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13.01.2011

13:30 Uhr

Verkehrsrecht

Autofahrer haften selbst für Schlagloch-Schäden

Die vergangenen beiden Winter haben eine rekordverdächtig hohe Anzahl deutscher Straßen in wahre Schlaglochpisten verwandelt. Die Kommunen für daraus am Fahrzeug entstehende Schäden haftbar zu machen, gelingt allerdings nur in Ausnahmefällen.

Vorsicht, Schlagloch! dpa

Der frostige Winter hat Spuren hinterlassen: Autofahrer müssen mit Schlaglöchern rechnen - und für Schäden meist selbst aufkommen. (Bild: ZB-Funkregio Ost)

HB/dpa/tmn BERLIN/MÜNCHEN. Autofahrer müssen durch Schlaglöcher im Winter entstandene Schäden an ihrem Wagen in der Regel selbst bezahlen. Wegen des Wetters müssten Fahrer mit Schlaglöchern rechnen und ihre Geschwindigkeit anpassen.

"Der Kraftfahrer hat keinen Anspruch darauf, dass die Straße aussieht wie geleckt", erklärt Michael Burmann von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein in Berlin.

Die Gemeinde müsse allerdings für Schäden durch Schlaglöcher dann haften, wenn sie dem Autofahrer unerwartet in die Quere kommen. Das sei zum Beispiel bei nagelneuen, einwandfreien Straßen der Fall. Gleiches gelte für Löcher, die unmittelbar hinter Kurven liegen und nicht durch ein Warnschild gekennzeichnet sind, sagt Burmann.

Großer Schaden auch durch kleine Löcher

Auch kleine Schlaglöcher können an Autos große Schäden anrichten. Rumpelt ein Wagen über Risse und Löcher, die der Frost in den vergangenen Wochen vielerorts in die Straßen genagt hat, sind Defekte am Fahrwerk keine Seltenheit.

Abgerissene Felgengewichte, verformte Räder und verstellte Achsen führen dann schnell dazu, dass ein Fahrzeug zur Seite zieht oder das Lenkrad vibriert, erklärt der TÜV Süd. Solche Anzeichen für einen Schaden sollten Fahrer ernst nehmen: Sie suchen dann besser zügig eine Werkstatt auf, rät die Prüforganisation. Denn hält ein Auto nicht sauber die Spur, ist die Unfallgefahr groß.

Schutz vor Schlaglochschäden am Wagen kann im Prinzip nur eine angepasste Fahrweise bieten. Das heißt für den Fahrer: Tempolimits einhalten, den Straßenbelag im Blick behalten und auf regelrechten Rüttelpisten lieber langsamer fahren als erlaubt. Vor spontanen Ausweichmanövern an Schlaglöchern warnt der TÜV dagegen: Leicht könnten dabei Radfahrer oder andere Autos übersehen werden.

Jede zweite Straße betroffen?

Der ADAC rechnet damit, dass bis zum Frühjahr bundesweit jede zweite kommunale Straße beschädigt sein dürfte. Das deckt sich mit der Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Dessen Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte kürzlich, der vergangene Winter habe Straßenschäden von 3,5 Mrd. Euro verursacht. "Die sind natürlich nicht alle beseitigt, die sind ein bisschen geflickt." Eine nötige Grundsanierung habe es nicht gegeben, weil Städte und Gemeinden das finanziell nicht leisten könnten. Die Kosten dafür bezifferte Landsberg auf "wenigstens 25 Mrd. Euro".

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