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04.12.2014

08:37 Uhr

Caterham Seven 165 im Handelsblatt-Test

A Tännschen, please!

VonOliver Stock

Im Winter ist ein Caterham ein Auto für Kerle, die nicht kalt duschen, sondern ein Loch ins Eis schlagen. Ein hartes, urwüchsiges, agiles Auto. Nun gibt es das Leichtgewicht mit einem Motor, der auch vernünftig ist.

Wer größere Besorgungen zu erledigen hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er den Caterham nimmt. Der leichte Roadster ist für pures Fahrvergnügen bestimmt, und das vermittelt er besser, direkter als viele große Sportwagen mit mehr Leistung. Frank G. Heide

Wer größere Besorgungen zu erledigen hat, sollte sich zweimal überlegen, ob er den Caterham nimmt. Der leichte Roadster ist für pures Fahrvergnügen bestimmt, und das vermittelt er besser, direkter als viele große Sportwagen mit mehr Leistung.

DüsseldorfWenn ich dieses Auto mit ADAC-Maßstäben messen müsste, wäre es ein hoffnungsloser Fall: Null Komma null Möglichkeiten, etwas zu verstauen. Alles, was der Fahrer nicht am Mann hat, passt nicht hinein. Es sei denn, er nimmt die Persenning hinten aus dem Stauraum, dann ist dort Platz für eine Aktentasche, eine flache.

Die Außenspiegel sind an den abknöpfbaren Seitenfenstern montiert. Jede Vibration überträgt sich auf sie. Was hinter uns passiert, sieht aus, als würde es von einem Erdbeben durchgeschüttelt.

Das Zündschloss ist irgendwo unter dem Armaturenbrett versteckt, es mit dem Schlüssel zu treffen, verlangt die Routine eines Soldaten, der mit verbunden Augen sein Gewehr putzen soll. Die Pedale stehen so eng zusammen, dass bei normaler Herrengröße und normalem Schuhwerk Gas und Bremse gerne mal gleichzeitig gedrückt werden.

Ich bin aber nicht der ADAC. Und dafür bin ich dankbar. Und deswegen kommt hier die etwas andere Schilderung: Die nordseehimmelblau lackierte Karosserie des Caterham schließt sich wie ein Maßanzug um mich. Links die Außenhaut, rechts der Kardantunnel.

Gepäck brauche ich keins, weil ich nirgendwo hin will. Ich will nur fahren, fahren, fahren. Der Motor startet mit sattem Röhren, das der seitliche Auspuff direkt an mein Ohr überträgt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Ja. Wenn man Single ist und permanent Lieferdienste beauftragt.

Das schönste Detail?

Der Blick über die langgestreckte Motorhaube auf die sich aktiv bewegenden und mitlenkenden Vorder-Kotflügel.

Enttäuschend?

Das Design der Rückleuchten und Bremsleuchte.

Ist er`s wert?

Definitiv. Mehr Fahrspaß pro Euro bietet nur die Achterbahn. Und da ist der Wertverlust höher.

Sound?

Renn-Feeling pur. Der Motor dreht schön hoch, der Auspuff ist groß und laut und liegt nah beim Fahrer.

Wie grün ist das Auto?

Wir hatten einen blauen. Aber es gibt ihn auch in grün.

Vorbildlich?

Nähe zum Asphalt, gefühlte Beschleunigung, superleicht quergehendes Heck. Super direkte Lenkung und Beherrschbarkeit.

Was sagt der Nachbar?

Ist das ein Oldtimer? Und wie kommen Sie wieder da raus?

Wer guckt?

Alle. Definitiv.

Wie fährt er sich?

Wie es die Form und der Sound des leichten, harten Roadsters vermuten lässt. Kurz gesagt: Geil. Aber die eng stehenden Pedale erfordern Eingewöhnung.

Wo gehört er hin?

Als Dritt- oder Viertfahrzeug in die Garage all derjenigen, die mal wieder alles selber steuern möchten. Ohne Bevormundung, ohne Assistenten.

Alternative zu:

Lotus Elise, Morgan und Motorrad

Das Röhren wird zum Gewitter, sobald ich den extrem drehfreudigen Dreizylinder-Motor oberhalb von 5.000 Umdrehungen laufen lasse. Und das mache ich dauernd, weil es ihm und mir Spaß macht. Das Gewitter lässt alles erschauern, auch den Hintermann, der schnell kleiner wird im Rückspiegel.

