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18.01.2012

10:15 Uhr

Biosprit-Absatz steigt ganz leicht

Mineralölbranche übt sich in E10-Optimismus

Quelle:dpa

Deutsche Autofahrer greifen mittlerweile etwas häufiger zum umstrittenen Biosprit E10. Der Mineralöl-Verband betont wieder einmal, die Sorge um die Motorverträglichkeit sei unberechtigt.

Schwindet langsam die Angst vor E10? dpa

Schwindet langsam die Angst vor E10?

BerlinDer E10-Anteil am Gesamtbenzinabsatz stieg von 10,8 Prozent im Oktober und 11,1 Prozent November auf 11,6 Prozent im Dezember, teilte der Mineralölwirtschaftsverband in Berlin mit. «Wir gehen davon aus, das der E10 Anteil steigen wird», sagte Geschäftsführer Klaus Picard. «Die Sorge um die Motorverträglichkeit war unnötig, denn nach einem Jahr und über 3 Millionen E10-Fahrern ist kein einziges Problem bekannt geworden», betonte Picard. E10 sei mittlerweile bundesweit verfügbar.

Für die Biosprit-Branche schlug sich die E10-Einführung nur in gering steigenden Produktionszahlen nieder. Die Bioethanol-Produktion für die Beimischung stieg von 1,023 Millionen Tonnen 2010 auf 1,037 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Nachdem sich E10 wegen Sorge um den Motor nur sehr schleppend verkaufen ließ, war die Produktion von Benzin mit einem Anteil von fünf Prozent Ethanol wieder ausgeweitet worden. Die Mineralölindustrie hatte die weitere E10-Einführung in Deutschland zunächst gestoppt. Die Bundesregierung hofft, dass der Biosprit langsam angenommen wird. Aber bisher konnte er sich nicht wie erhofft zur neuen Hauptsorte beim Super-Benzin entwickeln.

Wer für E10-Schäden haftet

Wenn das Fahrzeug für E10 freigegeben ist

Die deutschen Automobilhersteller im VDA haben eine Erklärung abgegeben, dass sich die Autofahrer auf deren Aussagen zu E10 verlassen können. Die Angaben in der Verträglichkeitsliste sind also verbindlich. Das bedeutet, dass Hersteller in solchen Fällen für E10-Schäden aufkommen würden. Doch das gab es bisher noch nie. Zumindest bei Herstellern, die nicht im VDA organisiert sind, stellt sich die Frage, wie verbindlich die Freigabe ist und ob sie als eigenständige Garantiezusage gewertet werden kann, erläutert der ADAC-Rechtsexperte Klaus Heimgärtner. „Das ist eine Auslegungsfrage, die gegebenenfalls gerichtlich geklärt werden muss.“

Wenn der Gebrauchtwagen einen E10-Schaden hat

Beim Verbrauchsgüterkauf – also dem Verkauf von Unternehmern an Privatleute – spielt die Zeit eine Rolle: Bis zu sechs Monaten nach dem Kauf wird aufgrund einer gesetzlichen Beweislast-Umkehr vermutet, dass ein Mangel von Anfang an bestanden und der Verkäufer dafür einzutreten hat. Nach Ablauf der Frist muss der Käufer nachweisen, dass der Schaden bereits bei der Übergabe des Kraftfahrzeugs vorlag beziehungsweise angelegt war. Deswegen empfiehlt Klaus Heimgärtner den Käufern von Autos, die nicht E10-tauglich sind, übers Tanken lückenlos Buch zu führen und die dazugehörigen Belege aufzuheben. Nur so können die neuen Besitzer bei eventuellen Schäden durch E10 nachweisen, dass sie sie nicht selbst durch falsches Betanken verursacht haben.

Wenn das Auto falsch betankt wird

Wer ein Auto, das nicht für E10 freigegeben ist, trotzdem mit dem neuen Biosprit betankt, muss selber für den Schaden aufkommen. Die Rechtslage ist dann eindeutig, sagt Klaus Heimgärtner: „Es gibt dann keinerlei Ansprüche an Hersteller oder Mineralölfirmen.“

E10 soll helfen, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu verringern und unabhängiger vom knapper werdenden Erdöl zu werden. Dem Kraftstoff sind zehn Prozent Bioethanol beigemischt, das aus Weizen, Rüben oder Mais gewonnen wird. Die Einführung geht auf eine EU-Richtlinie zurück, jedem EU-Mitglied steht es aber frei, wie es die Biokraftstoffziele erreicht. Im Jahr 2020 sollen zehn Prozent des Energieverbrauchs im Verkehr mit Pflanzen-Sprit abgedeckt werden.

Frank Brühning von Verband der Biokraftstoffindustrie betonte mit Blick auf Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Biosprit-Strategie, dass es strenge Nachhaltigkeitskriterien gebe. So dürften für den Anbau weder Regenwälder noch Torfmoore oder sonstige schützenswerte Flächen verwendet werden. «Zudem müssen Biokraftstoffe mindestens 35 Prozent weniger Treibhausgase emittieren als fossile Kraftstoffe - gemessen wird der gesamte Produktionsprozess, vom Anbau der Rohstoffe auf dem Acker, Düngung über Transporte und Produktion des Kraftstoffs.»

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