Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2011

16:04 Uhr

Neuartige Assistenzsysteme

Wenn das Auto mitdenkt

Quelle:dpa

In modernen Autos übernehmen elektronische Helfer viele Aufgaben. Kombiniert man die Assistenten von heute mit Robotertechnik von morgen, kommt dabei etwa ein Autopilot für Baustellen heraus.

Enge Baustellen machen dem Autopiloten in diesem Forschungsfahrzeug von Continental nichts aus. Sensoren und Kameras manövrieren den Wagen. dpa

Enge Baustellen machen dem Autopiloten in diesem Forschungsfahrzeug von Continental nichts aus. Sensoren und Kameras manövrieren den Wagen.

BerlinAutobahnbaustellen zu durchfahren, bedeutet für die meisten Menschen Stress pur: In den Engstellen kommen sich Autos und Lastwagen gefährlich nah. Jederzeit muss man damit rechnen, dass ein Wagen auf der Nebenspur plötzlich einen Schlenker macht, oder dass der Vorausfahrende überraschend auf die Bremse tritt. In dieser Situation wünschen sich viele Autofahrer einen Co-Piloten, der das Steuer übernimmt, bis die Bahn wieder frei ist. In einem Forschungsfahrzeug des Continental-Konzerns steckt ein solcher Helfer: Der elektronische Assistent manövriert den Wagen souverän durch jedes Nadelöhr.

Der «Baustellenspezialist» ist eines von sieben Ergebnissen des EU-Forschungsprojekts HAVEit für hochautomatisiertes Fahren und somit blechgewordene Science-Fiction von Experten aus Industrie und Wissenschaft. «Ziel des Projektes war es, nicht abzuheben, sondern Ideen zu entwickeln, die in der Realität umsetzbar sind und auch in absehbarer Zeit auf die Straße gebracht werden können», betont Projektkoordinator Reiner Höger. Insgesamt besteht die HAVEit-Flotte aus vier Personenwagen - allesamt aufgerüstete VW Passat - sowie zwei Lkw und einem Bus von Volvo.

Mit den Testfahrzeugen veranschaulichten die Mitarbeiter des EU-Projekts auf der Teststrecke Hällered nahe der schwedischen Stadt Borås, welches Potenzial Sicherheits- und Assistenzsysteme von morgen haben.

Die Testwagen des Projekts HAVEit können in bestimmten Verkehrssituationen autonom fahren. Der Mensch muss aber weiter aufpassen, denn er haftet. dpa

Die Testwagen des Projekts HAVEit können in bestimmten Verkehrssituationen autonom fahren. Der Mensch muss aber weiter aufpassen, denn er haftet.

So nutzt der Baustellen-Autopilot nach Angaben von Continental Kameras, Sensoren, Radargeräte und Rechner, die bereits serienmäßig in Fahrzeugen eingebaut werden oder so gut wie marktreif sind. Diese Komponenten wurden so kombiniert, dass sie die oft verwirrenden oder sogar widersprüchlichen Fahrbahnmarkierungen in Baustellen lesen und richtig deuten können. Außerdem garantieren sie während der automatischen Fahrt einen Sicherheitsabstand zum Vordermann und passen auf, dass andere Fahrzeuge nicht versehentlich rechts überholt werden. Droht ein Crash, leitet das System eine Notbremsung ein.

Ähnlich praktisch könnte eines Tages ein Assistent aus dem Forschungsauto FasCar II des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sein: Er übernimmt das Überholen. Mit einem kleinen Lenkimpuls signalisiert der Fahrer dem Auto, dass er überholen möchte, erklärt Birgit Pattberg vom DLR. Den Rest erledigt der Wagen: Er prüft, ob Verkehrssituation und Strecke ein gefahrloses Vorbeifahren ermöglichen, schert aus und spätestens dann wieder ein, wenn der Fahrer zurück auf seine Fahrspur will. Bei diesem und den drei anderen Projekt-Pkw mit Autopilot-Funktionen sei entscheidend, «dass die Verantwortung beim Fahrer bleibt», erläutert Pattberg.

Wer am Steuer sitzt, kann jederzeit selbst bestimmen, welche Aufgaben er dem Auto in welchen Situationen übertragen möchte. Überlässt der Fahrer dem Wagen das Gasgeben, Bremsen und Lenken vollständig, heißt das nicht, dass er sich schlafen legen kann: Eine Kamera beobachtet ihn. Wirkt er abgelenkt, fordert ihn das Auto auf, den Automatikmodus abzuschalten und selber weiterzufahren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×