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05.01.2015

09:30 Uhr

Auto-Design

„SUV als Illusion unbegrenzter Potenz“

VonGünter Weigel
Quelle:Spotpress

Richtig zufrieden scheint der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli mit den Entwicklungen in der Autobranche nicht zu sein. Vor allem ein Trend missfällt ihm.

Fragen an: Design-Professor Paolo Tumminelli - „Der Trend führt zu Markenchaos“ Tumminelli

Design-Professor Paolo Tumminelli

Immer mehr Nischen, immer mehr SUV und immer weniger Knöpfe: Trends zu denen der Kölner Design-Professor Paolo Tumminelli eine klare Meinung hat.

Ist der „Keine-Knöpfchen-Trend“ im Interieur einer der sich hält, oder werden die Hersteller in näherer Zukunft wieder umschwenken?

PT: Der Touch-Screen ist vom Automobil nicht mehr wegzudenken. Nur so lassen sich alle Funktionen, Optionen und Firlefanz günstig steuern. Künftig darf man noch mehr Bildschirme – für verschiedene Nutzer und/oder Funktionsgruppen – erwarten. Sprachsteuerung kommt auch noch dazu.

Für den guten alten Knopf sehe ich eher schwarz – sein Preis-Leistung-Verhältnis ist zu ungünstig. Daher vielleicht als einzige Ausnahme: teure Supersportwagen, die Formel-1-Gefühl vermitteln wollen.

Beherrschendes Frontdesign 2014: der aufrecht stehende Kühlergrill. Warum nehmen so viele Hersteller (BMW, Mercedes, Mazda) dieses Design-Element auf?

PT: Weil das Automobil immer höher baut. Einerseits Fußgängerschutz, andererseits große Räder und dann noch der allgemeine Trend zum SUV. Als Konsequenz zieht sich die Front optisch in die Vertikale, so dass nur ein aufrecht stehender Grill dazu gut passt – und der gerade deswegen auch modisch wird.

Der Trend geht dazu, dass die Hersteller immer mehr (Nischen-)Modelle anbieten. Führt das Ihrer Meinung nach zu einer zu begrüßenden Vielfalt oder gefährlichen Beliebigkeit?

PT: Der Trend führt zu Markenchaos, Flops, Wertverlust – und letztlich vielleicht zur Rückbesinnung. In der Vorstellung der Hersteller soll das Automobil zum Superkonsumgut werden, jedes Jahr ein neuer Typ oder, wie Mobile.de schön sagt: "welcher ist dein nächster?".

Damit wird lediglich die Unfähigkeit kaschiert, richtige Innovation zu betreiben. Mit der umgekehrten Strategie beweist Apple, dass ein einziges, dafür richtiges Produkt, selbst im härtesten und schnellsten Markt, sich hundertmillionenfach verkaufen lässt.

Immer mehr Hersteller verpassen ihren SUV eine künstlich dynamische Optik. Warum?

PT: Weil SUV vor allem Traum – oder besser Illusion – unbegrenzter Potenz sein soll. Die pseudosportliche Form lockt eine rapide alternde, vor allem westliche Kundschaft, die nicht mehr fit für den 911er ist.

Dass die Dynamik nur künstlich ist, stört niemanden: Schließlich sind bei der anvisierten Zielgruppe Haare, Ohren, Hüften, Herz – und Gott weiß was sonst noch – bereits jetzt künstlich.

Kommentare (3)

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Herr Franz Paul

05.01.2015, 12:25 Uhr

Was ein Quatsch! Und was ist mit den vielen Frauen, die einen SUV fahren? Wollen die auch ihre "Potenz" damit verstärken? Ich fahre selber keinen, aber die Dinger haben ihre Vorzüge: Bequemer Einstieg, Übersicht, der Allradantrieb und solide Bauweise bringen ein kleines Plus an Sicherheit. Zugleistung mag auch für manche (Reiter, Bootsbesitzer,,,) ein Argument sein. Nö Paolo, so einfach ist es nicht.

Herr Aloys Haydn

05.01.2015, 13:20 Uhr

Ich gebe Dem Professor Recht: SUV steht für Senioren-und Veteranenauto und viele davon wie X6 oder neue Mercedes GLE sind einfach zum Fremdschämen und bereits zum Gespött geworden siehe Harry G auf youtube. Paolo sitzt auf dem Bild in einem E-Type, ja was das noch für ein Design!

Herr Aloys Haydn

05.01.2015, 13:24 Uhr

Die von Ihnen erwähnten Frau benötigen die SUV um den Großstadtdschungel zu durchqueren und vor den Schulen und Kindergärten die Bordsteine zu erklimmen, natürlich mit Allradantrieb.

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