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21.02.2013

11:29 Uhr

Auto-Pflege

Wenn schlampige Wartung teuer wird

Quelle:dpa

Die regelmäßige Wartung des Autos kostet Geld. Warum also in die Werkstatt fahren, wenn der Wagen scheinbar gut läuft? Mancher Verschleiß macht sich allerdings erst bemerkbar, wenn ein kapitaler Schaden droht.

Ein teurer Austausch von Nabe, Bremsscheibe und anderen Teilen kann fällig werden, wenn Autofahrer einen Schaden am Radlager zu lange ignorieren. dpa

Ein teurer Austausch von Nabe, Bremsscheibe und anderen Teilen kann fällig werden, wenn Autofahrer einen Schaden am Radlager zu lange ignorieren.

Landsberg/KölnViele Probleme werden umso schlimmer, je länger man sie ignoriert. Das gilt auch bei der Wartung des Autos. Wer Wechselintervalle verpasst oder offensichtliche Mängel ignoriert, für den kann die Reparatur eines Folgeschadens richtig teuer werden. Dabei ließe sich die Kostenexplosion meist verhindern. "Heutige Autos zeigen meist einige Wochen und mehrere tausend Kilometer vorher an, wenn eine Wartung ansteht", sagt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg. "Da kann ich schon einen Termin oder Eintrag im Kalender machen."

Wissenswertes über Motoröl

Wozu benötigt ein Verbrennungsmotor Öl?

Öl ist der Schmierstoff des Motors. Es sorgt für einen leichten Lauf und ein reibungsarmes Zusammenspiel der beweglichen Teile im Motor. Das Motoröl dient auch zur Feinabdichtung zwischen Kolben, Kolbenringen und Zylinderlaufflächen. Und es hat einen kühlenden Effekt: Es senkt die Temperatur von Teilen, an die das Kühlmittel nicht herankommt - zum Beispiel die Kolben. Öl sorgt außerdem dafür, dass Motorteile von Verbrennungsrückständen gereinigt werden.

Wie viel Öl verbraucht ein Auto?

Laut den Erfahrungswerten der Sachverständigenorganisation KÜS beträgt der Ölverlust zwischen 0,5 und 1 Liter auf 1.000 Kilometer. Wie hoch er genau ist, hängt unter anderem von der Dichtigkeit der Kolbenringe, der Zylinderzahl und dem Hubraum ab. Ein Bugatti Veyron mit 16 Brennkammern wird mehr Öl benötigen als ein Dreizylinder im Peugeot 208.

Wie wird der Ölstand überprüft?

Bei modernen Autos wird der Ölstand automatisch überwacht. Dennoch sollte der Stand nach einer Faustformel des AvD bei jeder zweiten Betankung manuell überprüft werden. Dabei wird der Wagen auf einer geraden Fläche abgestellt. Dann den Messstab herausziehen, abwischen, wieder vollständig einschieben und erneut herausziehen. Anhand der Markierungen am Messstab kann der Ölstand abgelesen werden.

Wann ist ein Ölwechsel an der Reihe - und warum?

Die Intervalle für den Ölwechsel gibt der Hersteller vor. Aufgrund voranschreitender Technik bei Motoren und Ölen werden sie immer größer. Dennoch unterliegt Motoröl grundsätzlich dem Verschleiß: Verbrennungsrückstände wie Ruß oder Schwefeloxide und der Motorabrieb können es zum Beispiel verunreinigen. Auch kann es zu einer Verdünnung kommen - zum Beispiel durch unverbranntes Benzin bei häufigen Kaltstarts von Ottomotoren. Im schlimmsten Fall entstehen dadurch Antriebsschäden.

Sollte der Ölfilter beim Ölwechsel gleich mit erneuert werden?

Nahezu synchron zum Öl verschmutzt auch der Ölfilter, da er Verschmutzungen des Schmierstoffs auffängt. Experten empfehlen deshalb, den Filter zeitgleich mit dem Öl auszutauschen.

Welches Öl sollte verwendet werden?

Unterschiedliche Motorkonzepte stellen grundsätzlich individuelle Anforderungen an das Motoröl, so der ADAC. Informationen zur vorgeschriebenen Ölsorte finden sich in der Betriebsanleitung des Fahrzeuges. Alternativ geben Fachwerkstätten Auskunft. Bei der Auswahl des Motoröls sollte man sich auch zur Sicherung der Garantieansprüche immer an die Herstellervorgaben halten und dann erst am Preis orientieren.

