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30.03.2011

11:58 Uhr

Alternative Antriebe

Mit Wasser in die Zukunft

VonGerd Zimmermann, Creditreform

Weniger Gewicht, mehr Platz, höhere Reichweite: Die Brennstoffzelle könnte Elektroautos gefährlich werden - theoretisch.

Bereits 2009 wurde die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle für Brennstoffzellenfahrzeuge in Baden-Württemberg eröffnet. Die Großserie lässt aber noch auf sich warten. Quelle: dpa

Bereits 2009 wurde die erste öffentliche Wasserstoff-Tankstelle für Brennstoffzellenfahrzeuge in Baden-Württemberg eröffnet. Die Großserie lässt aber noch auf sich warten.

BerlinBerlin West, Heerstraße, Total Tankstelle: Das Einfädeln in den vorbeibrausenden Verkehr ist nur mit einem scharfen Spurt zu schaffen. Trotz kräftigem Tritt auf das Gaspedal heult der Motor des knapp zwei Tonnen schweren Geländewagens nicht auf. Fast wie ein Sportwagen schießt er nach vorne, lediglich Reifenrollgeräusche und der Fahrtwind sind zu hören. "Das ist die Zukunft und nicht Elektro", sagt Dirk Breuer, bei Toyota Deutschland zuständig für neue Techniken. Für ihn sind rein akkubetriebene Fahrzeuge eine Zwischenstation auf dem Weg ins Zeitalter der Brennstoffzelle: Wasser- und Sauerstoff werden im Automobil so zusammengeführt, dass elektrischer Strom entsteht, der in den für den Antrieb zuständigen Elektromotor fließt. Aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf.


Und: Autos mit Wasserstoff kämen mit einer Tankfüllung bis zu sechsmal weiter als E-Fahrzeuge, so Breuer. Damit eigne sich diese Antriebstechnik endlich auch für Transporter, schwere Brummis und Busse, also generell für den Überlandverkehr - wegen der größeren Reichweite sowie des geringen Platz- und Gewichtsbedarfs des Energiespeichers. "Überhaupt erfüllen Wasserstoffmobile alle heutigen Fahr-, Nutzungs- und Komfortansprüche, die für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gelten", fasst der Toyota-Ingenieur zusammen.

Wer in Berlin mit dabei war, ist geneigt das zu glauben: Dem japanischen Off-Roader "Highlander FCHV-adv" ist die neuartige Vortriebslösung nicht anzusehen. Im Gegenteil: Außenmaße, Platzverhältnisse im Innenraum und Zuladung gleichen dem Modell mit Benziner oder Diesel. Ebenso die Reichweite von rund 600 Kilometern sowie die Tankzeit von zirka drei Minuten. 2015 soll der Brennstoffzellenwagen auf den hiesigen Markt kommen.

2015 serienreif?


Auch Christian Mohrdieck, Leiter Brennstoffzellen- und Batterieantriebsentwicklung bei Daimler, freut sich auf 2015: "Dann sind die Brennstoffzellenfahrzeuge auf dem Niveau der heutigen Hybridfahrzeuge und bei vergleichbarer Leistung kostengünstiger als Batteriefahrzeuge." Dabei verweist er auf die Lösung F-Cell von Mercedes und auf Ergebnisse der Clean Energy Partnership (CEP), zu deren Mitgliedern neben Daimler und Toyota auch BMW, Volkswagen, Ford, General Motors, Shell und Total gehören. Das gemeinsame Ziel: In vier Jahren sollen Wasserstoffautos serienreif und bezahlbar sein - und an 1.000 Wasserstofftankstellen auftanken können. Derzeit allerdings gibt es im Bundesgebiet gerade einmal 31 Tankstationen, darunter die Total in der Berliner Heerstrasse, die größte. Mehr als zwei Millionen Euro sind für eine Zapfeinrichtung der Zukunft zu veranschlagen, eine herkömmliche Anlage kostet knapp die Hälfte.
Hybridtechnik überzeugt

Trotz dieses finanziellen Handicaps zeigt sich Veit Steinle, Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium, zuversichtlich: "2020 werden wir ein ausreichendes Versorgungsnetz für 500.000 zugelassene Fahrzeuge mit Brennstoffzelle haben." Ähnlich optimistisch äußern sich Detlef Stolten, Leiter des Instituts für Brennstoffzellenforschung im Forschungszentrum Jülich, und Johannes Töpfer, Vorsitzender des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellenverbands (DWV). Den Massenmarkt sehen sie allerdings nicht vor 2030.

