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07.05.2017

08:40 Uhr

BMW 1er als Gebrauchter

Im Alter zeigt er Verschleiß

Quelle:dpa

Während jüngere Exemplare des Einstiegs-BMW bei der Hauptuntersuchung gut durchkommen sind Mängel bei den älteren 1er-Exemplaren quasi an der Tagesordnung. Worauf Gebrauchtkäufer achten sollten.

Der 1er ist der billigste BMW, fährt mit Heck- oder Allradantrieb und bietet eine breite Motorpalette bis hin zum Sechszylinder dpa

Sportlicher Einstieg

Der 1er ist der billigste BMW, fährt mit Heck- oder Allradantrieb und bietet eine breite Motorpalette bis hin zum Sechszylinder

Das Einstiegsmodell ist ein Exot: Der günstigste BMW ist der 1er. Er unterscheidet sich von vielen seiner Konkurrenten in der Kompaktklasse. Denn als einziges Fahrzeug dort fährt er mit Heckantrieb. Es sei denn, man ordert ihn als xDrive-Allradler. Er hat längs eingebaute Motoren, darunter sogar einen Sechszylinder. Grundsätzlich fahren viele Halter ihren BMW etwas sportlicher - mit Auswirkungen auf das Abschneiden bei der Kfz-Hauptuntersuchung (HU).

Den ersten HU-Termin drei Jahre nach Erstzulassung meistern die meisten 1er noch meist ohne Mängel. „Doch im Alter offenbart er Schwächen”, schreibt der „TÜV Report 2017”. Bei neun- und elfjährigen 1ern sind Spurstangenköpfe doppelt so häufig ausgeschlagen wie beim Durchschnitt aller getesteten Fahrzeuge. Auch Federn und Stoßdämpfer machen bei älteren Exemplaren Probleme wie die Bremsschläuche ab dem Alter von sieben Jahren. Jüngere Modelle sind oft vorbildlich.

Das was die Prüfer stört, führt offenbar eher selten zu Pannen. Denn in dieser Hinsicht rangiert der kleine BMW nach Angaben des ADAC ab dem Zulassungsjahr 2008 im Spitzenfeld der einschlägigen Statistik, die der Club jährlich herausgibt. Bemerkenswert: Das Spektrum der Pannen ist breit, während die Fallzahlen aber sehr gering sind.

So rückten die Pannenhelfer bei Benzinern der Baujahre bis 2011 wegen defekter Zündspulen und verstellter Steuerketten aus. Bis zum Jahr 2010 waren defekte Kraftstoffpumpen oder elektrische Fehler im Motormanagement der Grund. Auch kaputte Kühlwasserpumpen oder defekte Sensoren des Nockenwellenverstellers (beide bis 2009) machten externe Hilfe notwendig. Hoch ist mit elf auch die Zahl der Rückrufe.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Den Startschuss für den 1er gab BMW im Jahr 2004. Zunächst war das Einstiegsmodell als Fünftürer zu haben, später auch als Dreitürer, Coupé und Cabrio. Die zweite Generation des 1er kam 2011 auf den Markt, wieder mit Hinterradantrieb. 2012 folgte der Dreitürer und der Allradantrieb als Option.

Coupé und Cabrio der Neuauflage werden seit 2014 als Autos der neu eingeführten 2er-Reihe geführt, ebenso die bei BMW neuen Vans Active Tourer und Gran Tourer. Im Zuge einer Modellpflege bot BMW im 1er ab 2015 erstmals auch Dreizylindermotoren an. Ansonsten gab es ein retuschiertes Design, mehr Ausstattung und ein erweitertes Infotainment-Angebot.

Wie bei BMW üblich, sind schon die schwächsten Aggregate nicht wirklich schwach. Je nach Baujahr, Ausführung und Generation geben die Benziner zwischen 75 kW/102 PS und 250 kW/340 PS ab. Die Diesel rangieren zwischen 70 kW/95 PS und 165 kW/224 PS.

Wer gebraucht einen möglichst effizienten 1er sucht, kann sich an den 85 kW/116 PS starken BMW 116d EfficientDynamics Edition mit Dreizylinder halten, der in der Schwacke-Liste als Fünftürer von 2012 mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 13.150 Euro notiert ist - bei 85.000 Kilometern Laufleistung.

Einen motortechnischen Gegenentwurf erhält man mit dem 250 kW/340 PS starken 1er M Coupé, das vom Baujahr 2011 noch für um die 42.100 Euro gehandelt wird (70.000 Kilometer). Mit 6700 Euro nur ein Bruchteil wird für den 116i mit 90 kW/122 PS als Dreitürer von 2007 fällig (118.000 Kilometer).

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