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31.03.2012

15:18 Uhr

Alfa Romeo 147 als Gebrauchtwagen

Italo-Macker mit teuren Macken

Quelle:dpa

Er ist sportlich, hat ein markantes Design - und eine anfällige Technik: Ab einem gewissen Alter kann der Alfa Romeo 147 seinen Besitzer wegen hoher Werkstattkosten teuer zu stehen kommen.

Anfällig: Der 2010 ausgelaufene Alfa Romeo 147 fiel sowohl dem ADAC als auch bei den TÜV-Hauptuntersuchungen eher negativ auf - oft mit gerissenen Zahnriemen und Getriebeproblemen. PR

Anfällig: Der 2010 ausgelaufene Alfa Romeo 147 fiel sowohl dem ADAC als auch bei den TÜV-Hauptuntersuchungen eher negativ auf - oft mit gerissenen Zahnriemen und Getriebeproblemen.

BerlinDen Gebrauchtwagenkauf eines Alfa Romeo 147 empfiehlt der TÜV nur, wenn das Auto vorher in einer Werkstatt einen ausführlichen Techniktest besteht. Auch der ADAC ist von dem Kompaktmodell wenig begeistert: Zu den Mängeln zählt der Automobilclub gerissene Zahnriemen vor allem bei den Baujahren 2001 bis 2003, undichte Kraftstoffschläuche und -filter (Diesel von 2003) sowie kaputte Generatoren (Diesel von 2001/2002). Bei der Hauptuntersuchung fiel der Wagen außerdem durch ausgehängte Schaltgestänge und defekte Automatikgetriebe auf (2001/2002). Für Rückrufe sorgten marode Verstärkungsbügel an der Vorderachse (2003) sowie Verriegelungen an der Motorhaube und die Zusatzheizung bei Dieselfahrzeugen (2004).

Als Neuwagen gibt es den im Jahr 2000 gestarteten Alfa 147 seit 2010 nicht mehr, als ihn das Kompaktmodell Giulietta ablöste. In Deutschland wurde der Wagen zunächst als Dreitürer und einige Monate später auch als Fünftürer angeboten. 2004 und 2006 machte sich Alfa jeweils an eine leichte Modellpflege, bei der Änderungen an Front- und Heckpartie sowie auch im Cockpit vorgenommen wurden.

Von 2003 bis 2005 war die Topversion Alfa 147 3.2 V6 24V GTA im Programm, unter deren Motorhaube ein Sechszylinder mit 184 kW/250 PS den sportlichen Anspruch des Modells verdeutlichte. Neben dem Topaggregat kommen im 147 nur Reihenvierzylinder zum Einsatz. Bei den Benzinern decken sie eine Leistungsspanne von 77 kW/105 PS bis 110 kW/150 PS ab. Selbstzünder leisten je nach Baujahr und Ausführung zwischen 74 kW/100 PS und 125 kW/170 PS.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Teuerster 147 auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist der kräftigste Diesel aus dem Baujahr 2010: Im Schnitt kostet dieser Selbstzünder, der Alfa 147 1.9 JTDM 16V Veloce, laut der Schwacke-Liste 14.300 Euro, bei einer angenommenen Laufleistung von 38.100 Kilometern. Für rund 7.450 Euro sollte die Version 1.9 JTD 16V M-Jet DPF Progression mit 110 kW/150 PS von 2006 zu haben sein. 101.900 Kilometer hat ein solches Fahrzeug im Mittel auf dem Tacho stehen.

Gut 12.450 Euro müssen für einen Alfa 147 1.6 TS 16V 120 Veloce von 2010 eingeplant werden. Sein Benziner leistet 88 kW/120 PS und hat in diesem Alter nach Auskunft von Schwacke im Schnitt 29.150 Kilometer hinter sich.

Kommentare (1)

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nomnom

02.04.2012, 19:12 Uhr

"Ausgehängte Schaltgestänge", soso, leider hat das Auto aber Schaltseile und gar kein Gestänge :D Sorry, aber viel Ahnung hat der Autor des Artikels nicht gerade.

Richtig ist: Wären die Ersatzteilpreise von Alfa Romeo nicht so unverschämt, und wäre der Service besser, so könnte man das Auto locker kaufen. So aber heißt es tatsächlich: Wer nicht selbst wartet, wird arm in der Werkstatt. Leider, denn sportlich fährt sich der kleine allemal.

Für den "Autonormalverbraucher" ist ein billiger Opel oder VW sicher die bessere Wahl. Ich allerdings behalte meinen 147 und schraube gern daran herum..

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