Worin liegt der Unterschied zwischen Ein- und Mehrbereichsöl?

Öl ist bei Kälte dick und bei Hitze dünn. Auch bei den veralteten Einbereichsölen für Fahrzeugmotoren ist das so, sie sind also nur für bestimmte Umgebungstemperaturen geeignet. Deshalb stand früher im Herbst und Frühjahr der obligatorische Ölwechsel an. Sogenannte Mehrbereichsöle behalten ihre Schmiereigenschaft in der Regel unabhängig von der Außentemperatur.

Was sind Leichtlauföle und warum lässt sich durch sie Sprit sparen?

Leichtlauföle verringern im Vergleich zu herkömmlichen Mehrbereichsölen durch verbesserte Fließeigenschaften nochmals die Reibung im Motor. Laut ADAC sinkt der Spritverbrauch durch die Verwendung von Leichtlaufölen im Kurzstreckenverkehr um vier bis sechs, bei Überlandfahrten bis zu vier, auf der Autobahn um bis zu zwei Prozent.

Was ist von Ölzusätzen aus dem Zubehörhandel zu halten?

Modernen Motorölen werden schon bei der Herstellung spezielle Additive zugefügt - etwa, um die Viskosität möglichst unabhängig von der Umgebungstemperatur zu machen. Universelle Zusätze, wie es sie im Zubehörhandel gibt, können dieses Gleichgewicht stören und im Extremfall zu Motorschäden führen. Autohersteller lehnen solche Ölzusätze deshalb strikt ab. Kann bei einem Schaden der Zusammenhang mit Zusätzen bewiesen werden, übernehmen Autobauer keine Haftung. Garantien und Gewährleistungen gelten dann nicht mehr.

So sollte etwa der Ölwechsel nicht über die Wechselintervalle hinaus verschleppt werden, warnt Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland. "Sonst bildet sich Schlamm, die Ölleitungen verstopfen und die drehenden Teile verschleißen." Das könne zu einem kapitalen Motorschaden führen. "Wenn ein gewöhnlicher Vier-Zylindermotor kaputt geht, werden oft 6.000 bis 8.000 Euro fällig", rechnet der Kfz-Experte vor. Ein Ölwechsel kostet dagegen um die 150 Euro.

Auch Zündkerzen lassen sich vergleichsweise günstig wechseln, verursachen bei einem Defekt aber großen Schaden: Irgendwann komme es zu Zündaussetzern, erklärt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Diese Aussetzer führten dazu, dass unverbrannte Kraftstoffe in den Katalysator gelangen und diesen schädigen oder zerstören. Die Kosten für die Erneuerung des Katalysators lägen bei 500 bis 1.000 Euro. Ein frühzeitiger Wechsel der Zündkerzen sei dagegen schon ab 100 Euro zu haben, sagt Thiemel.

Maßeinheiten beim Auto

Pferdestärke (PS)

„Pferdestärke“ ist eine alte Bezeichnung, die es nach der heutigen Norm nicht mehr gibt, sagt Hans-Ulrich Sander vom TÜV Rheinland. Anstelle dessen wird seit 1978 für die Leistung eines Motors offiziell die Einheit Kilowatt (kW) verwendet. 1 kW entspricht 1,36 PS. Dass die absoluten PS-Zahlen höher liegen und so nach mehr Leistung klingen, könnte ein Grund dafür sein, dass PS immer noch gebräuchlich ist, mutmaßt Sander. «Historisch gesehen ist 1 PS die Dauerleistung eines Arbeitspferdes», schreibt der VDA. Der Begriff geht auf James Watt zurück, der die Leistung von Pferden in Gruben und Dampfmaschinen verglich.

Newtonmeter (Nm)

Das ist die Einheit für das Drehmoment. Gemeint ist in der Mechanik die Kraft, die senkrecht auf einen Hebelarm wirkt, der sich um eine Achse dreht - beim Auto ist das die Kurbelwelle. Unter anderem sagt das maximale Drehmoment, also die höchste Kraft, die ein Motor an die Kurbelwelle und schließlich über das Getriebe an die Achse abgibt, etwas aus über die Durchzugskraft des Aggregats. Bei einer bestimmten Motordrehzahl, die je nach Aggregat variieren kann, wird es erreicht. Ebenso ist der kW/PS-Wert immer die Maximalleistung eines Motors in Abhängigkeit von der Drehzahl. Leistung und Drehzahl stehen in einem direkten Verhältnis.

