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11.08.2016

16:00 Uhr

Autodiebstahl

Welches Risiko Funkschlüssel darstellen

Der Autodieb von heute hat schon lange keinen Dietrich mehr, er nutzt Laptop und Smartphone. Wer als Besitzer auf Nummer sicher gehen will, muss auf gewohnten Komfort verzichten und auf „low tech“ vertrauen.

Hoher Preis für Komfort: Funksignale moderner Autoschlüssel können von Kriminellen leicht aufgefangen werden. Elektronische Wegfahrsperren und meist auch Alarmanlagen lassen sich auf diese Weise überwinden. ADAC

Machen die Autohersteller es den Dieben zu leicht?

Hoher Preis für Komfort: Funksignale moderner Autoschlüssel können von Kriminellen leicht aufgefangen werden. Elektronische Wegfahrsperren und meist auch Alarmanlagen lassen sich auf diese Weise überwinden.

DüsseldorfWenn der moderne Autodieb ein Fahrzeug ganz oder in Teilen stehlen will, braucht er heutzutage nur zu warten, bis der Besitzer sein Fahrzeug aufschließt: Wie die „Süddeutsche Zeitung“ online berichtet, ist es Forschern aus Großbritannien und Deutschland gelungen, in den Funkschlüsseln verschiedener Autohersteller eine Sicherheitslücke auszunutzen – und 15 verschiedene Modelle aus der Ferne unbefugt zu öffnen.

Diese Forschergruppe will ihre Ergebnisse im Laufe der Woche, wie „Wired“ und „Golem.de“ berichten, auf der Usenix-Konferenz im texanischen Austin noch im Detail vorstellen. Schon jetzt gehe man aber davon aus, dass Millionen vor allem älterer Fahrzeuge des VW-Konzerns von der gleichen Schwachstelle betroffen seien, hieß es in den Berichten übereinstimmend.

Nach Angaben der Forscher sind folgende Modelle betroffen: Audi: A1, Q3, R8, S3, TT, VW: Amarok, New Beetle, Bora, Caddy, Crafter, e-Up, Eos, Fox, Golf 4, Golf 5, Golf 6, Golf Plus, Jetta, Lupo, Passat, Polo, T4, T5, Scirocco, Sharan, Tiguan, Touran, Up, Seat: Alhambra, Altea, Arosa, Cordoba, Ibiza, Leon, MII, Toledo und von Skoda: City Go, Roomster, Fabia 1, Fabia 2, Octavia, SuperB, Yeti. Betroffen sind außerdem die Autobauer Alfa Romeo, Citroën, Dacia, Fiat, Ford, Lancia, Mitsubishi, Nissan, Opel, Peugeot und Renault.

Volkswagen erklärte am Donnerstag, die Arbeit der Wissenschaftler zeige, dass die Sicherheitssysteme der bis zu 15 Jahre alten Fahrzeuge nicht das gleiche Sicherheitsniveau aufweisen wie neue Autos. Die „aktuelle Fahrzeuggeneration“ sei von den Problemen nicht betroffen. Man sei mit den Wissenschaftlern im „konstruktiven Austausch“ hieß es aus Wolfeburg, und: „Ein Fahrzeugdiebstahl ist auf diesem Wege nicht möglich.“

Man könne das Auto zwar aufschließen aber nicht damit wegfahren. „Die Hürde für den Diebstahlschutz wird ständig weiter nach oben gelegt, trotzdem kann es letztlich keine hundertprozentige Sicherheit geben“, hieß es in einem Statement.

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Opel erklärte, die die technischen Details überprüft zu haben. Aufgrund der „technischen Komplexität der Demonstration und der sehr begrenzten Gegebenheiten, unter denen diese erfolgreich durchgeführt werden kann“ sieht der Konzern aber „kein signifikantes Risiko“ für seine Kunden, hieß es am Donnerstag.

Viele Hersteller setzen auf ganz ähnliche Technik, um dem Autobesitzer den Ein- und Ausstieg bequem zumachen: Um das Auto per Funk zu öffnen, sendet der Autoschlüssel entweder manuell auf Knopfdruck oder bei Annäherung an das Fahrzeug (Keyless Go) ein Signal an den Wagen.

Die Bordelektronik führt den Befehl - etwa „Kofferraum öffnen“ - aus, nachdem sie das Signal entschlüsselt hat und schaltet auch die Alarmanlage aus. Den Forscher ist es nun gelungen, das Funksignal nicht nur aufzufangen, sondern die Verschlüsselung des Chips im Schlüssel zu knacken und zu reproduzieren.

Im Prinzip gehen die Hacker im Dienst der Sicherheit damit zunächst so vor, wie es auch die unten abgebildete Grafik des ADAC zeigt. Der Autoclub hatte Anfang Juni ebenfalls die Sicherheit von Komfort-Schließsystemen von 38 Pkw-Modellen getestet. Mit erschreckendem Ergebnis: Fast alle Fahrzeuge ließen sich mit einer selbstgebauten Funkverlängerung in Sekundenschnelle öffnen und auch starten.

Die für eine Funkverlängerung erforderlichen Geräte lassen sich laut Experten mit geringem Aufwand aus handelsüblichen Elektronikbauteilen herstellen. Das einmal (etwa beim Abschließen des Wagens) aufgefangene Signal zwischen Schlüssel und Auto wird dazu vom Dieb wieder an den Funkschlüssel gesandt, und dessen Reichweite kann sogar über mehrere hundert Meter verlängert werden.

Es ist dem Kriminellen bei dieser Methode ganz egal, ob sich der Originalschlüssel im Haus oder der Jackentasche des Besitzers befindet. Elektronische Wegfahrsperren und meist auch Alarmanlagen lassen sich ebenfalls auf diese Weise überwinden. Bei den Tests hinterließ dies keine Einbruchs- oder Diebstahlsspuren.

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