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19.10.2017

08:06 Uhr

BMW 520d Touring im Handelsblatt-Test

Sauberer Lastenträger mit feinen Manieren

VonFrank G. Heide

Schnell und entspannt zu reisen, das klappt im Kombi der BMW-5er-Reihe fast perfekt. Mit dem Zwei-Liter-Einstiegsdiesel geht im Alltag alles, außer Sport. Aber die Business Class hat ihren Preis. Und kleine Problemzonen.

BMWs neuer 5er-Touring, der seit Juni im Handel ist, tritt gegen harte Premium-Konkurrenz in der oberen Mittelklasse an. Schon mit dem Einstiegsdiesel macht der Lastenträger, der sich wie eine Limousine fährt, aber eine gute Figur. Vor allem in der exklusiven Luxury Line-Ausstattung. Frank G. Heide

Luxus, den man kaum erkennt

BMWs neuer 5er-Touring, der seit Juni im Handel ist, tritt gegen harte Premium-Konkurrenz in der oberen Mittelklasse an. Schon mit dem Einstiegsdiesel macht der Lastenträger, der sich wie eine Limousine fährt, aber eine gute Figur. Vor allem in der exklusiven Luxury Line-Ausstattung.

DüsseldorfKeine Frage, wer gegen das frische T-Modell der Mercedes E-Klasse, den schicken Volvo V90 oder den ausgereiften Audi A6 Avant einen Stich machen will, der muss schon was Besonderes vorfahren. Gelingt BMW das mit dem neuen 5er-Touring, der seit Juni im Handel ist? Nähern wir uns der Fragestellung von außen: Vier Jahre ist es her, dass ich zuletzt einen BMW 520d Touring gefahren bin. Und jetzt steht der neue vor mir, und ich kann auf Anhieb gar nicht sagen, was an dem Fahrzeug tatsächlich neu ist. Die Form ist halt so vertraut. Das LED-Tagfahrlicht ist bestimmt anders geformt, die markentypische Niere sieht irgendwie größer und flacher aus, aber sonst? Alles wie immer, ein schöner flach-langer Kombi halt, der wertig wirkt, aber nicht protzig.

Was natürlich nicht bedeutet, dass BMWs Designer geschlafen haben, sie haben eben nur gerade so viel verändert, dass sich der empfindsame Premium-Kombi-Kunde nicht erschreckt. Für einen Basispreis von 50.000 Euro, der leicht auf mehr als 60.000 Euro steigerbar ist, lautet die Devise: keine Experimente, bitte. Lieber mehr Extras anbieten. Das ist bei den Business-tauglichen und Firmenflotten dominierenden Lademeistern von Audi und Mercedes genauso.

Und doch gibt es reichlich Neuheiten – eine drückt mir der Überbringer des weißen Testwagens in Luxury Line-Ausstattung direkt in die Hand: das, was früher mal ein Zündschlüssel war. Jetzt ist er ein kleiner aber schwerer Klotz mit Ladefunktion, mit stromfressendem, leuchtendem Mäusekino, mit mehrseitiger Quernavigation. Und mit etlichen Funktionen, über die ich mich beim Test des 7er-BMW schon gewundert hatte.

Am Schlüsselbund kann ich ihn nicht festmachen, es fehlt ein Aufhänger, oder eine simple Öse. Also wandert er in die Hosentasche. Und als ich dort in Gedanken mit dem Teil herumspiele, öffnet sich ungewollt die Glasscheibe der geteilten BMW-Heckklappe. Verdammt, jetzt kann ich ihn nicht länger ignorieren!

Als ich beispielsweise im Restaurant meinem Sitznachbar zeigen will, dass ich mit dem Schlüssel den BMW schon vor Fahrtantritt entlüften oder klimatisieren kann, sagt er nur mit einem Blick aufs Mäusekino: „Ja, aber dafür bist Du ja jetzt wohl zu weit entfernt, oder?“ Recht hat er. In den kommenden zwei Wochen ärgert und verwundert mich das Teil mehr als es Freude spendet.

Bevor die Funktionen des früheren Zündschlüssels ganz in unseren Smartphones verschwinden, segnen uns die Hersteller mit Entwicklungs-Zwischenschritten, in denen die „Schlüssel“ immer schlauer werden. Das hier ist so ein Exemplar, mit Mäusekino und vierseitiger Quernavigation. Besonders schlaue Exemplare können den Wagen fahrerlos hin und her bewegen. Ein bisschen wie bei James Bond. Nur bitte nicht in der Hosentasche herumspielen mit dem Ding. Sie könnten eine Überraschung erleben. Frank G. Heide

Überflüssige Spielerei, oder tolles Gadget?

Bevor die Funktionen des früheren Zündschlüssels ganz in unseren Smartphones verschwinden, segnen uns die Hersteller mit Entwicklungs-Zwischenschritten, in denen die „Schlüssel“ immer schlauer werden. Das hier ist so ein Exemplar, mit Mäusekino und vierseitiger Quernavigation. Besonders schlaue Exemplare können den Wagen fahrerlos hin und her bewegen. Ein bisschen wie bei James Bond. Nur bitte nicht in der Hosentasche herumspielen mit dem Ding. Sie könnten eine Überraschung erleben.

