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04.01.2008

17:29 Uhr

Auto-Test

Heizbarer Tassenhalter

VonOliver Roll

Reine Begeisterung hört sich anders an: Vermögensverwalter Oliver Roll sieht im Chrysler Sebring mehr Anspruch als Wirklichkeit auch wenn er das Design gelungen findet. Für ihn ist klar: Vieles wäre anders gekommen, hätten die Daimler-Manager öfter in solchen Autos gesessen.

Der Chrysler Sebring in der Cabrio-Version. Foto: PR

Der Chrysler Sebring in der Cabrio-Version. Foto: PR

Ein Blick auf den Sebring, und ich erlebe ein Déjà-vu: der typische Wagen, den Autovermieter in Kalifornien an den Flughafen stellen. Er sieht durch das abgeschnittene Heck etwas zu kurz gekommen aus. Und seltsam gesichtslos: Vorne erkenne ich ein bisschen Mercedes. Und hinten ein bisschen Lexus. Die Motorhaube trägt die gleichen Blechfalten wie damals der Crossfire. Nur sieht die Haube am Sebring nicht annähernd so stark aus – eher ein wenig altbacken. Immerhin ist der Chrysler mal was anderes.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe grundsätzlich eine sehr große Neigung zu amerikanischen Autos. Während meines Studiums in den USA bin ich sicher insgesamt über 50 000 Kilometer mit amerikanischen Mietwagen gefahren: vor allem Ford, Pontiac und Chrysler. Besonders in der Zeit in Seattle habe ich jeden freien Tag genutzt, um im Land herumzufahren. Und noch in den 90er-Jahren, bevor amerikanische Autos europäisiert wurden, waren US-Limousinen innen gerne mal knallrot oder mit Plüsch und Leder verziert.

Die Amerikaner haben ein ganz anderes Verhältnis zu ihren Autos als wir. Bei amerikanischen Autos gab es diesen Wohnzimmereffekt. In Deutschland guckte da noch bei fast allen Modellen das blanke Blech durch. In den USA waren Autos innen schon komplett mit Teppich, Leder oder Stoff verkleidet. Nur: Seit die Amerikaner ihren Barock-Stil aufgegeben haben, kommen manche technischen Schwächen möglicherweise umso deutlicher zum Vorschein.“

Oliver Roll ist promovierter Naturwissenschaftler und schaut entsprechend genau hin. Vielleicht vergleicht er den Sebring auch einfach nur mit seinen eigenen Autos – und das waren stets deutsche, seit dem alten Volkswagen Käfer, den sein Opa dem jungen Studenten vererbte. Rolls erster Mercedes war der legendäre Benz „Strich-Acht“, heute fährt er eine E-Klasse.

Seit März 2007 leitet Roll das Institutional Business beim Vermögensverwalter Threadneedle in Frankfurt. Er studierte in Mainz und im amerikanischen Seattle. 1997 stieg er als Vorstandsassistent bei der R+V Versicherung ein. Nach Stationen bei der Unternehmensberatung Heissmann in Wiesbaden und beim Vermögensberater und Consultant Feri Institutional Advisors wechselte Roll zu Threadneedle.

„Vielleicht wäre vieles anders gekommen, wenn die Verantwortlichen von Daimler vor der Fusion mal in einem Chrysler gesessen hätten? Für uns bei Threadneedle ist es jedenfalls absolut zentral, sich die Produkte derjenigen Unternehmen anzuschauen, in die wir investieren wollen. Wahrscheinlich haben das aber auch die Daimler-Manager getan. Das Problem in diesem Fall war ein anderes: Daimler hat Chrysler nämlich rechts überholt. Anfangs haben sich die Produktpaletten beider Partner recht gut ergänzt. Da gab es bei Mercedes keine Crossover-Fahrzeuge und Freizeitautos wie den PT Cruiser. Aber inzwischen kriegen Sie in Stuttgart die gleichen Fahrzeugklassen wie früher nur in Auburn Hills. Der Sebring konkurriert in dieser Betrachtung mit der C-Klasse – und sieht dagegen eher alt aus.

Wenn ich den Wagen durch die Straßen lenke, fällt mir vor allem das Motorgeräusch auf. Das ist nicht wirklich gesellschaftsfähig, viel zu sehr ein Jaulen und Heulen. Im Stadtverkehr ist der Sebring definitiv zu laut, auf der Autobahn hingegen wird er komischerweise nicht sehr viel lauter. Die Lautstärke scheint ausschließlich von der Drehzahl abzuhängen. Bei hohen Touren klingt es innen, als stünde man neben dem Auto.

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