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25.04.2014

08:24 Uhr

Audi A6 Avant im Autotest

Viel Auto für viel Geld

VonSebastian Schaal

Viel Platz für Mitfahrer und Gepäck, ein hochwertiger Innenraum und ein starker, aber sauberer Diesel: Der Audi A6 Avant 3.0 TDI Clean Diesel überzeugt im Test. Wenn da ein entscheidendes Detail nicht wäre – sein Preis.

In unserem Testwagen ist fast alles verbaut, was die Optionsliste hergibt – und das treibt den Preis auf saftige 82.125,01 Euro. Sebastian Schaal

In unserem Testwagen ist fast alles verbaut, was die Optionsliste hergibt – und das treibt den Preis auf saftige 82.125,01 Euro.

Der Audi A6 Avant ist ein herrlich vernünftiges Auto. Fünf Personen können in dem Kombi bequem mitfahren, der Kofferraum schluckt 565 Liter und der Wagen kostet gerade einmal 39.550 Euro – günstiger als so manch gut ausgestatteter Golf Variant. Doch auf diesen Grundpreis kommt der A6 nur mit dem 180 PS starken Basis-Benziner.

Vom Oberklasse-Anspruch eines A6 ist dann aber nur noch die Außenlänge von 4,93 Metern übrig. Wer Leder- statt Stoffsitze will oder Surround-Sound statt einfachen Lautsprechern kann das auch beim Basismodell dank der Optionsliste beheben – gegen Aufpreis versteht sich. Doch eines bekommt er von dem Zwei-Liter-Benziner nicht: souveräne Fahrleistungen.

Die bietet etwa der 245 PS starke V6-Turbodiesel, von uns in der „Clean Diesel“-Version gefahren. Dank 580 Newtonmetern Drehmoment schafft es das 1,9-Tonnen-Gefährt von 0 auf 100 km/h in 6,4 Sekunden, bei 243 Stundenkilometern ist Schluss. Im Grundpreis von dann bereits 55.350 Euro sind aber immerhin der Quattro-Allradantrieb und das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe enthalten.

Es geht noch mehr

Einige Kreuzchen in der Optionsliste machen zwar aus dem größten Audi-Kombi dank Leder und zahlreichen Assistenten den Luxus-Laster, den man von den Ingolstädtern erwartet. Der Preis steigt allerdings auch in Luxus-Regionen: Würden wir unseren Testwagen bei einem Audi-Händler tatsächlich in dieser Ausstattung kaufen wollen, müssten wir 82.125 Euro und einen Cent berappen. Das sitzt.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Audi A6 Avant

Alltagstauglich?

Ein E-Klasse-Kombi bietet mit 700 Litern zwar mehr Kofferraum, doch die 565 Liter des A6 Avant reichen im Alltag auch locker aus. Die ein oder andere Parklücke dürfte für den 4,93 Meter langen und 1,87 Meter breiten Wagen zu klein sein, doch ansonsten ist der A6 Kombi voll alltagstauglich.

Das schönste Detail?

Wie durchdacht die Bedienung der ganzen Systeme ist. Die wichtigsten Assistenten lassen sich in einem kleinen Tastenfeld links vom Lenkrad einfach an- und abstellen. So muss man nicht während der Fahrt in den Untiefen des Bordcomputers vordringen.

Enttäuschend?

Wie viele Selbstverständlichkeiten bei einem so teuren Auto immer noch extra berechnet werden, etwa Seitenairbags hinten für 360 Euro, eine Kindersitzbefestigung für den Beifahrersitz kostet 80 Euro, Ablagenetze an der Rückseite der Vordersitzlehnen kostet 100 Euro. Immerhin ein Radio ist drin.

Ist er’s wert?

Am Ende muss jeder Kunde selbst entscheiden, welches Extra er will und welches nicht. So kann sich jeder selbst zusammenstellen, was ihm einen Aufpreis wert ist oder nicht. Der Motor und Antrieb überzeugt aber voll und ganz.

Sound?

Es ist ein moderner V6-Diesel. Soll heißen akustisch gut abgekapselt und im Alltag kaum zu hören.  Nur bei hohen Drehzahlen wird er etwas brummig. Der Sound hat dann etwas von den Le-Mans-Rennwagen von Audi, die ebenfalls von einem V6-Diesel angetrieben werden.

Wie grün ist das Auto?

