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13.10.2011

10:37 Uhr

Brennstoffzelle

Wasserstoff soll dem Elektroauto Schwung geben

VonSebastian Schaal

Das Elektroauto wird von den Herstellern als Zukunftshoffnung gepriesen, doch teure und zu schwache Batterien bremsen die Euphorie. Dabei gibt es eine leistungsfähige Alternative: Wasserstoff.

Der F125 soll einen Ausblick auf die S-Klasse aus dem Jahr 2025 geben. dpa

Der F125 soll einen Ausblick auf die S-Klasse aus dem Jahr 2025 geben.

DüsseldorfBenzin und Diesel haben noch nicht ganz ausgedient, aber eines ist bereits heute klar: In Zukunft werden unsere Autos von Elektromotoren angetrieben. Eine Frage ist allerdings noch nicht beantwortet: Wie bringen wir den Strom in die Fahrzeuge?

Zuerst drängt sich bei dem Thema Stromspeicherung natürlich die Batterie auf. Solche Fahrzeuge gibt es bereits zu kaufen, doch der Erfolg bleibt bisher aus. Kurze Reichweiten, lange Ladezeiten, nicht zuletzt der höhere Anschaffungspreis.

Als Alternative zur Batterie sehen deshalb einige Hersteller die Brennstoffzelle. Darin wird aus reinem Wasserstoff und Sauerstoff Strom erzeugt, der dann die Elektromotoren antreibt. Das einzige Nebenprodukt des Vorgangs in dem Mini-Kraftwerk ist Wasser.

Die Technik ist nicht ganz neu, bereits 1994 zeigte Daimler den Prototypen NECAR1. Das Fahrzeug auf Basis des Kleinbusses MB-100 war ein reiner Technik-Träger, doch in den nächsten Jahren folgten weitere Prototypen, in denen die Brennstoffzelle stetig weiterentwickelt wurde. Doch dann – obwohl der damalige-Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp bereits Serienmodelle innerhalb von zehn Jahren versprochen hatte – verschwand die Brennstoffzelle aus der öffentlichen Diskussion. Das versprochene Serienmodell kam nicht, Elektroautos mit Batterien rückten in den Fokus der Medien.

Dann die öffentlichkeitswirksame Wende: Auf der IAA im September zeigte Daimler das Forschungsfahrzeug F125, das von einer Kombination aus Brennstoffzelle und Plug-In-Hybrid angetrieben wird. „Die Entwicklung ging kontinuierlich weiter, die Brennstoffzelle ist nur aus dem Blick der Öffentlichkeit etwas verschwunden“, sagt Daimler-Sprecher Matthias Brock.

Höhere Reichweite

Die Vorteile der Brennstoffzelle haben sich seit 1994 nicht verändert: Die Reichweite ist deutlich höher als bei Elektroautos, die ihren Strom aus Batterien ziehen. Und der Tankvorgang dauert ähnlich lange wie bei einem Benziner oder Diesel – im Gegensatz zu den stundenlangen Ladevorgängen bei Batterien.

Daimler verspricht sich von der Brennstoffzellen-Plug-In-Kombination des F125 bis zu 1.000 Kilometer Reichweite, ein Tankvorgang soll drei Minuten dauert. Bereits heute möglich sind Distanzen von bis zu 400 Kilometern, wie Daimler mit einer Weltumrundung dreier B-Klassen mit Brennstoffzelle gezeigt hat.

