nicht dazu, dass deutsche Autofahrer schneller einen Parkplatz finden.

Im Schnitt müssen die Deutschen nach Berechnungen von Inrix etwa 41 Stunden pro Jahr investieren, um einen Parkplatz zu finden. Das ist zwar deutlich mehr als in den USA (17 Stunden), aber weniger als in Großbritannien (44 Stunden). Am längsten dauert es in Frankfurt. In der hessischen Bankenmetropole sind Autofahrer im Schnitt 65 Stunden pro Jahr mit der Parkplatzsuche beschäftigt. Essen (64 Stunden) und Berlin (62 Stunden) landen knapp dahinter. Und wenn die Deutschen dann doch mal einen Parkplatz gefunden haben, zahlen sie meistens sehr viel dafür.

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