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08.04.2013

10:33 Uhr

30 Jahre Mercedes 190 E 2,3-16

Der erste Benz im "Sport-Leible"

Quelle:MID

Die alten Zöpfe bei Mercedes fielen Anfang der 80er. Um den erfolgreichen BMW 3er zu kontern, stellten die Schwaben 1982 den 190 vor. Ein Jahr später folgte die Sportversion 190 E 2,3-16. Eine Erfolgsgeschichte.

Mit dem 190 E 2.3-16 präsentierte Mercedes 1983 das sportliche Topmodell der kleinen Baureihe. PR

Mit dem 190 E 2.3-16 präsentierte Mercedes 1983 das sportliche Topmodell der kleinen Baureihe.

StuttgartDer Beginn der Achtziger markierte eine Periode des Umbruchs beim ältesten Automobilbauer der Welt. Die neuen Modelle, die unter der Regie des seit 1975 amtierenden Designchefs Bruno Sacco entstanden waren, revolutionierten mit klaren Linien und zeitloser Eleganz die Formensprache der Schwaben. Seine 1979 auf der Frankfurter IAA vorgestellte S-Klasse (W 126) und das SEC-Coupé von 1991 veränderten das Gesicht der Marke nachhaltig wie gleichermaßen erfolgreich.

Nicht minder spektakulär fiel die Entscheidung des Hersteller aus, mit einer ganz neuen Baureihe für Einsteiger den Wettbewerb mit dem 3er von BMW aufzunehmen. Der 190 erschien am 8. Dezember 1982, blieb bis August 1993 im Programm und erzielte eine Auflage von rund 1,8 Millionen Exemplaren. Mit dem 190er hatte Mercedes endgültig den Schritt zum Massenhersteller vollzogen. Vor allem viele amerikanische Kunden fanden großen Gefallen an dem "Baby-Benz".

Auf der IAA 1983 rieben sich Fachleute und Besucher auf dem Stand der Schwaben die Augen. Zum ersten Mal präsentierte Mercedes mit dem 190 E 2.3-16 ein Modell, das schon rein äußerlich mit Spoilern an Front und Heck, Schwellern und Breitreifen dokumentierte, dass hier ein sportliches Topmodell für die kleine Baureihe von Mercedes entstanden war.

Für 49 600 Mark erhielt der Kunde einen 136 kW/185 PS starken Motor, der den 4,43 Meter langen Viertürer in acht Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigte und eine Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h erreichte. Für die Kraftübertragung auf die Hinterräder sorgte wahlweise ein Fünfgang-Schaltgetriebe oder eine Automatik mit vier Gangstufen.

Der 2,3-Liter-Vierzylinder-Benziner im 190 E 2.3-16 leistet 136 kW/185 PS. PR

Der 2,3-Liter-Vierzylinder-Benziner im 190 E 2.3-16 leistet 136 kW/185 PS.

Um den bekannten Vierzylinder mit 2,3 Liter Hubraum, der in der zivilen Version 100 kW/136 PS leistete, auf die adäquate Leistung von 185 PS zu bringen, wandte sich Mercedes an jemanden, der etwas von sportlichen Triebwerken verstand. Der britische Rennmotorenspezialist Cosworth entwickelte für den Mercedes-Motor einen komplett neuen Zylinderkopf mit vier Ventilen pro Verbrennungseinheit. Jeweils zwei für die Einlass- und zwei für die Auslassseite.

Während der Zweiventiler seine Leistung bei 5 100 U/min erreichte, drehte der Vierventiler im 190 E 2,3-16 maximal 6 200 U/min. Um das standfest leisten zu können, spendierten die Techniker dem Triebwerk unter anderem geschmiedete Kolben, eine gehärtete Kurbelwelle oder gehärtete Tassenstößel. Ab 1985 bot Mercedes das Modell auch mit einem geregelten Dreiwege-Katalysator an. Dabei reduziert sich die Leistung auf 125 kW/170 PS.

Oldtimer und ihre Bewertung

Kein Oldie ohne Bewertung

Bei der Oldtimerbewertung wird der Wert des Fahrzeugs ermittelt werden, der auch als Grundlage für die Versicherungseinstufung benötigt wird. Sie ist auch Voraussetzung, um ein gültiges Kennzeichen zu erhalten. Für den Kauf und Verkauf historischer Fahrzeuge bietet das Untersuchungsergebnis neben der aktuellen Ankaufsuntersuchung die gebräuchlichste und aussagekräftigste Grundlage.

Während bei einer “normalen” Gebrauchtwagenbewertung in erster Linie Baujahr und Laufleistung von Bedeutung sind, ist bei Oldtimern das entscheidende Kriterium der Pflege- und Erhaltungszustand des Fahrzeugs. Die Fahrzeugbewertung erfolgt in Form von Noten von 1 bis 5, die zuletzt 2007 von Classic Data überarbeitet wurden.

