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31.01.2011

09:59 Uhr

Autotechnik

Das Comeback des Zweitakt-Motors

VonMartin Seiwert
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Peter Hofbauer, der frühere Chef der VW-Motorentwicklung, will einen neuen Diesel-Zweitakter auf den Markt bringen. Das Sparpotenzial des Ecomotors mit gegenüberliegenden Kolben ist enorm. Erste Autobauer springen bereits darauf an – allerdings keine deutschen.

Opoc-Diesel: Zweitakter von Ecomotors bei einem Probelauf.

Opoc-Diesel: Zweitakter von Ecomotors bei einem Probelauf.

Wie ein Patient auf der Intensivstation liegt er da, der EM 100 D. Angeschlossen an ein Gestrüpp gelber, roter und blauer Kabel, umzingelt von Messtechnik und Computermonitoren, so brummt der 300 PS starke Dieselmotor EM 100 D auf einem Prüfstand des Start-Ups Ecomotors im nordamerikanischen Livonia vor sich hin. Alles hier, am Rande der US-Autohochburg Detroit, erinnert an einen gewöhnlichen Lkw-Motor, es riecht nach Treibstoff und Ruß.

Und dennoch könnte der EM 100 D ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Automobils aufschlagen - ausgerechnet im Jubiläumsjahr, in dem die Weichen für die Zukunft der Branche neu gestellt werden: hier in Richtung einer völlig anderen Antriebstechnik, den Elektromotor, dort die Versuche, das Überleben des Verbrennungsmotors maximal zu verlängern.

Wie klatschende Hände

Genau darauf zielt Peter Hofbauer in Detroit mit seinem neuen Motor, der mit Diesel, Benzin und Gas betrieben werden kann. Der Österreicher war zehn Jahre lang Chef der VW-Motorenentwicklung. Eigentlich wollte sich der heute 69-Jährige 1997 im kalifornischen Santa Barbara zur Ruhe setzen. Doch die Idee eines neuartigen Motors, auf die er in seiner Zeit bei VW kam, ließ ihn nicht los. Er tüftelte, gründete mehrere Unternehmen, darunter Ecomotors im Jahr 2008, wo er heute Technikvorstand und Aufsichtsratschef ist.

Nun steht er vor dem Durchbruch mit seinem außergewöhnlich wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Verbrennungsmotor. Namhafte Hersteller wollen ihn demnächst in ihre Fahrzeuge einbauen. Der Clou an Hofbauers Erfindung ist schnell erzählt. Der EM 100 D ist kein üblicher Vier-, sondern ein Zweitaktmotor. Hofbauer hat die Zylinder nicht nebeneinander angeordnet. Bei ihm liegen sie einander gegenüber. Jeweils zwei Kolben bewegen sich darin wie klatschende Hände aufeinander zu und voneinander weg. Opoc hat Hofbauer das Prinzip deshalb genannt, für Opposed Piston, Opposed Cylinder - zu Deutsch: gegenüberliegende Kolben, gegenüberliegende Zylinder.

Die Vorteile der Konstruktion: Der Motor wird dadurch um die Hälfte leichter und kleiner sowie um 15 bis 54 Prozent sparsamer als ein traditioneller Viertakter. Die Schadstoffmengen im Abgas und der Ölverbrauch, bislang Schwachpunkte des Zweitakters, sind nicht höher als beim Viertakter. Hinzu kommt: Das neuartige Aggregat ist rund ein Fünftel günstiger als herkömmliche Motoren.

Damit spielt Hofbauer Elektroauto-Skeptikern in die Hände. Denn mit diesen Eigenschaften ist der Opoc ein sparsamer Verbrennungsmotor für Autos und Nutzfahrzeuge, der das Klima ähnlich schont wie ein Hybrid- oder Elektroauto, den Herstellern aber keine horrenden Zusatzkosten aufbürdet. "Warum soll ein Autokonzern Milliarden für Elektroautos ausgeben", wirbt Hofbauer für seine Idee, "wenn er den gleichen Nutzen für die Umwelt mit dem Opoc-Motor haben kann?"

Kommentare (9)

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Hanno

31.01.2011, 11:28 Uhr

Die Frage ist leicht zu beantworten.
Weil es demnächst kein Oel mehr gibt-

Frank Westphal

31.01.2011, 15:15 Uhr

Grundsätzlich sind alle Anstrengungen zu begrüßen, die einen effizienteren Umgang mit den vorhandenen fossilen und zukünftigen regenerativen brennstoffen ermöglichen. Der Verbrennungsmotor wird uns noch sehr lange begleiten und sei es zum Schluß nur noch in der Energieerzeugung oder bei Ozeanschiffen. Doch zum Opoc-Motor. Opposed Piston - ein schöner neuer begriff für ein uraltes Prinzip. Ein blick auf die internetseite von Ecomotors offenbart, dass hier ein Doppelgegenkolbenmotor entstanden ist, der technisch gesehen zur Klasse der boxermotoren gehört. Und so etwas gab und gibt es auch als 2-Takt-Dieselmotor (siehe unter boxermotor.com oder z.b. Golle Motor GmbH). Viel problematischer sehe ich die bauform und habe damit auch Verständnis für die Autobauer. Was nützt gesparte baulänge, wenn die breite extrem zunimmt. Ein solcher Motor passt in keinen gegenwärtig am Mark befindlichen PKW. Um diesen Motor muss ein Fahrzeug herumentwickelt werden. Für jeden deutsche Hersteller ist der Motor Kernkompetenz. Da macht man sich nicht abhängig. Weiterhin fraglich ist das Schwingungsverhalten dieses Motors. bei einem klassischen boxer heben sich die verschiedenen Massemomente fast vollständig auf. Die inneren Kolben laufen aber nicht wie bei einem boxer, wodurch erhebliche Momente erster und zweiter Ordnung auftreten dürfte. Der wechselseitige Gegenlauf von je einem inneren und einem äußeren Kolben, dürfte sogar zu erheblichen Kippmomenten um die Kurbelwelle führen. Und die extrem langen Pleuel der Außenkolben werfen Fragen hinsichtlich Drehzahlfestigkeit und bewegter Massen auf.
Dass die Chinesen sich für Neues interessieren ist normal, da sie die Europäer bei klassischen Verbrennungsmotoren kaum einholen können. Aber deshalb wird dort auch der E-Antrieb forciert. So ist im Prinzip nicht klar, wofür der Opoc-Motor gut sein soll. Mal sehen ob wir jemals von einem Serienmotor lesen werden.

apophis

31.01.2011, 16:46 Uhr

Wenn unsere Regierung Elektroautos will, dann dürfen auch nur Elektroautos gebaut werden. Wer leben doch nicht in einem Land, wo der Unternehmer die Entscheidungen fällt, sondern die obersten Politiker.

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