Umdrehung pro Minute (U/min)

Die Motordrehzahl, genauer die Drehbewegung der Kurbelwelle, wird in dieser Maßeinheit angegeben. Ottomotoren in Pkw drehen in der Regel maximal bis zu 6000 oder 7000 U/min. Diesel-Pkw kommen für die gleiche Kraftentfaltung mit einer geringeren Drehzahl von maximal rund 4500 Umdrehungen aus. Das liegt daran, dass Selbstzünder ein höheres Verdichtungsverhältnis von gewöhnlicherweise 20:1 benötigen, um den Treibstoff selbst zu entzünden. Eine höhere Verdichtung bedeutet immer auch mehr Druck im Zylinder und damit mehr Kraft, also ein Plus an Drehmoment. So kommt es zur dieseltypischen Durchzugskraft schon bei niedrigen Drehzahlen.

Kubikzentimeter (ccm)

Damit wird die Größe der Brennkammern beziffert, in denen sich die Kolben bewegen. In ccm wird das Volumen angeben, das sie verdrängen. Eine Umrechnung in Liter ist leicht möglich: 1000 ccm entsprechen 1 Liter. In Autodatenblättern ist die Einheit ccm gebräuchlich, wobei das Volumen der einzelnen Zylinder addiert wird. Je größer der Hubraum, desto besser kann sich das Drehmoment in Abhängigkeit von der Motordrehzahl entwickeln. Großvolumige Motoren sind vom Start weg kräftiger. Beim Vergleich eines Diesels und Benziners mit identischem Hubraum entwickelt der Selbstzünder in der Regel das höhere Drehmoment.

Liter (l)

Der Kraftstoffverbrauch wird in Litern pro 100 Kilometer beziffert. Die Verbrauchsangaben der Hersteller sind jedoch zu niedrig angesetzt. Ermittelt werden die Katalogwerte nach einem normierten Fahrzyklus. «Der ist weit entfernt vom realen Fahrverhalten im Straßenverkehr», sagt TÜV-Experte Sander. Autofahrer hätten mit ihrem Gasfuß großen Einfluss auf den Spritdurst: 25 Prozent des Verbrauchs hingen vom individuellen Fahrverhalten ab.

Gramm pro Kilometer (g/km)

Das ist die Einheit für die ausgestoßenen Schadstoffe Kohlendioxid (CO2), Stickoxide (NOx) und der Partikel bei Dieseln. Seit 2004 sind Autohersteller laut VDA dazu verpflichtet, den CO2-Ausstoß auszuweisen, der direkt mit dem Kraftstoffverbrauch korrespondiert.

Kilowattstunde (kWh)

Im Kfz-Bereich ist sie zum Beispiel das Maß für die Kapazität von Akkus in Elektroautos, die üblicherweise einen Energieinhalt von 20 bis 27 kWh haben. Das reicht nach Erkenntnissen des ADAC im Alltagsbetrieb je nach Außentemperatur und Fahrstil für Reichweiten von um die 100 Kilometer.

Kilogramm (kg)

In dieser Maßeinheit für die Masse wird etwa das Leergewicht eines betriebsfertigen Autos gemessen. Darin enthalten sind pauschal 75 Kilogramm für den Fahrer, der zu 90 Prozent gefüllte Tank und zum Beispiel noch andere Betriebsflüssigkeiten. Autokäufer sollten auch auf die maximal erlaubte Zuladung achten, die bei manchen Autos bei voller Besetzung nur noch wenige Dutzend Kilogramm beträgt.

Bar (bar)

Für den Luftdruck in den Reifen wird die allgemeine Druck-Einheit Bar herangezogen. Der relative Druck von 1 bar in einem Reifen entspricht der Kraft von 10 Newton pro Quadratzentimeter Reifeninnenfläche. Ein Autoreifen verliert nach ADAC-Angaben etwa 0,1 bar im Monat. Dieser schleichende Druckverlust sei Ursache für rund 85 Prozent der Reifenplatzer. Reifendruck-Kontrollsysteme, die ab November 2014 Pflicht bei allen Neufahrzeugen sind, sollen das verhindern.

Nächstes Beispiel: "Viele Motoren erleiden einen kapitalen Schaden, wenn der Zahnriemen reißt", so der ADAC-Technikexperte. Und der ZDK ergänzt: "Gerissene Zahnriemen haben häufig zur Folge, dass Ventile und Kolben mechanisch zerstört werden." Dies bedeutet meist den kapitalen Motorschaden, Kostenpunkt: ab 5.000 Euro. Der Wechsel des Zahnriemens schlägt dagegen mit 600 bis 1.000 Euro zu Buche.

