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07.01.2011

13:14 Uhr

Autonomes Fahren

Wenn Hightech den Fahrer ersetzt

Einsteigen, zurücklehnen, entspannen - so bequem könnte Autofahren in Zukunft sein. An mehreren Standorten in Deutschland experimentieren Forscher mit Fahrzeugen, die ohne Fahrer auskommen.

Autos mit Eigenleben dpa

Test im fließenden Verkehr: Das Projektauto „Leonie“ der TU Braunschweig findet sich allein im Stadtverkehr zurecht. Nur für den Notfall ist ein Mensch an Bord, der eingreifen kann. (Bild: TU Braunschweig/dpa/tmn)

dpa/tmn BERLIN/BRAUNSCHWEIG. Tinosch Ganjineh erzählt von einem Land voller Taxen. Der Forscher der Freien Universität (FU) Berlin hält ein Zukunftsszenario für denkbar, in dem der Individualverkehr in Deutschland der Vergangenheit angehört: Privatwagen würde es keine mehr geben, stattdessen nur noch eine öffentliche Fahrzeugflotte, die jederzeit für jeden verfügbar ist. Und mehr noch: Ganjinehs Taxen von morgen kommen ohne Fahrer aus. Sie beschleunigen, bremsen und lenken wie von Geisterhand.

Was nach Science-Fiction klingt, ist gar nicht allzu weit hergeholt: Hinter dem gut gesicherten Stahltor eines FU-Labors steht ein Auto, das laut Ganjineh in 30 Jahren das Zeug zu einem fahrerlosen Taxi der Zukunft haben könnte. "Made in Germany" heißt der Wagen, den er und weitere Wissenschaftler aus dem Team des Berliner Informatikprofessors Raúl Rojas zur Erforschung autonomer Mobilität entwickelt haben. Schon jetzt ist dieses Auto nur noch auf einen Sicherheitsfahrer an Bord angewiesen, der das Steuer übernimmt, falls es zu technischen Problemen kommt.

Auf den ersten Blick handelt es sich um einen handelsüblichen VW Passat. Allein der Laserscanner vom Format eines Eimers auf dem Dach irritiert. "Mit zehn Umdrehungen pro Sekunde tastet er die Umgebung ab und erzeugt ein dreidimensionales Bild", erklärt der Forscher. Damit "sieht" das Fahrzeug beinahe gleichzeitig in alle Richtungen. Beim Gang ums Auto wird schnell klar, dass noch viel mehr Technik in dem Passat steckt, mit der sich der Wagen allein zurechtfinden kann.

Unauffällig in die Karosserie integrierte Laser- und Radarscanner dienen unter anderem dazu, Hindernisse zu erkennen. "Sie registrieren auch andere Fahrzeuge oder Fußgänger und deren Bewegungen", erläutert Ganjineh. Hinzu kommen Kameras zur Spur-, Schilder- und Ampelerkennung sowie eine GPS-Antenne. Der Satellitenempfänger verrät dem Auto zentimetergenau, wo es sich gerade befindet - und würde im autonomen Taxi noch eine weitere entscheidende Funktion erfüllen.

Blitzschnell könnten die fahrerlosen Taxen einen Passagier per GPS orten, sobald dieser mit seinem Tablet-PC einen Wagen anfordert, sagt Ganjineh. Ein verfügbares Auto in der Nähe würde sich sofort auf den Weg machen. Der Fahrgast müsste nach dem Einsteigen nur noch sein Ziel nennen - schon ginge die Reise los. Abgerechnet würde anschließend automatisch. Auch ein Flatrate-Modell für Vielfahrer wäre laut dem Forscher denkbar.

Gäbe es nur noch fahrerlose Taxen, ginge es deutlich entspannter auf den Straßen zu, glaubt Ganjineh: "Bis zu 80 Prozent aller aktuell zugelassenen Fahrzeuge ließen sich einsparen", sagt er. Denn der überwiegende Teil der Kfz stehe die meiste Zeit des Tages ungenutzt am Straßenrand oder in der Garage.

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