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16.01.2007

16:16 Uhr

Car-Loft-Prototyp entsteht in Berlin Kreuzberg

Garage auf der Etage

VonDirk Engelhardt

Was man liebt, will man immer um sich haben. Das gilt selbstredend für Personen, da heißt das Ganze dann üblicherweise Familie. Es gilt aber zunehmend auch für Produkte. Gerade für Autos. Das nennen wir dann einen Wagenpark. Manch einer liebt diese Zweitfamilie sogar mehr als die anverwandte, aber das ist ein anderes Thema.

Glänzende Aussicht: Vom Car-Loft blickt der stolze Autobesitzer auf lackierte Landschaften.

Glänzende Aussicht: Vom Car-Loft blickt der stolze Autobesitzer auf lackierte Landschaften.

DÜSSELDORF. Wenn es allerdings ans Abstellen geht, begehen alle stolzen Besitzer unweigerlich Verrat an ihrer Leidenschaft. Da wird der Aston Martin einfach achtlos auf der Straße zurückgelassen, die Borgward Isabella steht einsam in einem schummrigen Keller, stets den Blicken und wildfremden Begehrlichkeiten ausgeliefert.

Dem hilft nun ein findiger Architekt ab: Stolz präsentiert Manfred Dick ein sechsgeschossiges Sperrholz-Modell: ein Wohngebäude in Berlin im Loft-Stil mit Lastenaufzügen, die die Karossen zum Familienmitglied machen. Warum das Blech-Schätzchen nicht einfach „mit nach oben nehmen“?

Geboren wurde die Idee, es sei geklagt, allerdings vergleichsweise unerotisch. Beim Kölsch in der Politikerkneipe „Ständige Vertretung“ in Berlin-Mitte sinnierte Dick mit seinem Geschäftspartner Johannes Kauka, wie man ein Bauvorhaben retten könnte, das durch einsickerndes Grundwasser in die Tiefgarage zu platzen drohte. Die Idee: Warum nicht die geforderten Stellplätze gleich auf jedem Stockwerk anbieten? Und schon war das spleenige Projekt am Paul-Linke-Ufer, einer beliebten Berliner Wohngegend, abgemacht.

In Großstädten löst Car-Loft neben dem Beziehungsstress von Mensch und Maschine gleich mehrere Probleme: nie wieder Parkplatzsuche, das Auto steht warm und trocken und vor allem: Man steigt aus und ist schon im Wohnzimmer.

Automobil-Liebhaber, die ihr adoptiertes Familienmitglied immer im Blick haben möchten, lassen sich die Wand vom Wohnzimmer zur Balkongarage verglasen. Und wer den voyeuristischen Neigungen der Nachbarn Futter geben möchte, kann die Lamellenwand der Car-Loggia zur Straßenseite aufschieben.

Um die Großfamilienidylle in der Großstadt komplett zu machen, gibt es neben jeder Wohnung einen Etagengarten. Je nach Loft variiert die Grünfläche zwischen 45 und 185 Quadratmetern. Im Penthouse liegt der Garten unter freiem Himmel, in den anderen Etagen ist er überdacht. Gartenarchitekten gestalten jeden dieser Gärten nach Wunsch des Käufers – ob als Rasenfläche, mit Kies ausgelegt oder mit Holzplankenboden.

Die S-Klasse im Autohaus ist das Car-Loft-Penthouse: 539 Quadratmeter mit Kaminzimmer, einer Wasserfläche auf der Dachterrasse und einem luxuriösen Bade- und Schlafbereich.

50 Prozent der Wohnungen sind bereits verkauft, vornehmlich an Nichtberliner, die sich ein Zweitdomizil mit Autoanbindung leisten. „Ich bin kein so extremer Auto-Fan, dass ich jeden Tag über die Karosse streiche“, sagt einer der Käufer, der seinen Familiennamen und seine Automarke ungern preisgeben möchte. „Doch für mich als Automobil-Designer passt der funktionale Hintergrund des Konzepts, wie man sich denken kann, eins zu eins. Das Konzept des Car-Lofts hat mich gleich überzeugt. Und ich wohne gern in Berlin.“

Doch nicht nur für Hätschelfreunde des Wagenparks ist die Garage auf der Etage eine interessante Alternative: Nachts muss man nicht mehr über dunkle Parkplätze oder durch unheimliche Tiefgaragen laufen. Und fürs Lackzerkratzen sind höchstens die eigenen Familienmitglieder verantwortlich.

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