Note 1

Makelloser Zustand. Keinerlei Mängel an Technik, Optik und Historie. Ein (dokumentiert!) originales Fahrzeug der absoluten Spitzenklasse. Oder ein komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug im Zustand wie neu (oder besser). Sehr selten!

Die Anmerkung "oder besser" ist ein Hinweis auf die Möglichkeiten modernster Restaurierungsmethoden. Duch die heutigen technischen Möglichkeiten (Schweißarbeiten, computergestützte Messtechniken) sowie den veränderten Materialien (Lack, Oberflächenveredelung) und einen umfangreichen Korrosionsschutz kann ein komplett restauriertes Fahrzeug den Zustand der Erstauslieferung übertreffen. Für Originalitätsliebhaber ist dies aber nicht erstrebenswert.

Note 2

Entweder seltener, unrestaurierter Original-Zustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Keine fehlenden oder zusätzlich montierten Teile. Ausnahme: Wenn es die StVZO verlangt.

Leider kommt es gerade bei der Note 2, immer wieder zu Missverständnissen, weil viele Anbieter - teils aus Berechnung und teils aus Unwissenheit - ihrem Wagen eine viel zu gute Note geben, die vermeintlich der Schulnote "gut" entsprechen soll. Klar ist unter Experten aber, dass der "Zustand 2" ein nahezu optimal erhaltenes Fahrzeug charakterisiert.

Note 3

Gebrauchter Zustand. Normale Spuren der Jahre. Kleinere Mängel, aber voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Kein Reparaturstau und keine sofortigen Arbeiten notwendig. Nicht schön, aber gebrauchsfähig.

Note 4

Verbrauchter Zustand, eventuell teilrestauriert. Nur bedingt fahrbereit. Sofortige Arbeiten notwendig zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt. Einige kleinere Teile können aber fehlen oder defekt sein. Aber: immer noch relativ leicht zu reparieren (bzw. restaurieren).

Note 5

Nicht fahrbereit Schlecht restauriert bzw. teil- oder komplett zerlegt. Größere Investitionen nötig, da umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich, aber grundsätzlich noch restaurierbar. Fehlende Teile, d.h. das Fahrzeug ist nicht zwingend komplett.

Ergänzungen

Wie auch bei Schulnoten sind "+" und "-" gestattet und üblich. Alle Noten müssen durch Sachverständigen-Gutachten belegt sein, und diese sollten möglichst aktuell sein. Im Zweifelsfall lieber ein neues Gutachten beauftragen bei den bekannten Prüf-Organisationen wie TÜV, Dekra, oder Classic Data.

Die Frage, ob ein Fahrzeug durch einen schweren Defekt (nicht fahrbereit) gleich um mehrere Noten fallen kann, ist umstritten. Im Zweifelsfall ist es besser, die notwendigen Reparaturkosten zu ermitteln, um sie dann vom Kaufpreis abzuziehen. Zugrunde gelegt wird dann der Marktwert ohne den wertmindernden Schaden.

Restauration

Auf den Wert eines Fahrzeuges hat auch die Art der Restauration einen entscheidenden Einfluß. Je originalgetreuer, desto höher die Chance einer Wertsteigerung. Umfangreiche Recherchen stehen am Anfang, um eine
fachgerechte Wiederherstellung zu garantieren. Eine saubere Dokumentation macht die Arbeiten transparent, die richtige Philosophie (ob in “Concours-Qualität, Wiederherstellung der technischen Funktion oder Modifikationen, um die Sicherheit etwa bei historischen Rennen zu verbessern) beeinflusst die Wertsteigerung.

Originalität

Entscheidend für die Originalität ist das richtige Fahrgestell. Matching Numbers (gleiche Nummern bei Motor und Chassis) sind bei Rennfahrzeugen weniger wichtig für den Wert als bei Strassen- und Sportwagen, weil bei Rennen und Grand Prix Veranstaltungen der Verschleiß höher war und während einer Saison auch leistungsgesteigerte Aggregate eingesetzt wurden. Wichtig: Dokumentierte Historie und Wartungsunterlagen des Fahrzeugs müssen langjährig und glaubhaft belegt sein.

Prominenz

Der Wert jedes Fahrzeuges wird durch seine Einzigartigkeit und Geschichte jedes einzelnen Automobils geprägt. Das gilt insbesondere für historische Rennwagen, bei denen Teilnahme, Erfolg an bedeutenden Rennen und bekannte Fahrer zählen, die sie bei solchen Veranstaltungen gesteuert haben. Entscheidend bei Vorbesitzern oder prominenten Fahrern für die Wertentwicklung ist die Beziehung zum Fahrzeug im Kontext mit der Geschichte von Markt, Marke und Fahrzeug.

