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20.07.2017

10:41 Uhr

Audi Q5 im Handelsblatt-Test

Graue Eminenz

VonFrank G. Heide

Der in Mexiko gebaute Audi Q5 tritt ein schweres Erbe an: Das SUV soll noch erfolgreicher werden als sein rund 1,5 Millionen mal verkaufter Vorgänger. Wie das, fragt man sich angesichts des Testwagens, der vor allem Grau in Grau daherkommt.

Die Linien sind nun straffer, dynamischer. Aber bei der Technik hat sich deutlich mehr getan als beim Design. Frank G. Heide

Im Test: Der neue Audi Q5 als 2.0 TFSI quattro

Die Linien sind nun straffer, dynamischer. Aber bei der Technik hat sich deutlich mehr getan als beim Design.

DüsseldorfWas bleibt? Das ist die Kernfrage. Wochen nachdem man den Testwagen zurückgegeben hat, sollten bei Autos der Preisklasse um 50.000 Euro nicht nur Fahrnotizen übrig bleiben. Im besten Fall hat sich dem Fahrer was Emotionales eingebrannt, von dem er schwärmen kann, oder das er leidenschaftlich verurteilt.

Im Fall des Audi Q5 2.0 TFSI quattro, der dank teurer Extras sogar auf knapp 76.000 kam, bleibt es aber trotz vieler technischer Verbesserungen am Fahrzeug ganz nüchtern bei gesammelten Fahreindrücken. Die waren nah an der Perfektion dessen, was man Alltagstauglichkeit nennt. Doch große Gefühle im felsgrauen Audi? Fehlanzeige!

Es müssen also die Details im Gesamtpaket sein, die das mittelgroße SUV aus mexikanischer Fertigung so erfolgreich machen. Wenn der neue Q5 noch mehr Kunden gewinnen soll als der Vorgänger, dann wird er sich mehr als 1,5 Millionen mal verkaufen müssen. Und wenn er das schafft, dann wird es höchstwahrscheinlich nicht an einer Designrevolution gelegen haben, sondern an einer vorsichtigen, durchaus dynamischen Evolution. Auf die hat man sich in Ingolstadt soweit spezialisiert, dass arg verwöhnte Motorjournalisten-Kollegen schon von der Langeweile der Perfektion philosophieren.

Dabei liegt doch auf der Hand, dass Audi gar kein schrilles SUV-Lifestyle-Häppchen servieren kann. Wer würde denn die zahlungskräftige und stetig wachsende SUV-Kundschaft aus ihrer Komfortzone schrecken wollen? Dafür ist der Q5 einfach zu wichtig.

Keine Revolution also. Ein bisschen was hat Audi aber doch am Design getan, ohne dass es außenstehenden Betrachtern den Atem raubt. Der unvermeidliche Singleframe-Kühlergrill bekam einen dickeren Rahmen, einige Rundungen wurden gestrafft, die Abmessungen veränderten sich aber nur im Millimeterbereich. Eine neue Chromspange ziert das Heck, sie betont die gewaltig wirkende Breite der Karosse.

Wie variantenreich man solide und werthaltige SUV-Kost zubereiten kann, zeigt Audi am Q5-Testwagen beispielsweise an den Farben: Steingrau trifft Stadtmausgrau, Esche Graubraun trifft Marmorgrau, Titangrau trifft Felsgrau-Metallic. Das kann man so langweilig finden wie einen Grabstein, aber dunkles Silbergrau-Metallic zählt nun mal seit Jahren zu den Farben, mit denen Neuwagen am wenigsten an Wert verlieren. So sind sie, die deutschen SUV-Käufer.

Alle Triebwerke haben im Vergleich zur Vorgängergeneration bei der Leistung zugelegt und sollen gleichzeitig beim Normverbrauch sparsamer sein. Der von uns gefahrene 2.0 TFSI mit185 kW bzw. 252 PS begnügt sich auf dem Prüfstand 6,8 Litern Benzin auf 100 Kilometer. Dass es auf Kurzstrecke im Sportmodus auch zwischendurch mal mehr als doppelt so viel wird, dafür wird niemand über den Q5 ein Fahrverbot verhängen. Frank G. Heide

Der Q5 startet mit vier TDI-Motoren und einem TFSI

Alle Triebwerke haben im Vergleich zur Vorgängergeneration bei der Leistung zugelegt und sollen gleichzeitig beim Normverbrauch sparsamer sein. Der von uns gefahrene 2.0 TFSI mit185 kW bzw. 252 PS begnügt sich auf dem Prüfstand 6,8 Litern Benzin auf 100 Kilometer. Dass es auf Kurzstrecke im Sportmodus auch zwischendurch mal mehr als doppelt so viel wird, dafür wird niemand über den Q5 ein Fahrverbot verhängen.

