Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.10.2013

15:24 Uhr

Verkehrssicherheit

Ins Leere geblitzt

VonFrank G. Heide, Lukas Bay

Heute ist Blitzertag: Bundesweit werden Strafzettel verteilt. Moderne Blitzanlagen sind schuss-gesichert. Sie haben Alarmsysteme, die vor wütenden Verkehrssündern schützen. Doch High-Tech überfordert manchen Polizisten.

Verkehrserziehung

Blitz-Marathon kennt kein Erbarmen

Verkehrserziehung: Blitz-Marathon kennt kein Erbarmen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfEs sind irrwitzigen Szenen aus dem täglichen Straßenverkehr, wie wir sie alle kennen: Autofahrer mit Handy in der Hand können die Spur nicht halten, andere tüfteln am Navigationsgerät und bremsen zu spät, von vermeintlichen Verkehrserziehern ausgebremste eilige Berufspendler drängeln unverfroren durch zu dichtes Auffahren. Nebenbei wird mit Kippe und Kaffeebecher hantiert. Bei Radfahrern ist das Bild nicht viel besser: Kurzsichtige Senioren ziehen rechts am Stop and Go-Verkehr per Pedelec vorbei, als säßen sie sicher wie im Panzer und jeder fünfte radelt auch gerne schon mal besoffen heimwärts.

Natürlich stehen all diese leichtfertigen und teils lebensgefährlichen Verhalten unter Strafe. Aber wer soll das alles regelmäßig kontrollieren? Die Jagd auf Raser dagegen stellt sich sowohl technisch wie auch personell als relativ einfach dar. Starenkästen am Straßenrand und Lasermessgeräte hinter schwarz getönten Nutzfahrzeug-Heckscheiben sind einfach und schnell aufgebaut, und sie rechnen sich auch flott. Kein Wunder also, dass sie bei Autofahrern zu den meistgehassten „Folterinstrumenten“ der Behörden zählen.

Wo die Radarfallen beim Blitz-Marathon zuschnappen

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sind alle verfügbaren Blitzgeräte im Einsatz. Wie viele das sind und wo sie genau stehen, listet die Polizei nicht auf. Wer es genau wissen will, müsse bei den einzelnen Polizeidiensstellen nach Blitzer-Standorten fragen.

Bayern

In Bayern wird an etwa 1.400 Stellen geblitzt. Die Polizei weist allerdings darauf hin, dass auch an Orten kontrolliert werden kann, wo es nicht angekündigt wurde. Hier geht's zur Übersicht.

Berlin

Neben den 199 stationären Blitzern sind in Berlin mehrere mobile Kontrollstreifen im Einsatz. Hier geht's zur Übersicht.

Brandenburg

Rund 575 Polizisten des Landes Brandenburg werden heute an etwa 400 Messstellen die Einhaltung der Geschwindigkeiten kontrollieren. Hier geht's zur Blitzer-Übersicht.

Bremen

In Bremen blitzt die Polizei an 18 Stellen. Hier geht's zur Übersicht.

Hamburg

Etwa 300 Kontrollstellen wurden in Hamburg auf Vorschlag der Bürger ausgewählt. Hier geht's zur Übersicht.

Hessen

Die Polizei Hessen gab 387 Messstellen bekannt. Hier geht's zur Übersicht.

Mecklenburg-Vorpommern

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es neben den stationären Blitzern einige Videowägen, die den Marathon mobil begleiten. Hier geht's zur Übersicht.

Niedersachsen

In Niedersachsen wird an 459 Messorten geblitzt. Der Schwerpunkt liegt wie bei den letzten beiden Blitzmarathons in Niedersachsen hauptsächlich auf den Landstraßen außerhalb von Städten und Ortschaften. Hier geht's zur Übersicht.

Nordrhein-Westfalen

In NRW hat der Blitz-Marathon Tradition: Bereits zum fünften Mal wird dort in großem Stil kontrolliert. Polizei und Kommunen richten mehr als 3.100 Kontrollstellen ein, fast 4000 Mitarbeiter sind im Einsatz. Hier geht's zur Übersicht.

Rheinland-Pfalz

Die Polizei Rheinland-Pfalz teilt auf ihrer Webseite mit: „An über 450 Kontrollstellen sind wir präsent. Hier geht's zur Übersicht.

Saarland

Die saarländische Polizei ist beim Blitz-Marathon mit mobiler und stationärer Messtechnik dabei. An vier der Kontrollstellen gibt es sogar ein verkehrsberatendes Gespräch. Hier geht's zur Übersicht.

Sachsen

Auch Sachsen listet die einzelnen Blitzer-Standorte laut Staatsministerium nicht auf.

Sachsen-Anhalt

An 216 Stellen im Land wird geblitzt. Wo genau wurde erst am Donnerstag veröffentlicht. Hier geht's zur Übersicht.

Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein beteiligen sich alle Polizeidirektionen der Landespolizei und zahlreiche Kommunen am Blitz-Marathon und kontrollieren vor allem dort, wo häufig Unfälle passieren. Hier geht's zur Übersicht.

Thüringen

In Thüringen wird an rund 150 Stellen die Geschwindigkeit kontrolliert. Hier geht's zur Übersicht.

Die High-Tech-Messung kennt keine Barmherzigkeit. Selbst wer stundenlang sein Gefährt selbstlos und vorausschauend durch brenzlige Situationen pilotiert, wird gnadenlos vom Blitzer "abgeschossen", wenn er an der falschen Stelle das Gaspedal auch nur ein paar Millimeter zu weit durchdrückt.

Und diese Technik, die viele Fahrer im übertragenen Wortsinn zur Raserei bringt, wird immer besser. Selbst Motorradfahrer, die bislang meist straffrei dem Blitzer zuwinkten, weil ihr Gefährt vorne kein Kennzeichen führt, müssen mittlerweile sogenannte Rückwärtsblitzer fürchten. Und finanziell klamme Kommunen rüsten weiter auf: Der gute alte Starenkasten könnte sogar bald ganz ausgedient haben.

Tausende Bilder speichern und digital versenden

Viele Städte ersetzen die alten analogen Blitzer, in denen bis heute noch ein Film rattert, durch moderne Laserblitzer. Eines der beliebtesten Produkte ist Poliscan Speed von der Firma Vitronic, das sowohl in der mobilen als auch in einer stationären Version ausgeliefert wird.

Mit der laserbasierte LIDAR-Technologie (Light Detection and Ranging) kann das Gerät mehrere Fahrbahnen  gleichzeitig erfassen. Die Fotos der Raser sind gestochen scharf, bis zu 3.000 Bilder kann die Säule speichern und digital versenden.

Selbst bei Sonne, getönten Scheiben und extremen Temperaturen von minus 20 bis plus 50 Grad Celsius liefert die Anlage genaue Ergebnisse. Und auch gegen wütende Verkehrssünder ist die moderne Blitzersäule geschützt. Auf Wunsch verfügt sie über ein Alarmsystem und wird mit schusssicherer Außenhülle ausgeliefert.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

FoCS

10.10.2013, 17:28 Uhr

Ich finde, wir sollten es machen wie in Österreich: Die Geschwindigkeit wird durch engagierte Polizeibeamte geschätzt. Und da man eine Schätzung nicht anzweifeln kann, werden auch die Gerichte entlastet.

PFAS

10.10.2013, 17:51 Uhr

"Aber die Fakten sprechen für sich: Jede Tempo-Verringerung bedeutet weniger Tote und Verletzte im Straßenverkehr."
Lassen wir unsere Frauen mit Warnfahne vor dem Auto herlaufen oder radeln. Dann haben wir die absolute Tempo-Verringerung! (Ironie aus)

G4G

10.10.2013, 17:58 Uhr

Das war die dümmste Aktion, die man sich vorstellen kann.
In Deutschland wird in der Regel unfair geblitzt. Das Ziel ist "Kasse" zu machen. Es geht nicht wirklich um Unfallvermeidung auf Raserstrecken. Deutschland und die zuständigen Verkehrsminister haben hier völlig versagt.
Zum Teil soll es sogar zu Unfällen durch Radarkontrollen gekommen sein!
Ein Beispiel wirklich fairer "Blitzpolitik" ist Frankreich. Hier hat man im Land der Schnellfahrer tausende von Radarfallen aufgestellt. Vor jeder Radarfalle gibt es eine automatische Geschwindigkeitsanzeige und ein Hinweisschild. Das Tempolimit liegt auf der Autobahn bei generell bei 130 km/h und bei Regen bei 110 km/h.
In geschlossenen Ortschaften wird das gleiche System bei 50 km/h angewandt.
Dieses System ist fair play, funktioniert augenscheinlich sehr gut und ist auch stressfrei und angenehm zu fahren. Der Verbrauch sinkt drastisch und man kommt dennoch schnell und sicher von A nach B.
Wenn unsere zuständigen Stellen etwas Grips beweisen würden, kann man sich beim Nachbarn etwas Sinnvolles abgucken.
Daneben finde ich die von FoCS Methode "natürlich auch klasse". Die Ösi's multiplizieren zudem mit dem Hubraum oder dem Format der Reifen.
Auch in Überlingen am Bodensee schreibt man Tickets für kurzzeitiges Falschparken nach Marke und Hubraum.

Solche Systeme muss man natürlich meiden, weshalb ich mit 21" und knapp 4 L Hubraum in solchen Ländern und Städten jeglichen Konsum vermeide. Als Verbraucher muß man nur konsequent handeln.
Die 4 L Hubraum verbrauchen im Übrigen knapp 6,5 Liter beim französichen System. Das ist also auch noch nachhaltig und ökologisch :-)
An diese Regeln gewöhnt man sich sehr schnell

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×