Der niedrigste Verbrauchswert im Test lag bei 6,0 Litern, der höchste bei 8,4. Im Schnitt waren es 6,6 Liter – sehr ordentlich für einen 1,9 Tonnen schweren Luxus-Laster mit fast 250 PS. Zu dem niedrigen Verbrauch kommt noch das aufwändige Abgas-Nachbehandlungssystem, was den Wagen noch grüner macht. Hier müssen wir aber auf die Funktionsbeschreibung von Audi vertrauen – mangels Messinstrumenten.

Vorbildlich?

Wird werden wohl noch einige Jahre oder Jahrzehnte mit Verbrennungsmotoren leben. Deshalb ist es lobenswert, dass Hersteller wie Audi oder Mercedes mit Harnstoffsystemen versuchen, die Abgase von Dieselmotoren noch sauberer zu machen. Vorbildlich wäre es, diese Systeme aber nicht nur bei teuren V6-Motoren, sondern bei allen Dieselmotoren im Angebot einzusetzen. Ohne Aufpreis.

Was sagt der Nachbar?

„Was ist das denn für eine Farbe? Gestern Abend in der Dämmerung dachte ich grau, heute mit mehr Licht an ein dreckiges Weiß.“ Um den Herrn aufzuklären: Das heißt Gletscherweiß Metallic und sieht in der Tat je nach Lichteinfall teilweise gräulich aus.

Wer guckt?

Kaum jemand. Dazu gibt es den A6 schon zu lange und zu häufig.

Wie fährt er sich?

Gediegen, komfortabel, in Maßen sportlich.

Wo gehört er hin?

Für das ein oder andere Parkhaus in der Innenstadt dürfte er etwas groß sein, sonst steht dem A6 die automobile Welt offen.

Nun könnte man sich ausmalen, welchen automobilen Gegenwert es für 160.000 Mark vor 20 Jahren gegeben hätte. Doch ein Audi für 80.000 Euro des Modelljahres 2014 bietet sicher mehr Luxus als ein Bentley der 1990er Jahre. Nur an das Prestige einer britischen Nobel-Karosse kann der A6 bei weitem nicht heranreichen.

Dem Prestige nicht gerade förderlich dürfte auch der TDI-Schriftzug auf der Kofferraum-Klappe sein. Dabei verschweigen die drei Buchstaben die Besonderheit des Motors, der im Prospekt auf den Namen „3.0 TDI clean diesel“ hört. Hinter dem „Clean“ verbirgt sich nicht eine Marketing-Floskel, die auf den ach so niedrigen Verbrauch zielt. Der „saubere“ Diesel verfügt über eine aufwändige Abgas-Nachbehandlung mit Harnstoff-Einspritzung (AdBlue), welche die Stickoxide deutlich reduzieren soll.

Kommentare (6)

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25.04.2014, 08:57 Uhr

Natürlich kann man mit der Aufpreisliste den endgültigen Preis nach ganz oben treiben. Wer sich das (so wie ich) nicht leisten kann, der muss überlegt bei der Bestellung ankreuzen. Z.B. (ich fahre BMW X1): automatisch macht man Kreuzchen bei Sachen, die man echt nicht braucht: Dachreling, Chrom Line, usw. Natürlich ist alles individuell und das ist gut so. Aber man muss sich auch überlegen, ob man manche Sachen nützt...

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25.04.2014, 09:20 Uhr

Es stellt sich wirklich zunehmend die Frage, was uns individueller Verkehr wert ist. Diese Form der Ausstattungsvöllerei funktioniert vor allem in Deutschland wegen der vergleichsweise komfortablen Dienstwagensteuer.

Privatkäufer ticken da bereits anders und üben sich im weglassen.

Autos im Wert einer Eigentumswohnung sind reine Geldvernichtung.

Account gelöscht!

25.04.2014, 12:40 Uhr

Ob Dienstwagen oder Privatwagen:
Für rund 40.000,- € kann man einen Lancia Thema (Chrysler 300) neu und mit VOLLAUSSTATTUNG käuflich erwerben.
Wer wie ich diesen Wagen 100.000 km gefahren hat, kann über diesen "Möchte-Gern-Premium-Blödsinn" von Audi & Co. nur noch den Kopf schütteln.
Und bei Inspektionskosten von durchschnittlich 380,-€ weiß ich endgültig, wer hier mit wem welche Spielchen treibt.

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