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26.04.2015

09:13 Uhr

Aprilia Tuono V4 1100 im Fahrbericht

Der Donner Norditaliens

VonUlf Böhringer
Quelle:Spotpress

Die Tuono V4 1100 ist leichter, stärker und hübscher als das 1000 Kubik-Vorgängermodell. Die erste Bekanntschaft verlief vielversprechend. Doch die Konkurrenz bei den neuen Power-Bikes ist groß.

Die neue Tuono V4 1100 (links) neben dem Vormodell Tuono 1000 (rechts). SP-X/fbn

Generationsvergleich

Die neue Tuono V4 1100 (links) neben dem Vormodell Tuono 1000 (rechts).

Nicht einmal 20 Kilometer beträgt die Distanz zwischen den bekannten Adria-Urlaubsorten Cattolica oder Riccione und einem Ort, den Motorradfans selbst dann kennen, wenn sie noch niemals dort waren: In Tavullia ist Valentino Rossi zu Hause. Dort ist er aufgewachsen, dort lebt er und dort hat er seine Motorsport-Ranch errichtet: Ein vielfach in sich verschlungenes Asphaltband, auf dem sich wunderbar auf zwei Rädern herumtoben lässt.

Wir stehen oberhalb der Rossi-Ranch am Rande der Provinzstraße 39 und schauen hinunter zum Spielplatz des vielfachen Weltmeisters. Unterwegs sind wir mit einem ganz gewaltigen Spielzeug, nämlich der neuen Aprilia Tuono V 4 1100. Sie ist eines der leistungsstärksten Naked Bikes, die der Markt zu bieten hat: 129 kW/175 PS und 121 Nm lauten die Eckdaten des V-Vierzylinders, dessen Grundkonzeption von Aprilias Superbike-Motor stammt. Vermutlich hätte Valentino seine Freude mit ihr: Ein echtes Macho-Bike, dank der zierlichen Statur aber auch für „Buben“ wie den ewigen Lausbub Rossi nicht zu groß.

Das Hubraumplus von knapp 80 Kubikzentimetern, etwas weniger scharfe Nockenwellen und diverse andere Änderungen führen beim 1100er-Motor zu einer sehr fülligen Leistungskurve: Dass die obersten 2.000 Umdrehungen zugunsten von mehr Kraft im mittleren und unteren Drehzahlbereich nicht zur Verfügung stehen, ist absolut kein Verlust – eher im Gegenteil: Es macht unglaublich Spaß, mittels des Quickshifters im Bereich zwischen 4.000 und etwa 8.000 Touren herumzuballern.

Der V4-Motor wird als außergewöhnlich animierendes Triebwerk empfunden, das angesichts seiner Maximalleistung von 175 PS natürlich Kraft im Überfluss zur Verfügung stellt. Bei 8.000/min. stehen sage und schreibe fast 20 PS mehr zur Verfügung als beim bisherigen 1000er V4.

Ist man, wie wir im Rahmen der Präsentationsfahrt auf den miserablen Landstraßen der östlichen Emilia Romangna und der angrenzenden Marken unterwegs, freut man sich häufiger als gewünscht über Aprilias Fahrsicherheitssysteme. Die achtfach justierbare Traktionskontrolle bekommt reichlich zu tun, weil der Asphalt häufig richtiggehend blankpoliert ist, die dreifach einstellbare Wheelie Control hält bei ungestümem Gasgeben auf Wellen bei Bedarf das Vorderrad ordentlich am Boden.

Zudem gibt es für Rennstreckeneinsätze eine Launch Control, mit deren Hilfe sich Starts optimieren lassen. Der Quickshifter, der die Kupplungsbetätigung überflüssig macht, funktioniert ausgezeichnet; leider beherrscht er aber nur die Aufwärts-Richtung. Fürs Zurückschalten muss konventionell gekuppelt werden – schade, dass die Aprilia-Entwickler diese Disziplin noch nicht beherrschen.

Die gegenüber dem Vormodell um 1,5 Zentimeter abgesenkte Sitzposition führt allerdings bei größer gewachsenen Zeitgenossen zu einem engeren Kniewinkel.  SP-X/fbn

Alles im Blick

Die gegenüber dem Vormodell um 1,5 Zentimeter abgesenkte Sitzposition führt bei größer gewachsenen Zeitgenossen zu einem engeren Kniewinkel.

Das ABS kennt drei unterschiedliche Eingriffs-Niveaus, so dass unterschiedliche Fahrer-Ansprüche erfüllt werden können. Jede ABS-Einstellung kann mit jedem der drei Motor-Mappings (Track, Sport, Race) kombiniert werden. Die Gasannahme haben wir in keinem der drei Modes als ausgesprochen weich empfunden, aber die Tuono – das Wort bedeutet „Donner“ – will ja auch nicht sanftmütig daherkommen, sondern ist schon von ihrer Grundkonzeption her ein Bike für erfahrene Männer. Insofern passt das schon zusammen.

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