Thiemel rät, genau die Tauschintervalle des Herstellers einzuhalten. "Meist sind das zwischen 100.000 und 150.000 Kilometer."

Tipps für ein langes Auto-Leben

Öl regelmäßig wechseln

Autobauer geben vor, wie oft das Öl des eigenen Fahrzeugs gewechselt werden muss. Auch welche Sorte und Viskosität die richtige ist, findet man in den Hersteller-Informationen. An diese Vorgaben sollten sich Fahrzeugbesitzer dringend halten, denn Motoröl schmiert nicht nur - auch Metallpartikel und Verbrennungsrückstände lagern sich mit der Zeit darin ab.

Inspektionen nach Wartungsplan

Bei Inspektionen sollten die Wartungspläne des Herstellers genau eingehalten werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle möglichen Schwachstellen überprüft und gegebenenfalls auch gefunden werden können. Außerdem wichtig: Der Zahnriemen des Autos sollte regelmäßig ausgetauscht werden.

Langsam "Warmfahren"

Auf den ersten Kilometern sollten Autofahrer den Motor mit relativ niedriger Drehzahl warmfahren. Der Grund: Der Motor besteht aus verschiedenen Materialien, die sich nach dem Kaltstart unterschiedlich schnell erwärmen und demzufolge auch ausdehnen. Zu schnelles Aufs-Gas-Drücken könnte also dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt und klemmt. Hinzu kommt, dass auch das Öl nach dem Start noch kalt und zähflüssig ist - es braucht also eine gewisse Zeit, um zu den Schmierstellen gepumpt zu werden.

Motor abkühlen lassen

Turbomotoren können sich sehr stark erhitzen. Damit das Öl nicht an der Achse des Turbinenrades verkohlt und die Ölkanäle verstopft, sind Fahrer gut beraten, wenn sie den Motor ein paar Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.

Kurzstrecken und Kaltstarts vermeiden

Beim Kaltstart eines Verbrennungsmotors wird das Kühlwasser und Öl nicht vorgewärmt. Auch im Schmierölkreislauf kann vorher kein Druck aufgebaut werden. Die hohen Temperaturunterschiede belasten den Motor. Unnötige Kaltstarts und Kurzstrecken sollten aus diesen Gründen vermieden werden.

Drehzahlen im Auge behalten

Wird ein kaltes Triebwerk zu hoch gedreht, führt das zu Verschleißerscheinungen. Wer permanent mit voller Leistung fährt, wird auch trotz behutsamen "Warmfahrens" und regelmäßigem Ölwechsel mit mehr Abnutzungserscheinungen rechnen müssen. Aus diesem Grund sind Drehzahlen im mittleren Bereich zu empfehlen.

Durchlüftung

Auch wenn das Merkmal "Garagenwagen" bei Gebrauchtwagenkäufern gern gesehen ist, trocknen nasse Fahrzeuge aufgrund der mangelnden Belüftung in Garagen meist langsamer - vor allem in den Zwischenräumen. Besser aufgehoben sind Autos in einem Carport.

Reinigung

Die Schmutz- und Rostnester eines Autos liegen meist im Verborgenem. Deswegen sollte bei einer Reinigung wirklich gründlich vorgegangen werden. Dabei sollten vor allem die Tür- und Haubenkanten, die Radläufe und der Unterboden nicht vergessen werden.

Hohlraumkonservierung

Wer seinem Fahrzeug ein langes Leben bescheren möchte, sollte Hohlräume und den Unterboden vor Rost schützen. Am besten geht das mit Wachs oder Fett.

"Reifenschonend" fahren

Wer ständig über Bordsteine und durch Schlaglöcher brettert, setzt nicht nur den Reifen seines Autos ordentlich zu, sondern auch eine Achse wird das auf Dauer kaum unbeschadet aushalten können. Deswegen ist bei solchen Hindernissen Vorsicht gefragt.

Augenmerk gilt auch der Bremsanlage. "In der Regel zeigt das Auto an, wann die Bremsbeläge verschlissen sind", sagt TÜV-Experte Sander. Der Wechsel koste etwa 200 Euro. "Sonst bremst irgendwann Stahl auf Stahl, dann müssen auch die Bremsscheiben gewechselt werden." Das koste dann schon um die 500 Euro. Allein die Kosten für die Erneuerung des Bremssattels taxiert der ZDK auf 200 bis 600 Euro. Hinzu kommt: Verschlissene Bremsen sind eine echte Unfallgefahr.

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