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10.07.2014

12:31 Uhr

BMW i3 im Handelsblatt-Test

In den Fängen der Revolution

VonLukas Bay

Der BMW i3 ist die wohl mutigste Autoentwicklung der jüngsten Zeit, hat aber mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Im Alltagstest von Handelsblatt Online zeigt der kleine Stromer, dass er auch die Kritiker überzeugen kann.

Zwischen Pro und Contra: BMWs i3 ist bereit für die Elektromobilität. Deutschlands Infrastruktur aber nur bedingt. So leisten Fahrer teilweise Pionierarbeit. Sebastian Schaal

Zwischen Pro und Contra: BMWs i3 ist bereit für die Elektromobilität. Deutschlands Infrastruktur aber nur bedingt. So leisten Fahrer teilweise Pionierarbeit.

DüsseldorfWer auf einer Party erzählt, dass er jetzt Porsche 911 fährt, bekommt immer die gleiche Frage gestellt: „Und wie schnell fährt der so?“. Wer auf einer Party erzählt, dass er jetzt BMW i3 fährt, bekommt auch immer die gleiche Frage gestellt. „Und wie weit fährt der so?“ Wissend nicken die Gesprächspartner dann mit dem Kopf, äußern ihre Skepsis über die Reichweite bei schlechtem Wetter, erinnern an das Problem der fehlenden Ladestationen und die umweltschädliche Entsorgung der Batterie.

Es gibt Autos, die als prominenteste Vertreter ihrer Gattung allen Vorurteilen ausgesetzt sind. Dabei sind die wenigsten sie wirklich mal gefahren. Der kleine Elektroflitzer kann einem fast ein bisschen leidtun.

Dabei hat der Autobauer aus München mit dem kleinen Elektroflitzer eine kleine Revolution gewagt. Der BMW i3 ist nicht weniger als ein Ausblick, wie die Zukunft von Deutschlands größtem Premiumautobauer aussehen könnte. Für ihn hat BMW eine ganz neue, umweltfreundliche Fabrik in Leipzig hochgezogen.

Erstmals wird im Kompaktsegment eine Fahrgastzelle aus ultraleichter, verstärkter Kohlefaser eingesetzt. Mit zwei Milliarden Euro wurde der i3 von Grund auf als Elektroauto entwickelt – fernab der Vorbilder. So etwas gibt es in der gleichteileorientierten Serienproduktion nur noch verdammt selten.

Der i3 ist auch anders als alle seine elektrischen Konkurrenten. Viel futuristischer als der etwas biedere Nissan Leaf, mutiger als der VW E-Golf, dem man den Pionier nicht ansieht. In Sachen Reichweite schneidet der Opel Ampera bei einem ähnlichen Preis zwar besser ab, aber der ist ja auch kein reines Elektroauto.

Äußerlich hat der i3 bis auf die markentypischen Nieren an der Front wenig mit anderen Modellreihen der Münchener gemein. Die B-Säule hat BMW sich gespart, die stabile Hülle aus Kohlefaser macht es möglich.

Weil der Akku im Unterboden verbaut ist, bleibt auch im Kofferraum genug Platz. Unter der Motorhaube wummert nichts mehr - dort werden die Kabel verstaut.

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Wenn man keine weiten Strecken zurücklegen muss und eine Lademöglichkeit hat, erweist sich der i3 als äußerst alltagstauglich. Vier Personen transportiert er problemlos, auch Einkäufe sind kein Problem.

Das schönste Detail?

Das Gaspedal. Wenn der BMW i3 im Eiltempo beschleunigt und es im Bauch zu Kribbeln beginnt, verlieben sich auch die größten Kritiker des kleinen Elektroflitzers.

Enttäuschend?

Immer wieder die Reichweite und das Netz der Ladestationen. Wahnsinn, wie weit Deutschland bei der elektrischen Mobilität noch hinterherhängt.

Ist er's wert?

Jein. Klar sind 34.950 Euro für einen Kompaktwagen viel Geld. Der Restwert ist eine absolute Wundertüte. Aber man fährt eben auch eine ganz neue Art von Auto. Wer darauf Wert legt, zur automobilen Avantgarde zu gehören, der zahlt eben auch mehr.

Sound?

Welcher Sound? Der i3 gleitet absolut lautlos dahin. Bei der Anlage muss man dagegen keine Abstriche machen: die kann locker mit jedem Klassenkonkurrenten mithalten.

Wie grün ist das Auto?

Noch grüner als Markenbotschafter Joschka Fischer. Leder gegerbt mit Olivenblättern, Sitzbezüge aus recyceltem Polyester, der Strom für die Produktion kommt aus Windrädern. In puncto Nachhaltigkeit sticht der BMW i3 alle anderen Konkurrenten aus.

