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27.09.2012

11:52 Uhr

Audi A1 Sportback im Handelsblatt-Test

A1 + 2 = Sportback

VonSebastian Schaal

Mit zwei Türen mehr will Audi jetzt auch die Kundschaft ködern, die auch beim Kleinwagen mehr auf Nutzen als auf reinen Lifestyle setzt. Dass dabei auch nicht der Fahrspaß zu kurz kommt, zeigt unser Test.

Mit dem A1 hat Audi Mini auf dem Markt der Luxus-Kleinwagen angegriffen. Der Sportback nimmt jetzt den Mini Clubman ins Visier. Sebastian Schaal

Mit dem A1 hat Audi Mini auf dem Markt der Luxus-Kleinwagen angegriffen. Der Sportback nimmt jetzt den Mini Clubman ins Visier.

DüsseldorfLuxuriöse Kleinwagen sind ein gutes Geschäft, das hat BMW mit Mini unlängst bewiesen. Also zog Audi mit dem A1 nach - doch erst einmal mit etwas kleineren Brötchen. Denn statt einer breiten Modellpalette wie bei dem britischen Kult-Kleinwagen gab es aus Ingolstadt anfangs nur eine Variante, den Dreitürer.

Nach gut anderthalb Jahren auf dem Markt hat sich 2012 doch etwas getan im A1-Prospekt. Nein, damit ist nicht der auf weltweit 333 Exemplare limitierte A1 Quattro mit 256 PS gemeint. Der Kraftzwerg bringt eher Prestige als den nötigen Umsatz. Für den soll der A1 Sportback sorgen, der mit vermeintlich höherem Praxisnutzen bei der Kundschaft punkten soll.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Audi A1 Sportback

Alltagstauglich?

Vier Meter Länge, Platz für bis zu fünf Personen, 270 Liter Kofferraum, hohe Leistung, geringer Verbrauch. Ja, auf jeden Fall alltagstauglich.

Das schönste Detail?

Obwohl ich sie nicht attraktiv finde, sind die wasabigrünen Dekorelemente trotzdem das schönste Detail. Oder sagen wir das auffälligste Detail. Ein so erwachsenes Auto wie der A1 kann - etwas gewollt - doch so jugendlich sein.

Enttäuschend?

Für mich (etwa 1,85 Meter) ist der Zustieg auf die Rückbank trotz der zusätzlichen Türen nicht unbedingt bequem. Man muss sich immer noch in das Auto einfädeln.

Ist er`s wert?

Schwierige Frage. Unser Testwagen kostet mehr als ein ordentlich ausgestatteter Golf. Dafür gibt es Oberklasse-Feeling in einem Kleinwagen. Damit findet der A1 sicher seine Kundschaft. Den großen Kult-Faktor des Mini hat er aber nicht.

Sound?

Ein kräftiger Diesel, der auch in vielen Mittelklasse-Autos zum Einsatz kommt. In der Stadt hält er sich angenehm zurück, auf der Landstraße knurrt er sportlich vor sich hin. Insgesamt stimmig.

Wie grün ist das Auto?

Das Start-Stopp-System arbeitet einwandfrei, die Schaltpunktanzeige mahnt zum effektiven Hochschalten. Dann ist der A1 gemessen an seiner Leistung ein sparsamer Kleinwagen. Und auch wer Start-Stopp links liegen lässt und seine Schaltpunkte eher leistungs- als verbrauchsorientiert setzt, bekommt den Sportback kaum über 6,5 Liter.

Vorbildlich?

Wie bei vielen anderen Modellen setzt Audi mit der Verarbeitung und der Qualität der Materialien Maßstäbe in der Klasse. Nur bei der Aufpreisliste sollte die Konkurrenz nach Möglichkeit nicht abschauen.

Was sagt der Nachbar?

Ist voll der Lobes über den schicken Kleinwagen. Bis er näher kommt und das Wasabigrün im Innenraum entdeckt - ein "No Go" für ihn. Die Erklärung, dass es die Dekorelemente auch in weiß, rot oder schlichtem schwarz gibt, senkt den Puls.

Wer guckt?

Genau die Zielgruppe, die auch Audi angepeilt hat: die U30. Ob ihnen allerdings auch die beiden zusätzlichen Türen aufgefallen sind, kann ich nicht sagen.

Wie fährt er sich?

Unglaublich handlich und agil, sobald es geradeaus geht, schießt der A1 auch kraftvoll nach vorne. Doch die Straße sollte wirklich gerade sein, in den Kurven bekommt der A1 teilweise nicht seine Kraft auf den Boden - obwohl die Traktionskontrolle feinfühlig regelt.

Wo gehört er hin?

In die Stadt und aufs Land. Langstreckenfahrer sollten aber gegen etwas Aufpreis zum A3 greifen - oder für das selbe Geld zu einem Golf. Der längere Radstand zahlt sich bei vielen Autobahnkilometern aus.

Doch auch der Kunde, der sich für den praktischeren Fünftürer entscheidet, muss nicht mit einem 90-PS-Diesel verhungern. Bei den Benzinern gibt es bis zu 185 Pferde unter der Haube. Der stärkste Diesel, den wir gefahren sind, treibt den Kleinwagen mit 143 PS voran. Auf den ersten Blick verspricht das viel Fahrspaß, doch zuerst etwas mehr über den Sportback an sich.

Um die beiden zusätzlichen Türen unterbringen zu können, war etwas mehr nötig als nur zwei neue Öffnungen in den Rahmen zu sägen. Die vorderen Zugänge sind um satte 23 Zentimeter geschrumpft, das Dach hingegen ist um acht Zentimeter gewachsen. Vor allem letzteres soll den Mitfahrern auf der Rückbank mehr Kopffreiheit bescheren. Sicher tun die zusätzlichen elf Millimeter gut, Passagiere über 1,80 Meter werden trotzdem lieber vorne als hinten Platz nehmen.

Dort warten bequeme Sportsitze, die sich optimal einstellen lassen. Nur kann dann – je nach Körpergröße – der Fußraum hinten ganz schön schwinden. Der A1 ist und bleibt eben ein Kleinwagen mit weniger als vier Metern Länge. Übrigens: Der Kofferraum fasst weiterhin 270 Liter und ist damit im Vergleich zum Dreitürer nicht gewachsen.

Um die beiden hinteren Türen unterbringen zu können ist die vordere 23 Zentimeter kürzer geworden und das Dach ist um acht Zentimeter länger. Sebastian Schaal

Um die beiden hinteren Türen unterbringen zu können ist die vordere 23 Zentimeter kürzer geworden und das Dach ist um acht Zentimeter länger.

Wenn schon nicht mit den Platzverhältnissen, kann der A1 wenigstens mit dem Innenraum punkten – und wie! Schon bei der ersten Sitzprobe überzeugt die Verarbeitung und die Materialqualität, aber nicht unbedingt deren Farbe. Auch wenn Audi mit ihrem Kleinsten bewusst jüngere Käufer ansprechen will: Mich als eben einen solchen jungen Käufer haben die wasabigrünen Dekor-Einsätze eher abgeschreckt als angesprochen. Auch unter den älteren Handelsblatt-Testern gab es wenig Zuspruch für das kräftige Grün. Aber das war wohl eine Eigenart unseres Testwagens, welche der Kunde ja nicht unbedingt ordern muss...

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