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28.01.2010

14:30 Uhr

Auto-Technik

Sitz-Entwickler schauen bei der Natur ab

Motoren, Getriebe, Assistenzsysteme: Das sind die Bauteile eines Autos, bei denen viele Menschen den größten Fortschritt erwarten. Doch weil ein neues Fahrzeug nur so gut ist, wie alle seine Einzelteile, rücken selbst so vermeintlich banale Komponenten wie die Sitze in den Fokus der Entwickler.

Ergonomische Form auf vier Einzelplätzen: Weiße Sitze in Hyundais Concept Car Blue Will. ap

Ergonomische Form auf vier Einzelplätzen: Weiße Sitze in Hyundais Concept Car Blue Will.

dpa/tmn BURSCHEID/KIRCHHEIM TECK. Mit Airbags, einem Dutzend Elektromotoren für viele Verstellrichtungen und zum Teil sogar eingebauter Klimatisierung oder Massagefunktion sind sie längst zu Hightech-Möbeln geworden. "Und die Kundenwünsche wachsen", sagt Detlef Jürss vom Zulieferer Johnson Controls in Burscheid in Nordrhein-Westfalen. "Dabei geraten wir regelmäßig in unterschiedliche Zielkonflikte." Denn einerseits müssten die Sitze Komfort bieten. Sie sollten aber gleichzeitig wenig Platz wegnehmen und leicht sein, um Gewicht und Verbrauch zu drücken.

Auflösen lässt sich der Konflikt mit neuen Materialien, erläutert Max Riedel, der bei Recaro in Kirchheim/Teck in Baden-Württemberg die Entwicklung leitet. "Leichte Polsterwerkstoffe ersetzen schwere Schäume, tragende Strukturteile werden aus Kunststoff statt Metall gefertigt, und schwere Komponenten werden durch leichtere ersetzt." Für die Sitzheizung zum Beispiel braucht es keine Heizmatte mehr, sondern nur noch eine spezielle Beschichtung auf dem Bezug. Nutzt man solche Lösungsansätze, seien heute schon Gewichtseinsparungen von 20 und mittelfristig bis zu 40 Prozent möglich, sagt der Recaro-Experte.

Sein Kollege Jürss gibt ihm mit Blick auf den "Synergie"-Sitz recht: Der Sessel, der in der Studie re3 gezeigt wurde, wiegt nur noch zwei Drittel dessen, was ein Seriensitz auf die Waage bringt. Bei einem Gewicht, das BMW-Sprecherin Katharina Singer auf bis zu 36 Kilogramm taxiert, wiegt der Einspareffekt buchstäblich schwer.

Ein weiterer Trend ist der geschärfte Sinn für Ergonomie. "Man verbringt immer mehr Zeit im Auto, und die Menschen werden immer älter. Beides spricht dafür, die Sitze orthopädisch und ergonomisch zu verbessern", argumentiert Riedel. Einige Autohersteller wie Opel oder Mercedes bieten deshalb bereits Sitze mit dem Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) an. Und von Recaro kommt für den Opel Insignia OPC sogar der erste Sportsitz mit dem Segen der Orthopäden.

Außerdem wird sich womöglich die Form ändern: So experimentiert etwa BMW laut Katharina Singer mit einer Reihe neuer Sitztypen und hat sich dafür auch in der Natur umgesehen. Ähnlich wie die Flossen mancher Fische auf Druck nicht nachgeben, sondern Gegendruck aufbauen, wollen die Bayern die Lehne mit einer vergleichbaren Technik auch ohne Verstellmechanismus an den Körper anpassen.

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