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01.06.2011

13:14 Uhr

Aston Martin Rapide

Limousine für James Bond

VonFranz Rother
Quelle:WirtschaftsWoche

Aston Martin - dieser Name steht seit Jahren für elegante Sportwagen. Ein Viertürer will da auf den ersten Blick nicht so recht ins Programm passen. Renn-Profi Bernd Schneider ist den Rapide schon gefahren.

DüsseldorfJames Bond hat in seinen 22 Filmen nie geheiratet oder gar Kinder gezeugt. Insofern stellte sich für den bekannten Geheimagenten auch nie die Frage, wie sich in seinem Einsatzfahrzeug Getränkekisten oder gar Kinderwagen transportieren lassen. Ulrich Bez, der seit einigen Jahren die Geschäfte seines Dienstwagenlieferanten Aston Martin führt, hat jedoch Vorsorge getroffen: Seit Kurzem hat der britische Autohersteller für Geheimagenten oder andere elitäre Zeitgenossen mit Anhang auch einen familientauglichen Sportwagen im Programm, mit vier Türen und vier Sitzen sowie einem geräumigen Kofferraum. Aber ist der Rapide tatsächlich ein "praktisches Familienauto", wie die Werbebroschüre behauptet? Zusammen mit dem Rennfahrer Bernd Schneider fuhren wir das neue Auto im Schwäbischen Probe.

Schein & Sein

Die Marketingleute von Aston Martin nehmen auch sonst den Mund ganz schön voll. Der Rapide sei "the world?s most elegant four-door sports car", schreiben die in ihrer Werbebroschüre. "Die Designer", findet Schneider, "haben gute Arbeit geleistet und ein wohlproportioniertes Auto entworfen, das meiner Frau gefallen könnte: Das knackige Heck, die coupéhafte Seitenlinie und die Front mit den ausdrucksstarken Scheinwerfern ziehen die Blicke auf sich. Der Innenraum, ausgekleidet mit dem Leder von zehn Kuhhäuten, sieht ebenfalls ausgesprochen edel aus - auch wenn ich mich frage, welche Farbe das weiße Leder unseres Testwagens nach einem Jahr Alltagsbetrieb haben würde", ergänzt Schneider mit einem Lächeln.

Seine Kinder hätten sicher viel Spaß mit dem DVD-Player und den Monitoren vor ihnen in den Kopfstützen der Vordersitze. Leider verfügt der Rapide nur über vier Einzelsitze: "Eine meiner Töchter müsste dann wohl zu Hause bleiben." Für Urlaubsfahrten mit der Familie reicht der Rapide ohnehin nicht - der Kofferraum ist knapp bemessen. "Mein C-Klasse-Kombi von AMG schluckt mehr."

Trotz des teuren Unterhaltungssystems, des tollen Klangs der Soundanlage von Bang&Olufsen und eines gut dosierbaren Klimasystems dürften sich groß gewachsene Menschen nur auf kurzen Strecken wohlfühlen. Aber das ist bei dem fünffachen DTM-Meister nicht der Fall. Hinzu kommt: Trotz eines ausgeklügelten Scharniersystems, das die hinteren Türen elegant nach oben schwingen lässt, wenn am illuminierten Türgriff gezogen wird, ist das Einfädeln in den Fond eine Gymnastikübung. Sportler können damit leben.

Saus & Braus

Der Rapide versteht sich als Gesamtkunstwerk. Dementsprechend ist auch der Zündschlüssel nicht irgendein schwarzes Plastikteil, sondern elitär aus Glas geschliffen. Ein Ersatz-Kristall kostet 1.800 Euro. Entsprechend vorsichtig schiebt Bernd Schneider den gläsernen Schlüssel in den dafür vorgesehenen Schacht im Armaturenbrett, um den Motor zu starten. Mit lautem Brüllen erwacht der Zwölfzylinder zum Leben - um sich zwei Sekunden später wieder zu beruhigen.

Elektronisch gesteuerte Klappen im Abgasstrang sorgen dafür, dass der Kampfruf grollend verhallt. Aber auch danach bleibt das Klangbild sportlich, wunderbar satt grummelnd setzt sich der Rapide nach dem Einlegen des Vorwärtsgangs über die Drucktaste D (Wählstock war gestern) in Bewegung. Schneider drückt die Sporttaste und gibt kräftig Gas: Ruck, zuck sind 100 Kilometer pro Stunde erreicht, und nach oben scheint noch viel Luft. Also nichts wie rauf auf die nächste Autobahn.

Der Motor, bei Ford in Köln in liebevoller Handarbeit gebaut und, wie eine kleine Silberplakette belegt, von einem gewissen Erwin Wiener freigegeben, hängt gut am Gas. Der Rapide zieht mächtig an. Aber bei 240 Kilometer pro Stunde geht ihm ein wenig die Luft aus - bei knapp zwei Tonnen Leergewicht ist das aber auch kein Wunder. Man braucht schon viel Platz und freie Fahrt, um die Spitzengeschwindigkeit von 296 Kilometer pro Stunde zu erreichen.

Nach einer halben Stunde rasanter Fahrt meldet der Bordcomputer nur noch eine Reichweite von 200 Kilometern: Der 90-Liter-Tank ist bei Vollgasfahrten und einem Durchschnittsverbrauch von über 25 Litern ruck, zuck leer gesaugt. Sparsamkeit ist keine Tugend dieses Sportlers.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

02.06.2011, 13:53 Uhr

Schade, dass dieser Test von AMG gesponsert wurde. Ständige negative Konnotationen sollen diesen Exoten unterbewusst beim Leser schlechter ankommen lassen als er ist.

Die Exclusivität dieses eleganten Viertürers wird ein AMG niemals auch nur ansatzweise erreichen. Mercedes hat jedoch selbst Schuld, denn sie haben ihre Marke mit der A- und B-klasse sozialisiert. Porsche erwartet unter dem Joch von VW vielleicht dasselbe Schicksal...

Aston Martin ist aufgrund seiner Eigenstellung und Exclusivität konkurrenzlos. Da kann auch kein Designo, AMG oder sonstwer etwas entgegenwirken. Und schon gar nicht ein dahergefahrener AMG-Pilot.

omontono

02.06.2011, 13:58 Uhr

Mercedes sollte erstmal sein Rostproblem in den Griff bekommen. Dann können sie auch über andere Automobilhersteller herziehen!

007_Witwer

02.06.2011, 18:44 Uhr

Zitat: "... James Bond hat in seinen 22 Filmen nie geheiratet ..."
Toller Einstieg in den Artikel, leider völlig falsch. Schauen Sie sich mal James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät an. Dort heiratet Bond. Und wird gleich zum Witwer. Das ist wirklich kein Geheimnis. Minimal-Recherche sollte schon sein ... oder?

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