EU-Ziel: 135 Gramm

Für Burkhard Göschel, Ex-BMW-Vorstand und nun Mitglied im Lenkungsausschuss der Nationalen Plattform Elektromobilität, sind solche Aussagen derzeit "wenig hilfreich". Er ist überzeugt, dass viele Großstädte alsbald weitere Einfahrbeschränkungen für Gefährte mit Verbrennungsmotor erlassen werden. Schärfere Umweltauflagen seien dann schnellstens nur mit den "heute schon verfügbaren" E-Lösungen erfüllbar. Elektro wäre ebenso die rasch verfügbare und marktkonforme Lösung, um den CO2-Flottenausstoß - also den zusammengefassten, durchschnittlichen Abgaswert aller Kfz-Modelle eines Herstellers - zu reduzieren.

Ihn will die EU-Kommission bis 2020 stufenweise auf 135 Gramm pro Kilometer senken. Wird die Vorgabe nicht erreicht, drohen Strafzahlungen. Dazu kommt, dass bei der anstehenden Reform der Besteuerung von Dienstwagen eine CO2-abhängige Staffelung zum Tagen kommen soll: je weniger Ausstoß, desto weniger Steuern.

Göschel lässt kein Zweifel daran, dass Kraftfahrzeuge speziell in Ballungsräumen aus Umweltgründen künftig entweder vollständig oder wenigstens kurze Strecken elektrisch fahren können müssen. "Wenn konventionell angetriebene Fahrzeuge künftige Schadstoffgrenzen schaffen sollen, kommen wir um eine Elektrifizierung des Antriebsstrangs nicht herum", meint gleichfalls Ralf Wolk, Marketingleiter bei der Leasinggesellschaft Arval.

Kommentare (7)

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Skarrin

30.03.2011, 18:29 Uhr

Schon Ende des vorigen Jahrtausends kündigte Daimler die Serienfertigung von hunderttausenden GeldverBrennstoffzellen-Autos "in wenigen Jahren" an.

Das Problem ist aber immer noch dasselbe wie damals: es gibt keine H2-Quellen die einfach angebohrt werden.
Und die Herstellung mittels Elektrolyse oder aus Erdgas, plus die Schaffung einer neuen Infrastruktur, sind viel zu aufwendig und letztendlich umweltschädlicher als den Strom oder das Erdgas direkt zu verwenden in der bestehenden Infrastruktur.

'"Das ist die Zukunft und nicht Elektro", sagt Dirk Breuer'
Na hoffentlich sagt mal jemand Dirk Breuer, dass der Strom aus seiner GeldverBrennstoffzelle nichts anderes tut als einen Elektromotor anzutreiben.

Wasserstofftechnik

30.03.2011, 19:44 Uhr

Wenn man das Geld in den Irrsinn 3500 km Stromleitungen
nimt und das in die Wasserstofftechnik steckt, skönnen wir ab 2020 folgendes haben:
1. Nordseewind-Strom wird großtechnisch im Norden zu
Wasserstoff umgewandelt und zu vorandenen Tankstellen
flächedeckend transportiert
2. H² wird in vorhandenen Gasleitungen transportiert
3. H² ist Energiespeicher und kann über Brennstoffzellen
beliebig in Strom, Heizung und Antrieb verwendet
werden
4. Biogastechnik wird in der Fläche zügig ausgebaut für
Brennstoffzellen für Heizung und Strom Damit benötigen
wir keine Erdspeicher und Pumpspeicherwerke
Folge: Energie wird billiger, gerade auch Strom!
Auf was wartet die Lobbysten Regierung noch?

Diver4Fun

30.03.2011, 20:40 Uhr

...und als "Brücken-Technologie" könnte die bei Daimler seit 1996 existierende Methanol Brennstoffzelle dienen - dazu wird keine Anpassung der Infrastruktur benötigt! und die Reichweite von ~600 km ist keine Frage.
Damit stünde dann wieder ein Treibstoff zur Verfügung der "hemmungslos" besteuert werden kann!
Stellt sich die Frage ob Hr. Kretschmann in Untertürkheim vorsprechen darf und gemeinsam mit dem "Lokal-Mattador" die Zukunft gestalltet.

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