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09.07.2015

09:25 Uhr

Audi TT im Handelsblatt-Test

Geld oder Liebe

VonLukas Bay

Seit meiner Schulzeit träume ich von einem Audi TT. Doch auch die schönsten Träume können an der Realität zerschellen. Damals wie heute. Eine Testfahrt mit viel Gefühl. Und mit Taschenrechner.

Wenn man schon seit der Schulzeit vom Audi TT träumt, der 1998 auf den Markt kam, dann wird es mit der neuen, dritten Generation höchste Zeit, die Leidenschaft noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Frank G. Heide

Das Objekt der Begierde

Wenn man schon seit der Schulzeit vom Audi TT träumt, der 1998 auf den Markt kam, dann wird es mit der neuen, dritten Generation höchste Zeit, die Leidenschaft noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

DüsseldorfManchmal beginnt eine Liebe mit einer Hausaufgabe. So war es jedenfalls mit dem Audi TT und mir. Unser BWL-Lehrer hatte uns aufgetragen, unser Traumauto zu durchzukalkulieren. Als zufriedener, aber anspruchsloser Besitzer eines VW Polos streifte ich durch die Autohäuser der Kleinstadt, auf der Suche nach einem Wagen, der diesem Anspruch gerecht werden könnte. Und plötzlich stand er da: ein Audi TT, erste Generation. Ein Roadster. So unvernünftig. So schön. Ein Auto, das schon damals aus der Rolle fiel.

Schnell wurde ein Angebot beim ungläubig auf den damals 18-jährigen Käufer schauenden Autohändler eingeholt. Dann ging es an den Taschenrechner, der rasch die ernüchternde Einsicht lieferte: Dieses Auto werde ich mir nicht leisten können. Nicht einmal mit dem bald in Aussicht stehenden Gehalts eines Zivildienstleistenden. Und so wurde die Flamme der jugendlichen Leidenschaft von den nüchternen Zahlen erstickt, erlosch aber nie ganz.

Nun, 13 Jahre später, also die zweite Begegnung mit dem TT, diesmal mit einem Coupé. Und von vornherein die Befürchtung, dass dies ein wenig objektiver Autotest werden könnte. Tatsächlich hat auch die jüngste Generation des kompakten Sportlers für mich wenig von ihrem Reiz verloren. Die ikonische Linienführung ist erhalten geblieben. Der neue TT ist älter geworden, besser: erwachsener. Er ist nicht mehr so rund und verspielt, dafür ein wenig kantiger mit wuchtigem Kühlergrill. Eine Optik wie eine Raubkatze beim Sprung.

Besonders die Matrix LED-Scheinwerfer blitzen einen nun scharf an, wo die erste Generation noch harmlos Kulleraugen machte. Die Technik dahinter klingt futuristisch: die Scheinwerfer erkennen über per Kamera entgegenkommende Fahrzeuge und blenden in deren Sichtfeld automatisch ab, während das restliche Umfeld hell erleuchtet bleibt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Ein TT ist kein Auto für den Alltag, sondern eins, mit dem man dem Alltag in aller Schönheit entfliehen kann.

Das schönste Detail?

Das Virtual Cockpit. Einfach zu bedienen, sehr übersichtlich. Besonders das Breitbild-Navi kann sich sehen lassen.

Enttäuschend?

Die Ladefläche. Die hintere Sitzreihe ist zu knapp bemessen, um wirklich Mitfahren einzuladen und macht den Kofferraum noch kleiner als er ohnehin schon ist.

Ist er`s wert?

Wenn man sich einen kompakten Sportler für 50.000 Euro leisten will. Aus neutraler Sicht ist der Preis einfach zu hoch angesetzt.

Sound?

Erstaunlich leise. Der TT brummt nicht, sondern zieht.

Wie grün ist das Auto?

Der Normverbrauch ist mit 5,9 Litern auf 100 Kilometern noch mal gesunken. Doch der TT ist kein Auto, um Sprit zu sparen.

Vorbildlich?

Als Designikone steht der TT für sich und ist damit sicher auch ein Vorbild.

Was sagt der Nachbar?

"Schick. Aber ein bisschen wie der Alte, oder?" (Er irrt sich)

Wer guckt?

Erstaunlich wenige. Trotz seiner extravaganten Kurven haben sich Passanten offensichtlich schon ein bisschen sattgesehen am TT-Design.

Wie fährt er sich?

Dynamisch und direkt - der TT ist einfach ein kompakter Sportler, der es einem leicht macht, ihn zu mögen.

Wo gehört er hin?

Auf die Autobahn oder in die Garage. Jedenfalls ist dringend empfohlen, neben dem TT noch ein zweites Auto zu besitzen.

Futuristisch wird es auch im Innenraum. Hier erinnert nur noch wenig an die erste Generation des TT. Die Optik der runden Lüfter erkenne ich wieder. Nicht nur hier hat man sich am Erbe orientiert – aber noch mal kräftig nachgearbeitet. Bedienung und Anzeige der Klimaanlage sind jetzt im mittleren Drehregler der Lüfter integriert, eine Meisterleistung der Audi-Ingenieure.

Auch sonst ist fast alles rundüberholt worden – vor allem hinter dem Lenkrad. Wo damals Drehzahlmesser und Geschwindigkeitsanzeige waren, ist nun ein „Virtual Cockpit“, wie Audi das 12,3 Zoll TFT-Display getauft hat. Neben den gängigen Fahrdaten lassen sich hier auch die Navigation, Telefon und das Infotainment-System darstellen.

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