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27.04.2011

10:52 Uhr

ADAC-Statistik

BMW deklassiert die Konkurrenz in der Pannenstatistik

In der automobilen Mittel- und Oberklasse überzeugten deutsche Premiumfahrzeuge 2010 durchweg mit nur wenigen Pannen. Bei den Kleinwagen haben aber die Japaner die Nase vorn.

ADAC-Helfer wurden 2010 zu 4,25 Millionen Autopannen gerufen, das waren acht Prozent mehr als 2009. dapd

ADAC-Helfer wurden 2010 zu 4,25 Millionen Autopannen gerufen, das waren acht Prozent mehr als 2009.

München/DüsseldorfFür die heimischen Automobilhersteller ist es ein schon vertrautes Ergebnis: Sie konnten ihre Vormachtstellung in der ADAC Pannenstatistik 2010 verteidigen. In fünf von sechs Fahrzeugklassen belegt ein deutsches Modell Rang eins. Am deutlichsten ist die Dominanz deutscher Hersteller in der Mittelklasse.

In der unteren Mittelklasse folgen auf den BMW 1er der Audi A3 und der Peugeot 308. Der Peugeot 307 und der Renault Kangoo belegen die letzten Plätze. Auffällig in dieser Klasse sind die positiven Veränderungen beim Renault Mégane, die offenbar auf der Qualitätsoffensive (seit 2003) des Herstellers beruhen. Der VW Golf kam auf Platz sieben, Opel Astra auf Platz 16.

A4 und Passat etwas abgeschlagen

Auch in der Mittelklasse stellt BMW den Klassenbesten. Allerdings sind hier sowohl SUV als auch Sportwagen und Vans erfasst. So steht der X3 aus München vorn, dicht gefolgt von der Mercedes C-Klasse und vom BMW 3er. Am anderen Ende der Gruppe rangieren Ford Mondeo und S-Max sowie der Opel Vectra, die unter den „Altlasten“ ihrer Vorgängermodelle zu leiden haben. Der Audi A4 (inkl. Cabrio) liegt auf Platz 5, der VW Passat folgt auf Platz 11 von 22.
Der Mini liegt in der Kleinwagenklasse auf Platz eins, gefolgt vom Peugeot 207 und dem Mitsubishi Colt. Schlusslichter sind Seat Ibiza/Cordoba und der Hyundai Getz, ohne aber negativ aufzufallen.

In der oberen Mittelklasse ist der Autobauer aus München mit dem 5er ebenfalls ganz vorne dabei. Erstmals dabei ist allerdings der Audi A5 - und der steht sofort auf Platz eins, gefolgt vom BMW 5er und dem fast gleich platzierten Audi A6. Kleiner Wermutstropfen für die Münchener: Auf den letzten Plätzen rangieren der BMW X5 und der VW Touareg. Der BMW SUV fällt vor allem durch die Batterieprobleme bis Baujahr 2005 auf.

Durch den Wegfall vieler alter Fahrzeuge aufgrund der Abwrackprämie 2009 war eigentlich erwartet worden, dass es im Jahr 2010 insgesamt weniger Pannen geben würde. Das Gegenteil war aber der Fall: Ein Hauptgrund hierfür ist sicher die ungünstige Witterung mit langen Winterperioden zu Beginn und Ende des Jahres.

So war denn die häufigsten Pannenursachen (54 Prozent aller Fälle) wieder defekte oder entladene Starterbatterien und Probleme in der Fahrzeugelektrik. Offensichtlich sind die Stromspender den vielen Verbrauchern im Auto nicht mehr gewachsen, vor allem mit zunehmendem Alter. Außerdem kann es bei längeren Standzeiten zu leistungsschwächenden Teilentladungen kommen. Genau 913.445 Mal (plus 11,3 Prozent) hat der ADAC Starthilfe geleistet. Dabei war in 687.833 Fällen die Batterie die Ursache (entladen oder defekt), beim Rest Generator, Antriebsriemen, nicht ausgeschaltetes Licht etc.

