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01.05.2011

14:30 Uhr

Strömungstechnik

Millionen in die Luft geblasen

Quelle:dpa

Aerodynamiker sind stets auf der Suche nach der idealen Autoform - mit möglichst geringem Luftwiderstand, der beim Spritsparen hilft. Doch die Alltagstauglichkeit ist dabei entscheidend.

Das "windschnittigste Serienfahrzeug am Markt": Der cw-Wert des E-Klasse Coupés Blue Efficiency liegt bei 0,24. Das hilft beim Spritsparen.

Das "windschnittigste Serienfahrzeug am Markt": Der cw-Wert des E-Klasse Coupés Blue Efficiency liegt bei 0,24. Das hilft beim Spritsparen.

Stuttgart/IngolstadtSie kämpfen um jedes Kilo und ringen um den letzten Tropfen: Um den Verbrauch ihrer Autos zu reduzieren, lassen Fahrzeugentwickler nichts aus. Dabei feiert auch eine Disziplin ihre Renaissance, die oft in Vergessenheit gerät: Die Verminderung des Luftwiderstandes. Denn neben der Trägheit der Masse und dem Rollwiderstand der Reifen ist er die dritte Größe, die den Verbrauch eines Autos maßgeblich bestimmt, erläutert Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS in Losheim am See. Dabei steigt der Einfluss des Luftwiderstandes auf den Verbrauch mit dem Tempo. Schon bei etwa 60 km/h liegt er gleichauf mit dem Rollwiderstand und der Beschleunigung, sagt Marmit. "Und bei Vollgas auf der Autobahn verbrennt man schon 90 Prozent des Sprits allein wider die Kraft des Windes."

Angegeben wird dieser Widerstand als cw-Wert. Er liegt beim aktuellen Coupé der E-Klasse Blue Efficiency bei 0,24 und macht den Zweitürer zum "windschnittigsten Serienfahrzeug am Markt", sagt Teddy Woll. Der Techniker leitet die Aerodynamik-Entwicklung bei Mercedes in Stuttgart. In dieser Funktion sorgt er gewissermaßen dafür, dass die Autos des Herstellers dem Wind immer weniger Widerstand bieten.

Senken lässt sich der sogenannte Luftwiderstandsbeiwert vor allem durch gezielten Feinschliff an der Karosserie. Zwar sind die Grundzüge eines neuen Autos meist schon vorgegeben, doch mit der Arbeit im Detail lässt sich noch vieles verbessern: "Denn nur 40 Prozent des cw-Wertes entfallen auf die Karosserieform. 30 Prozent dagegen machen Räder und Reifen aus, 20 Prozent der Unterboden und 10 Prozent die Funktionsöffnungen, durch die etwa Kühlluft unter die Haube strömt", erläutert ein Ingenieur von BMW.

Vorhänge aus Luft knüpfen

Experten wie Woll achten bei der Entwicklung eines neuen Modells auf einen besonders glatten Unterboden. Und die Kühlluft wird mit Klappen und Jalousien im Kühlergrill möglichst günstig reguliert. Die Fachleute feilen an den Außenspiegeln und optimieren die Felgen. Und sie knüpfen sogar Vorhänge aus Luft: Dieser Air-Curtain entsteht vor den Felgen, wenn der Fahrtwind durch ein Loch im Stoßfänger geleitet wird. Damit lassen sich störende Verwirbelungen verhindern. "Am besten wären natürlich geschlossene Radhäuser wie bei manchen Rekordfahrzeugen", sagt Woll. "Aber mit Blick auf Federwege, Lenkeinschläge und den Einsatz von Schneeketten ist das bei Serienfahrzeugen kaum möglich."

Auch andere Kunstkniffe schaffen es bis auf Weiteres wohl nicht in die Serie: Videokameras, die die Außenspiegel ersetzen oder aufblas- oder ausklappbare Abströmkörper, die am Heck die Strömung positiv beeinflussen. Doch auch der alltagsrelevante Feinschliff zahlt sich Woll zufolge aus: Eine Senkung von 0,25 auf 0,24 spare im Normzyklus etwa ein Gramm CO2 auf 100 Kilometer. Im alltäglichen Fahrzeuggebrauch liege der CO2-Gewinn allerdings bereits bei zwei bis drei Gramm und bei einer schnellen Autobahnfahrt erreiche er mitunter fünf bis zehn Gramm.

Kommentare (2)

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FoCS

01.05.2011, 15:43 Uhr

Neulich bei Frontal21 wurde einem AUDI-Besitzer und dem staunenden Publikum vorgeführt, dass der Q7 bei Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h 13.5 l/100 km braucht, bei einer Beschränkung auf 120 km/h jedoch nur 8.5 l/100 km. Der Besitzer: Da kann man schon ins Grübeln kommen (und ein Tempolimit auf Autobahnen befürworten). An die nächstliegende Alternative, nämlich auf ein aerodynamisch gutes Auto (z. B. die E-Klasse) zu wechseln, kam jedoch keiner der Beteiligten."

Jan

01.05.2011, 15:57 Uhr

Sehr richtig, ich habe den Beitrag auch kopfschüttelnd verfolgt.

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