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Kommentare (9)

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Oberlin

13.10.2011, 12:43 Uhr

Ihr Artikel macht Angst: Wie soll die Wasserstofftechnologie sicher in der Logistik und Anwendung in einer Massentechnologie gehandhabt werden? Absolute Sicherheit gibt es nicht, also wäre der GAU, dass irgend wann eine Wasserstofftankstelle abbrennt, oder ein Wasserstofftankzug verunfallt. Allein schon den Spaß, den unsere Freunde von der Rotfront bevorzug in Berlin veranstallten, nämlich ein brenndes Espit - Würfelchen unter den Reifen zu schieben, wird zu Bildern wie in Kabul führen.
Dabei wird schon der alltägliche Gebrauch zu Problemen führen: Eine Tiefgarage voll mit Wasserstoffautos? Es gibt z. Zt. keinen Druckbehälterwerkstoff der eine Wasserstoffpermeation verhindert. Geschweige den die Leitungen, Anschlüsse, Verbindungselemente usw. die bei einem Fahrzeug mit Wasserstoffantrieb (sei es mit Brennstoffzelle oder mit Verbrennungsmotor) unbedingt vorhanden sein müssen. All diese Dinge sind Alterung und Verschleiß unterworfen. Wer will daher bei Massennutzung sicher stellen, dass sich in Tiefgaragen, Tunnels etc. kein explosives Gemisch bilden kann? Dabei beträgt die kritische Menge nur wenige Prozent Wasserstoff in Luft.
Warum läßt man den Wasserstoff nicht mit Kohlenstoffdioxid reagieren und erhält dadurch Methanol? Methanol als Energieträger ist nicht giftiger als Benzin, Infrastruktur und Technik wären vorhanden, sie müssten "nur" vom Benzin auf Methanol modifiziert werden.

Account gelöscht!

13.10.2011, 13:17 Uhr

Das Problem ist doch gelöst! Anlagern der Atome an Nanofasern.
Damit ist der Transport und die Lagerung unkritisch.
Strom hielt man anfänglisch auch für unbeherrschbar....

Stephan

13.10.2011, 13:35 Uhr

Gegen Ende wird genau das beschrieben, warum Wasserstoff sich sehr wahrscheinlich nicht lohnt. Er muss hergestellt werden aus alternativen Energien, die kein CO2 freisetzen. Der Wirkungsgrad zur Wasserstoffherstellung ist sehr niedrig, so dass z.B. auch eine Produktion mit gleichzeitiger Pufferung (als Alternative z.B. zu Wasserkraftwerken), bisher kaum lohnenswert erscheint mit dem zusätzlich niedrigen Wirkungsgrad gegenüber "Benzinern".
Meiner Meinung nach wäre es am besten, die Politik würde endlich zwei andere Projekte stärker anschieben. Die Produktion von Rohöl/Benzin (synthetischer Kraftstoff) (z.b. aus Biomasse. Dazu braucht man auch H2, aber der Wirkungsgrad ist wesentlich besserer) und die Entwicklung von 3-5 L Hybrid-Motoren. Dummerweise geht der Trend, dank immer leistungsfähiger und schwerer Autos in die andere Richtung. Da könnte die Politik jetzt schon mehr machen, indem sie SUVs und Co stärker besteuert (kann ja jeder 150+ km/h fahren. soll dann dafür aber auch gerne über die Mineralölsteuer mehr zahlen. bei einem Verbrauch von 4 L bis 120 oder in der Stadt fällt eine vehemennte Besteuerung nicht auf). Macht sie aber komischerweise nicht und Daimler kommt mit solchen Projekten, wie hier halbherzig kritisch dargestellt, auch noch ganz grün weg.
Langfristig wären leichtbauten mit minimalen Verbrauch interessant, die man regional sich mieten kann. Größere Strecken können per Bahn erreicht werden. Das macht auch insofern Sinn, weil global eine klare Agglomerisation vno Menschen durch Urbanisierung sich zeigt (in Japan lohnt sich so inzw. vlt die Entwicklung einer Magnetbahn zw. Osaka und Tokio).
Bisher sehe ich also nicht, wie Daimler (oder andere) mit Wasserstoff für eine zukunftsweisende, nachhaltige Mobilität sorgen möchte. Des weiteres taucht im Artikel ein kleiner Fehler auf. Wenn man sagt, dass Wasserstoff unbegrenzt vorliegt und nur produziert werden muss, so gilt das für jede andere Substanz auch.

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