Doch die vielen Dinge, die der 5er-Touring tadellos erledigt, sind in der Mehrzahl. Wie zum Beispiel den Alltag. Da freut man sich über den sehr leise agierenden Zwei-Liter-Diesel, der erst bei hoher Drehzahl im Dynamic-Fahrmodus verrät, dass vorne ein Vierzylinder-Selbstzünder eingebaut ist. Ansonsten herrscht himmlische Ruhe, vor allem im Komfort-Modus und bei Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn. Bis Tempo 180, wenn er in der Beschleunigung zäh wird, ist das noch etwas mehr Schweben und Gleiten, als ich vom Vorgänger in Erinnerung habe. Definitiv softer und leichter als im Volvo V90, aber mit nur hinten vorhandener Luftfederung ein Quentchen hölzerner als die E-Klasse.

Fahrwerk, Lenkung und vor allem Achtgang-Automatik liefern ein perfektes Zusammenspiel. Die Betonung liegt dabei auf einer Art straff ausgelegtem Komfort: Man wird dynamisch bewegt, bekommt von Untergrund und Umwelt aber nur so viel mit, dass man die Beiläufigkeit bewundert, mit der das Fahrzeug alles bewerkstelligt. Oft fühlt sich der Touring dank der mitlenkenden Hinterachse auch eher wie eine Limousine an.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Natürlich! Wer, wenn nicht er? Mit Betonung auf Geschäftsalltag.

Das schönste Detail?

Dass ich das satt anschiebende Drehmoment von 400 Newtonmeter schon bei 1.750 Umdrehungen spüre.

Enttäuschend?

Das, was früher mal ein Zündschlüssel war, kann jetzt nicht mehr an den Schlüsselbund, weil der Aufhänger fehlt. Dafür braucht es Strom und hat jede Menge Funktionen, die kein Mensch braucht.

Ist er`s wert?

Nur die Basisausstattung bietet einen fairen Gegenwert zu einem sportlichen Preis. Die meisten rüsten ihre Business Class aus München auf, und zahlen für die Extras einen hohen Preis.

Sound?

So ruhig, dass man kaum den Dieselmotor erkennt und vor allem auf der Autobahn super angenehm als Reisewagen.

Wie grün ist das Auto?

Für den Touring mit Achtgang-Automatik liegt der Diesel-Normverbrauch offiziell bei 4,3 Liter. Dass man ohne große Anstrengung tatsächlich im Alltag mit weniger als 5 Liter Diesel auf 100 Kilometer auskommt, das ist schon richtig gut.

Vorbildlich?

Der Testwagen kommt mit Luxury Line-Ausstattung und hat fast alles an Bord, was gut und teuer ist. Dass er nach außen damit kein bisschen protzt, das tut gut.

Was sagt der Nachbar?

Er fragt: „Und die Heckscheibe lässt sich immer noch separat öffnen? Wie 1991?“

Wer guckt?

Es ist ein weißer Kombi. Also nur diejenigen, denen das LED-Tagfahrlicht in den Rückspiegel leuchtet.

Wie fährt er sich?

Direkt, präzise, leicht, unangestrengt. Automatik und Getriebe harmonieren perfekt, das Fahrwerk beherrscht alles außer Rennstrecke.

Wo gehört er hin?

In den Alltag. Er macht vor der Kita und auf dem Baumarkt-Parkplatz einen ebenso guten Eindruck wie auf der Autobahn und dem Geschäftsführer-Parkplatz.

Bei einer Ausfahrt zu viert kann ich mich mit den Hinterbänklern gepflegt unterhalten, ohne die Stimme erheben zu müssen. Eine ortsbekannte Rüttelstrecke bügelt der 5er einfach glatt, als ob er die Löcher im Asphalt gar nicht bemerken würde. Die Passagiere genießen neben diesem ruhigen Komfort die großzügige Bemaßung von Knie-, Kopf- und Ellbogenfreiheit: „Der hat aber auch keine billigen Plätze“, sagt der Mitfahrer.

Hätte er etwas Kritischeres gesagt, hätte ich ihn mit der klanggewaltigen Stereoanlage schnell zum Verstummen bringen können. Dazu reicht im 5er mittlerweile ein kreisender Finger, denn der Wagen hat eine Gestensteuerung. Die funktioniert technisch zwar auch mit ausgestrecktem Mittelfinger, empfehlen kann ich das aber nicht. Man wird so leicht missverstanden. Und diese innovative Spielerei ist neben dem „Zündschlüssel“ meiner Meinung nach die zweite von insgesamt vier kleinen Problemzonen.

Die straff-komfortablen Sitze passen wie angegossen, und das leicht zum Fahrer leicht angewinkelte Cockpit zeigt immer noch Reste jener Fahrerorientierung, für die BMW einst so berühmt war. Hersteller

BMW 520d Touring

Die straff-komfortablen Sitze passen wie angegossen, und das leicht zum Fahrer leicht angewinkelte Cockpit zeigt immer noch Reste jener Fahrerorientierung, für die BMW einst so berühmt war.

Letztlich soll man, wie beim 7er-BMW, den Wagen auch per Touch und Wisch auf dem Schlüsseldisplay aus Parklücken heraus bugsieren können während man daneben steht. Rechtlich erlaubt ist das aber nur auf dem eigenen Grundstück, und nur wenn das Fahrzeug einige wenige Meter ganz gerade vor und zurücksetzen kann. Also viel mehr Spielerei als Nutzwert.

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