Vorbildlich?

BMW hat für den i3 eine komplett neue Produktion aufgezogen. Fahrzeugdesign, Herstellung und Mobilitätskonzept sind ohne Übertreibung herstellerübergreifend nicht weniger als eine Revolution.

Was sagt der Nachbar?

"Sieht gar nicht aus wie ein BMW!"

Wer guckt?

Mit einem Wagen unterhalb der Luxusklasse in einer Stadt wie Düsseldorf wahrgenommen zu werden, ist nicht so leicht. Anders ist das mit einem i3: Immer wieder zeigen Passanten aller Altersklassen auf den Elektroflitzer. Wer drin sitzt, fällt auf.

Wie fährt er sich?

Der i3 beschleunigt außerordentlich dynamisch und wendig. Selbst auf der Autobahn kann er zumindest kurzfristig mithalten - dann geht ihm aber schnell die Puste aus.

Wo gehört er hin?

In die moderne Metropole. Für die umweltbewusste Oberklasse ist der i3 bestens geeignet.

Bei allem Mut zu progressivem Design: Die Optik des i3 ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Futuristisch, aber auch ein wenig gestaucht kommt der kleine Stromer daher.

Von hinten fallen die extrem hohen und schmalen Reifen auf, dadurch wirkt das Auto seltsam aufgebockt - aber wenn es der Aerodynamik dient. Optisch ansprechend sind dagegen die LED-Lichter, die hinter dem Glas der Heckklappe eingefasst sind.

Kommentare (5)

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Herr Josef Schmidt

10.07.2014, 12:05 Uhr

Mal schauen bis die ersten Akkus auch hierzulande explodieren oder Feuer fangen.

Herr Hans Maiser

10.07.2014, 12:43 Uhr

"Der BMW i3 ist die wohl mutigste Autoentwicklung der jüngsten Zeit,"
Naja, eher eine Kopie des Chevy Volt.
Oder meinen die vielleicht das Fiat Multipla ähnliche Design?

Herr Bernhard Liesenkötter

11.07.2014, 13:50 Uhr

Der Aufsatz ist ein wohlgemeinter Versuch, das Elektroauto nicht allzu schlecht wegkommen zu lassen. Er hätte aber viel positiver ausfallen müssen.
Im Gegensatz zum Testfahrer fahre ich seit fast 2 Jahren das erste deutsche Serien-Elektroauto. Leider ist dem Autor nicht eingefallen, dieses zum Vergleich aufzuführen: zum halben Preis das halbe Auto, aber mit gleich viel Fahrspaß = Smart ed!
Das Elektroauto ist für den Nahbereich konzipiert, und in diesem Nahbereich wird selten mit mehr als 1..2 Personen gefahren, also genügt vielleicht auch der Smart.
Dieser ist/war übrigens das erste von Grund auf für Elektroantrieb designte Auto! Wer es nicht glaubt, kann bei Wikipedia lesen, was Nicolas Hayek da geplant hatte. Als dann Mercedes Benz einen Benzinmotor in das Wägelchen hineinpresste, hat er sich verabschiedet.
Und erst jatzt - nach 18 Jahren - ist der Smart wieder das Elektroauto geworden. Kein Unterschied im Platzangebot, kein verkleinerter Kofferraum, viel Platz für Fahrer und Beifahrer, elektronischer Schnickschnak wie beim i3, wieso soll dann der BMW i3 das erste Elektro-Spezial-Design sein?
Übrigens - hier jetzt eine Lektion für Physik-Interessierte (wozu Journalisten leider kaum gehören): Die Karbonfaser-Karosserie ist ein Gag, der zwar dem Image von BMW nutzt, der aber nur der Veblendetheit der Verbrenner-Fraktion geschuldet ist, denn die Masse eines Elktroautos ist völlig wurscht. Die einmal beschleunigte Masse wirkt beim Rekuperieren (=Bremsen) natürlich noch genauso gut und heftig! Es geht hier also prinzipiell keine Energie verloren, denn die heutige Elektronik hat Wirkungsgrade jenseits von 90% !
Nur der Luftwiderstand zählt-und der bekanntlich quadratisch mit der Geschwindigkeit! Und daher sind die Elektroautos besonders für den Nahbereich (Stop and Go) vorzüglich geeignet.
Auch wer mit seinem Auto angeben will, kann dies besonders mit einem E-Auto tun, denn da weiß jeder, dass der Fahrer noch ein Langstrecken-Zweitauto hat (und außerdem viel Geld)..

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