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28.03.2011

14:22 Uhr

Carsharing

Was in Ulm Mode ist, soll in Paris überzeugen

Künftig sollen Pariser die Vorteile des Carsharings schätzen lernen - was in Frankreich bislang kaum genutzt wird. Die Stadt Ulm dient als Modell.

Eine von 1.000 geplanten: Die Computersimulation zeigt eine Station für Carsharing von Elektroautos, die in Paris geplant wird. Autolib heißt die motorisierte Variante der städtischen Leihfahrräder namens Vélib. Quelle: dpa

Eine von 1.000 geplanten: Die Computersimulation zeigt eine Station für Carsharing von Elektroautos, die in Paris geplant wird. Autolib heißt die motorisierte Variante der städtischen Leihfahrräder namens Vélib.

Zuerst waren es Fahrräder, jetzt kommen Elektroautos. Die Stadt Paris will von Oktober an im großen Stil Carsharing anbieten. Auf diese Weise will sie den Verkehr reduzieren und die Umwelt schonen. Autolib heißt die motorisierte Variante der städtischen Leihfahrräder namens Vélib. Seit 2007 nutzen viele Pariser die stabilen grauen Fahrräder, die sie an knapp 1.500 Stationen ausleihen können. Die Stadt hofft auf einen ähnlichen Erfolg für ihre 3.000 Elektroautos. „Bislang gibt es keine Metropole, die Carsharing in dieser Größenordnung anbietet“, rühmt sich die französische Hauptstadt auf der Website des Projekts.
Die Frage ist, inwiefern die Bürger die elektrischen Flitzer nutzen werden. „Autoteilen“ ist bislang kaum verbreitet in Frankreich: Nur etwa 25.000 Franzosen nutzen es schätzungsweise, in Deutschland sind es mehr als sechs Mal so viele Menschen. In Paris gibt es derzeit vier Anbieter, die insgesamt 500 Autos zur Verfügung stellen.

Künftig soll es im Großraum Paris 1.000 Stationen geben. Im Jahresabo wird Autolib zwölf Euro pro Monat kosten. Für die erste halbe Stunde müssen Nutzer fünf Euro zahlen, danach wird es teurer. Wer ein Auto braucht, kann es vorher an einer bestimmten Station bestellen und an einer beliebigen anderen wieder abgeben. „Die Kunden können an der Zielstation auch vorab einen Parkplatz reservieren“, sagt ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Auf der Suche nach geeigneten Vorbildern hat sich Paris auch das Ulmer Modell Car2go näher angeschaut. Dort gibt es allerdings keine festen Stationen, sondern die Autos können überall im Stadtgebiet auf öffentlichen Parkplätzen abgestellt werden.

Vandalismus ist ein Kostenproblem
Der sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë würde sich mit den abgasfreien Elektroautos gerne ein grünes Denkmal errichten. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Elektroautos in Frankreich in erster Linie mit Atomstrom fahren werden.
Experten haben berechnet, dass ein gemeinsam genutztes Auto bis zu 15 Privatwagen ersetzen könnte.

Ein mit Ökostrom von Greenpeace Energy betriebenes Fahrzeug des Carsharing-Unternehmens Cambio in Hamburg. Der Kilometerpreis im eMobil beträgt 20 Cent, der Stundenpreis 3,30 Euro. Das Elektroauto kann für maximal fünf Stunden und für eine Strecke von maximal 150 Kilometer gemietet werden, dannach muss das Fahrzeug bis zu sieben Stunden an eine Ladestation. Quelle: dpa

Ein mit Ökostrom von Greenpeace Energy betriebenes Fahrzeug des Carsharing-Unternehmens Cambio in Hamburg. Der Kilometerpreis im eMobil beträgt 20 Cent, der Stundenpreis 3,30 Euro. Das Elektroauto kann für maximal fünf Stunden und für eine Strecke von maximal 150 Kilometer gemietet werden, dannach muss das Fahrzeug bis zu sieben Stunden an eine Ladestation.

Die Stadt hofft, die Straßen insgesamt um rund 25 Prozent zu entlasten. Zu Stoßzeiten sind in Paris die Straßen verstopft; die Autos stauen sich auf ingesamt bis zu 280 Kilometern. Es gibt zudem bei weitem nicht genügend Parkplätze, Pariser Autofahrer quetschen sich oft rabiat in die engsten Lücken. Die Stadt Paris finanziert die Stationen mit jeweils 50.000 Euro. Die Kosten für die Fahrzeuge und deren Unterhalt trägt der Hersteller Bolloré.

Etwa 3.000 Euro pro Auto rechnet der Konzern jährlich für die laufenden Kosten inklusive möglicher Zerstörungen ein. Vandalismus ist ein großes Risiko: Von den Vélib-Fahrrädern muss etwa jedes Dritte regelmäßig repariert werden. „Autolib wird sich frühestens in sieben Jahren rentieren“, schätzt Unternehmens-Chef Vincent Bolloré.

Von

dpa

/ Thomas Körbel

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