Was unseren fast voll ausgestatteten Testwagen so angenehm und fast perfekt erscheinen lässt, sind natürlich die teuren Sicherheits-Assistenten und Komfortfeatures, mit denen die Premium-Anbieter gutes Geld verdienen. Fast wie in der Oberklasse fühlt man sich, wenn man auf ein Head-up-Display blickt, im MMI-System für soundstarkes Infotainment nun auch Telefonnummern auf ein Touchpad kritzeln darf, und vor allem natürlich, wenn man ins immer noch begeisternde Breitwand-Display des volldigitalen, virtuellen Cockpits blickt.

Feine Eschenholzintarsien treffen auf reichlich dickes Leder, und man greift stets gern in die Bedienelemente, weil sie - ganz Audi-typisch - keine bösen Überraschungen bieten, sondern Haptik und Druckpunkte so angenehm sind. Dazu kommt ein gutes Raumgefühl für mindestens vier Erwachsene, jeder hat genug Bewegungsfreiheit und es gibt eine Menge durchdachter Ablageflächen, ja sogar eine kleine Kühlbox für Getränke unter der Armauflage in der Mittelkonsole.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Definitiv, ja. Der Q5 befördert locker 4 Personen, zieht einen Anhänger, und kommt auch abseits des Asphalts gut klar. Nur die Übersicht und der Platzbedarf im Parkhaus sind kleine Minuspunkte.

Das schönste Detail?

Das virtuelle Cockpit natürlich, und da insbesondere die Kartendarstellung der ansonsten eher schwachen Navigation. Das ist großes Breitwandkino.

Enttäuschend?

Die Aufpreispolitik. Aber das ist ja nichts Neues bei Audi.

Ist er`s wert?

Das kommt stark auf die Kreuzchen in der Optionsliste, also die persönlichen Vorlieben an. Der fast voll ausgestattete Testwagen kostete knapp 76.000 Euro, der Basispreis beträgt aber rund 52.000 Euro.

Sound?

Angenehm leise für ein so großes SUV mit viel Wind-Angriffsfläche. Was auch an der empfehlenswerten Akustikverglasung liegt, die für Ruhe selbst bei hohem Reisetempo sorgt.

Wie grün ist das Auto?

wWeil er mehr deutlich als 1800 Kilo wiegt und alle Räder angetrieben werden ist der Zweiliter-Benziner kein Sparwunder. Im Alltag lagen wir meist deutlich über dem vom Hersteller genannten Normverbrauch pro 100 km.

Vorbildlich?

Dieser Audi ist in jeder Beziehung Grau Metallic. Nüchtern, sachlich, wertig.

Was sagt der Nachbar?

„Ach, das ist der Neue?“

Wer guckt?

Alle. Wirklich alle. Wenn er in Soul Red lackiert wurde.

Wie fährt er sich?

Definitiv komfortabler als der Vorgänger. Das Luftfederfahrwerk ist eine Wucht. Die Lenkung hinterlässt aber stets einen recht synthetischen Eindruck. Und er sprintet schneller als erwartet.

Wo gehört er hin?

Vorrangig in die Hände der vielen Premium-Dienstwagenfahrer, die bislang einen Kombi pilotierten und nun über den Umstieg aufs SUV nachdenken. Man wird ja nicht jünger.

Kommentare (2)

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Herr Peter Insam

20.07.2017, 12:15 Uhr

Ernsthaft? EUR 76.000? Gebaut in Mexiko? Klar ersichtlich, dass diese Kombination einzig der weiteren Befriedigung der Profitgier dienen soll. Der einmal mehr langweilige Audi wird günstig in Mexiko gebaut und für teures Geld hierzulande verkauft. Ein Blick in die US-Preisliste zeigt, dass es auch günstiger geht. Hierzulande wird der Verbraucher ausgenommen und verdummdeubelt (siehe Abgasskandal; soziale Verantwortung eines deutschen Unternehmens hinsichtlich Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland). Gottlob gibt es Alternativen.

Herr Josef Schmidt

21.07.2017, 12:30 Uhr

Wer kauft sich so eine billig gebaute Karre aus Mexiko ausser dem deutschen Michel des Mittleren Management in D ? Privatkäufer sind es bestimmt nicht. Naja, drei Jahre wird die Karre wohl halten.

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