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09.08.2012

09:34 Uhr

BMW 320d im Handelsblatt Autotest

Der Extrakick für die Dienstfahrt

VonFlorian Kolf

Wie macht man eine der beliebtesten deutschen Sport-Limousinen noch besser? Indem man sie mit technischen Features aufrüstet, die bis vor kurzem noch der Oberklasse vorbehalten waren. Doch die Spielerei hat ihren Preis.

Markantes Detail: Die nach innen bis zum Kühlergrill gezogenen Scheinwerfer dürften manchen Bummler auf der Autobahn beim Blick in den Rückspiegel erschrecken. Sebastian Schaal

Markantes Detail: Die nach innen bis zum Kühlergrill gezogenen Scheinwerfer dürften manchen Bummler auf der Autobahn beim Blick in den Rückspiegel erschrecken.

DüsseldorfEndlich Feierabend, der Arbeitstag war wieder lang. Doch zum Glück sind abends immerhin die Autobahnen wieder frei. Der Traum jedes Pendlers: Gas geben statt Stop-and-Go. Der neue BMW 320d ist dafür das ideale Fahrzeug. Eine ungemein sportliche Limousine, die aus dem 184-PS-Motor eine beachtliche Beschleunigung herausholt, dabei aber eine entspannende Laufruhe hat. Doch was ist das? Fein säuberlich in die Windschutzscheibe projiziert grinst mich das Tempo-80-Schild an. Und daneben, in weißen digitalen Ziffern meine aktuelle Geschwindigkeit. Das Head-Up-Display wird zum Spielverderber.

Na, gut. Dann eben auf die rechte Spur ziehen und einbremsen. Schon vibriert warnend das Lenkrad. Was habe ich jetzt falsch gemacht? Ach ja, blinken vor dem Spurwechsel. Der Spurhalte-Assistent war der Meinung ich sei eingeschlafen. Vor dem nächsten Überholmanöver wird vorbildlich der Blinker gesetzt. Diesmal vibriert das Lenkrad schon, bevor ich überhaupt die Spurmarkierung berühre. Was war diesmal? Der Spurwechselwarner hat ein Auto in meinem (relativ großzügig bemessenen) toten Winkel ausgemacht.

Die neue Generation des 3er BMW ist eine technologische Wundertüte. Hoch entwickelte Features, von der automatischen Einparkhilfe bis zur Abstandsregelung, die noch vor kurzem nur der Oberklasse vorbehalten waren, sind nun reihenweise auch in der Mittelklasse verfügbar – wenn auch nur gegen zum Teil sehr happigen Aufpreis.

Beispiel Verkehrszeichenerkennung: Mit geradezu beängstigender Präzision erspäht die Frontkamera jedes Schild, das der sportlich ambitionierte Fahrer am liebsten übersehen hätte, und blendete es über das Head-Up-Display in das Sichtfeld des Fahrers – von der Geschwindigkeitsbegrenzung bis zum Überholverbot.

Head-up-Display: Die wichtigsten Infos projiziert der BMW für den Fahrer auf die Frontscheibe. Man muss den Blick nicht von der Fahrbahn nehmen. Sebastian Schaal

Head-up-Display: Die wichtigsten Infos projiziert der BMW für den Fahrer auf die Frontscheibe. Man muss den Blick nicht von der Fahrbahn nehmen.

Selbst das Zusatzschild „Nur bei Nässe“ macht keine Probleme. Dann wird kurz beim Regensensor rückgefragt und das Schild nur im Bedarfsfall eingeblendet. All das ist technisch so gelöst, dass es perfekt zu lesen ist, aber niemals die Sicht stört. Der Nachteil dieser Fürsorglichkeit: Das schlechte Gewissen fährt immer mit.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die neue Generation des 3er nicht radikal vom Vorgänger. Wirklich auffällig sind nur die Scheinwerfer, die schmal nach innen zum Kühlergrill zulaufen und dem Auto ein etwas aggressiveres Gesicht geben.

Wenn man nicht gerade Michael Schumacher oder Sebastian Vettel ist, schaltet die Automatik im Sportbetrieb sehr viel präziser und letztlich auch sportlicher als man es selbst könnte. Sebastian Schaal

Wenn man nicht gerade Michael Schumacher oder Sebastian Vettel ist, schaltet die Automatik im Sportbetrieb sehr viel präziser und letztlich auch sportlicher als man es selbst könnte.

Bei genauer Betrachtung hat der Wagen viel von der Optik des 5er übernommen, besonders die Front sieht verdächtig ähnlich aus. Ob sich BMW damit auf lange Sicht wirklich einen Gefallen tut, ist zumindest fraglich. Aber verdammt sportlich wirkt der Wagen damit auf jeden Fall.

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