Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2013

10:08 Uhr

Alfa Romeo Mito als Gebrauchtauto

Mythos mit Störfaktor

Quelle:dpa

Wer einen Alfa fährt, gibt ein Statement ab: „Ich bewege kein Allerweltsauto, sondern demonstriere Leidenschaft.“ Am häufigsten gesehener Vertreter der Marke ist der Mito. Beim TÜV gilt er als Problemkandidat.

Der Alfa Romeo Mito fällt durch sein besonderes Design auf - und bei der Kfz-Hauptuntersuchung häufig mit Mängeln. PR

Der Alfa Romeo Mito fällt durch sein besonderes Design auf - und bei der Kfz-Hauptuntersuchung häufig mit Mängeln.

BerlinFahrzeuge von Alfa Romeo sind auf deutschen Straßen selten. Recht oft sieht man den Mito. Doch hebt sich der Kleinwagen auch in Sachen Technik vom Durchschnitt ab – und zwar nicht gerade erfreulich.

„Eine wunderschöne Zicke“, so beschreibt der „TÜV Report 2013“ den coupéartigen Zweitürer. Das Auto sei ein „Designerstück“, aber eben auch ein Problemkandidat bei der Kfz-Hauptuntersuchung. Vor allem bei Exemplaren mit stärkeren Motorisierungen seien defekte Gelenke an der Vorderachse keine Seltenheit.

Überdurchschnittlich oft bemängeln die Prüfer auch die Wirkung der vorderen Bremse sowie Lenkungsspiel und Ölverlust. Der ADAC führt als typische Schwächen Batteriedefekte, Probleme mit Zündspulen und Zündkerzen sowie kaputte Schaltgestänge bei Fahrzeugen des Baujahres 2009 auf.

Alfa Romeo Giulietta: Zu schön zum Einsteigen

Alfa Romeo Giulietta

Zu schön zum Einsteigen

Selber schuld, wer gleich einsteigt. Alfas Giulietta ist vor allem etwas für die Augen.

Der Alfa Romeo Mito - aus dem Italienischen übersetzt bedeutet der Name Mythos - kam 2008 auf den Markt. In der schmalen Produktpalette von Alfa ist er derzeit das älteste Modell: Neben dem Mito bieten die Italiener aktuell nur den Kompaktwagen Giulietta und den Sportwagen 4C an.

Der Dreitürer, der auf der gleichen Plattform basiert wie der Fiat Punto, erhielt 2013 ein kleines Facelift mit dezenten Änderungen an der Fahrzeugfront. Die Leistung des Zweizylinder-Motors mit 0,9 Liter Hubraum wurde auf 77 kW/105 PS angehoben. Seit 2010 ist für den Mito ein Doppelkupplungsgetriebe verfügbar, seit 2011 ein Start-Stopp-System.

Bei den Motoren leistete Alfa Romeo Pionierarbeit und bot den Mito als erstes Serienauto mit hydraulischer Ventilsteuerung an: Das sogenannte MultiAir-System ermöglicht es laut dem Hersteller, die Zylinderfüllung jederzeit dem aktuellen Lastzustand anzupassen - das verspricht mehr Motorleistung bei geringerem Verbrauch. Die Benziner kommen je nach Baujahr und Version auf 54 kW/70 PS bis 125 kW/170 PS. Diesel gibt es mit 62 kW/85 PS bis 88 kW/120 PS.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Für einen gebrauchten Alfa Romeo Mito müssen nach Angaben des Branchendienstes Schwacke noch mindestens um die 6.450 Euro eingeplant werden. Dafür sollte ein Mito 1.4 16V von 2008 mit 70 kW/95 PS und rund 67.000 Kilometern auf dem Tacho zu bekommen sein.

Mit etwa 14.900 Euro am teuersten wird auf dem Gebrauchtwagenmarkt der Mito TB 1.4 16V MultiAir Quadrifoglio Verde mit dem stärksten Benziner von 2012 gehandelt (Laufleistung: 19.000 Kilometer). Etwas günstiger ist der 1.6 JTDM 16V Super mit 88 kW/120 PS starkem Dieselmotor von 2011 – er kostet noch rund 11.900 Euro (49.700 Kilometer).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×