Aygo bei Kleinstwagen auf dem Podium

Bei den Kleinstwagen haben deutsche Fabrikate wenig zu melden. Hier führen die Japaner mit dem Toyota Aygo. Der Fiat 500 belegt den zweiten Platz vor dem Peugeot 107. VW liegt mit dem Fox auf Platz acht. Es ist das einzige deutsche Modell, das es neben dem Ford Ka (Platz 10) in dieser Klasse unter die ersten Zehn gebracht hat.

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Detailergebnisse der ADAC Pannenstatistik 2010


Basis: Eine halbe Million Pannen

Wer sich die Statistik im Detail ansieht, wird sich fragen, was Modellreihen darin zu suchen haben, die nicht mehr gebaut werden (wie der Opel Vectra), oder warum manche Modelle mit guten Pannen-Ergebnissen in den vergangenen beiden Jahren (wie der VW Passat) im Rang niedrigerer stehen als Modelle (wie Ford Kuga und Skoda Octavia) mit etwas mehr Pannen. Dazu muss man beachten, dass die Auswertung eine langjährige Betrachtung darstellt. Die Rangfolge der einzelnen Fahrzeugmodelle ergibt sich aus dem Durchschnitt zuvor vom Autoclub ermittelter Einzelnoten in den einzelnen Jahren (Mehr zur Systematik der Pannenstatistik).

Für das aktuelle Ranking wurden 500.000 der über 4,25 Millionen Pannen, bei denen der ADAC im vergangenen Jahr zu Hilfe gerufen wurde, ausgewertet. In die Studie werden außerdem nur ein- bis sechsjährige Autos aufgenommen. Diese müssen noch dazu mindestens drei aufeinanderfolgende Jahre lang im Wesentlichen unverändert gebaut und in einem Jahr wenigstens 10.000-mal neu zugelassen worden sein.

Diese Stärken sind gleichzeitig die Schwächen der ADAC-Untersuchung. Ergebnisse anderer Autoclubs bzw. Pannen, die ohne Clubhilfe erledigt wurden (etwa über Mobilitätsgarantien der Hersteller), finden keinen Eingang in die Statistik, die somit keinen kompletten Marktüberblick gibt. Dass Autos nicht mit einbezogen werden, die älter sind als sechs Jahre, ist sogar eine erhebliche Schwäche, denn laut KBA liegt das aktuelle Durchschnittsalter des deutschen Gebrauchtwagens schon bei acht Jahren.

Seine Pannenstatistik führt der Autoclub seit 1978. 2010 wurden die Gelben Engel zu genau 143.215 Reifenpannen gerufen (plus 6,8 Prozent), ausgesperrt hatten sich 97.053 Fahrer (plus 2,2 Prozent), Spritmangel beklagten 24.958 Clubmitglieder (plus 2,0 Prozent).

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ADAC Pannenstatistik 2010: Die häufigsten Ursachen

Kommentare (4)

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koelner

27.04.2011, 14:44 Uhr

Nun ja, wenn ein Hersteller wie BMW selbst eine Werkstattflotte unterhält, ist es nicht verwunderlich, dass sie in der Statistik des ADAC nicht so häufig auftauchen.

Chico

27.04.2011, 17:27 Uhr

soweit mir bekannt ist, bietet so ziemlich jeder Automobilhersteller einen Mobilitätsschutz bzw. einen 24-h-Pannendienst an, selbst die Japaner (Toyota Eurocare). Die Münchner scheinen hier offensichtlich doch sehr gute Arbeit geleistet zu haben.

Alfredo_Perone

28.04.2011, 13:58 Uhr

Wer wie ich vom 5er BMW auf VW Passat umgestiegen ist, wird diese Statistik bestätigen können. Nicht unbedingt in Bezug auf Pannen, aber deutlich spürbar in der Höhe der Anzahl der Werkstattbesuche. Aber auch Dinge, die beim Passat konstruktiv so schlecht gelöst wurden, die überhaupt nicht von der Werkstatt beseitigt werden können. Da muss man halt eben später wieder draufzahlen, wenn man bei der Anschaffung Kosten eingespart hat bzw. einsparen musste. Ich würde auch einen BMW in Zukunft wieder lieber einem VW vorziehen.
BMW = teuer, aber das Geld wert.
VW = etwas günstiger, aber für die gelieferte Qualität eigentlich zu teuer.

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