Bis 1988 baute Mercedes 19 487 Einheiten des Sportlers. Dann lösten die Schwaben das Modell durch eine 2,5-Literversion ab, die ohne Katalysator 150 kW/204 PS und mit Abgasreinigung 143 kW/195 PS leistete. Davon entstanden bis 1990 weitere 4 874 Exemplare.

Für den Einsatz in der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft entstanden 1989 und 1990 schließlich noch zwei Evolutions-Versionen mit 143 kW/195 PS (mit Katalysator) beziehungsweise 173 kW/235 PS. Die beiden in einer Serie von jeweils 502 Exemplaren gebauten Modelle zeichneten sich unter anderem durch einen riesigen, beinahe dachhohen Heckspolier aus. Bei Produktionsende kostete die Sportlimousine 70 400 Mark.

In einem AMG-Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II gewann Klaus Ludwig 1992 die DTM. PR

In einem AMG-Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II gewann Klaus Ludwig 1992 die DTM.

Der Mercedes E 190 2,3-16 sorgte nicht zuletzt im Motorsport für Furore. Mit dem Modell beteiligte sich Mercedes erstmals seit 1955 wieder offiziell am Renngeschehen. Bei den "24-Stunden von Le Mans" 1955 hatte ein Mercedes 300 SLR die schwerste Katastrophe aller Zeiten im Rennsport ausgelöst, die 84 Todesopfer gekostet hatte und den Herteller bewog sich für unabsehbare Zeit aus dem Rennsport zurück zu ziehen.

Nachdem 1985 aus der "Deutschen Rennsportmeisterschaft" die DTM entstanden war, erhielt der E 190 2,3-16 die richtige Bühne, um sich im Wettkampf vor allem mit BMW und Audi zu messen. Die DTM feierte Jahr für Jahr neue Besucherrekorde, 1992 übertrugen 86 Sender die Rennen der Serie in 52 Länder.

Der Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II von 1990 leistete 173 kW/235 PS. PR

Der Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II von 1990 leistete 173 kW/235 PS.

Für den Renneinsatz des E 190 2,3-16 und später E 190 2,5-16 sorgte Haus-Tuner AMG. Für die Schwaben fuhren unter anderem der zweifache Le-Mans-Sieger Klaus Ludwig, der Ex-Formel-1-Pilot Bernd Schneider. Bis zum ersten Titel in der DTM musste Mercedes bis 1992 warten.

In jenem Jahr holte Klaus Ludwig die Meisterschaft endlich nach Stuttgart. In seiner höchsten Ausbaustufe als E 190 2,5-16 Evo II hatte der erste Mercedes im "Sport Leible" vor dem Modell-Wechsel zur C-Klasse endgültig seine Meisterprüfung abgelegt.

Oldie-Konservierung

Was ist Fahrzeugkonservierung?

Mit einer Fahrzeugkonservierung soll das Fahrzeug in dem Zustand gehalten werden, in dem es ist oder kurz vor der Konservierung gebracht wurde.

Wie wird konserviert?

Meist dienen unterschiedlich kriechfähige Fette zur Konservierung. Sie unterkriechen Schmutz, Dreck und Unterbodenschutz und verhindern, dass sich an kleinen vorhandenen Roststellen weiterer Rost bildet, indem sie die Sauerstoffzufuhr stoppen. Größere Roststellen sollten durch entsprechende Karosseriebauarbeiten vor der Konservierung fachmännisch behandelt werden.

Wo kann man konservieren lassen?

Die Anbieter von Konservierungsmitteln haben zum teil Partnerwerkstätten. Vieles kann man aber auch selbst machen.

Auf was muss ich beim Konservieren achten?

Es muss genau gearbeitet werden. Ist aber ein Blech einmal so professionell behandelt, wird es kaum mehr rosten.

Was kostet eine Konservierung?

Das kann man ohne direkte Inaugenscheinnahme und Prüfung des Oldtimers nicht sagen. Generell gilt: Eine gute, saubere Bodenwäsche kostet zwischen 100 und 300 Euro. Trockeneisstrahlen wird pro Stunde berechnet, da können schon mal schnell 800 bis 1.300 Euro weg sein. Das Auftragen der Fette kann man mancherorts durchaus im Alleingang machen, es gibt dazu ausführliche Beschreibungen.

Wie lange hält eine Konservierung?

Wenn sie gut gemacht ist, hält sie theoretisch extrem lange. Es kommt aber auch darauf an, welchen Temperatur- und Witterungsbedingungen der Oldtimer ausgesetzt ist, damit die Fette ihre Wirksamkeit behalten.

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