Ich habe die engen Turnschuhe an, mein Fuß muss nur Millimeter nach links oder rechts rutschen, um die Pedale zu bedienen. Ich brauche keine Heizung, ich brenne von innen.

Dieses Auto ist nicht für die Freundin oder den Freund auf dem Beifahrersitz gebaut, sondern einzig für den, der hinterm Steuer sitzt. Hier ist kein Teil und kein Schnickschnack zu viel, pures fahren, pures Glück, sonst nichts.

Dieser Caterham ist das beste Auto, das ich je gesteuert habe. Superflach. Pfeilschnell. Er kann Haken wie ein Hase schlagen und rennen wie ein Leopard. Mit einer Hand lässt sich am Lenkrad alles machen, jeden Impuls setzt das Auto sofort um, der kleine Drift mit den Hinterrädern bleibt beherrschbar. Das beste ist der Blick über die endlos lange von Lüftungsschlitzen unterbrochene Motorhaube aus lackiertem Aluminium.

Im Spätherbst erfordert der Caterham warme Kleidung. Vor allem oben herum. Und warum trägt der Seven den Namenszusatz 165? Wegen des Leistungsgewichts: 165 PS pro Tonne Fahrzeuggewicht. Frank G. Heide

Im Spätherbst erfordert der Caterham warme Kleidung. Vor allem oben herum. Und warum trägt der Seven den Namenszusatz 165? Wegen des Leistungsgewichts: 165 PS pro Tonne Fahrzeuggewicht.

Die Luft darüber flimmert leicht, wenn die Maschine heiß ist. Die Haube endet dort, wo sich vorne wie zwei silberne Weihnachtskugeln die Lichter erheben. Links und rechts davon decken außenbefestigte, mitlenkende Kotflügel die Vorderräder ab. Auf unebener Straße springen sie lebhaft auf und nieder, während der Caterham unbeeindruckt nach vorne schiebt.

Kommentare (2)

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Herr Joachim Buch

08.12.2014, 07:27 Uhr

Endlich mal einer, der mir aus der Seele schreibt. Es muß ja nicht gleich so ein extremistisches Auto sein, aber immerhin hat mal einer erkannt, daß es eben auch ohne 1000 Assistenten, gefühlt 12 Windbeuteln, ... geht. Allein die Tatsache, daß mehr als einer sowas will (siehe Wartezeiten), zeigt doch, daß es eben noch Leute gibt, die keine Perwoll-Autos haben wollen. Was mich aber interessieren würde: Wie kriegt man für so ein Ding, trotz überbordender EU-Bürokratie, eine Zulassung?
Hätte ich noch Platz in der Garage, wäre das das Gefährt der Wahl.

Herr Thomas Göttgens

10.12.2014, 14:30 Uhr

Alle Caterham-Neuwagen, die von deutschen Händlern gekauft werden, haben ein CoC-Dokument und Neuwagen-Zertifikat. Ich besitze den Zwillingsbruder (gleiche Farbe, ca. 3 Wochen älter) des getesteten Fahrzeugs seit September '14.

Die Anmeldung war problemlos, lediglich für die Abgaseinstufung (Euro 6!) wurde noch ein TÜV-Gutachten benötigt, für das allerdings auch nur die Werte aus dem CoC abgeschrieben und in einen Abgasschlüssel kodiert wurden.

Ab 2015 werden die Modellbezeichnungen bei Caterham vereinheitlicht. Die Benennung erfolgt dann nach Leistungsgewicht. Ist die letzte Ziffer eine '5', ist das Modell mit CoC ausgestattet und kann in Deutschland zugelassen werden. Neben dem hier getesteten 165 gibt es dann (vermutlich) einen 275 mit rund 135PS, einen 355 mit 175PS und den jetzt schon erhältlichen 485 mit 240PS. Dabei sind je nach Motorisierung auch noch andere Chassis-Größen (mit mehr Platz für große oder breite Leute) und ein Fahrwerk mit Einzelradaufhängung zu haben.

Was den Platz in der Garage angeht: bei mir schläft jetzt halt das Alltagsauto draußen ;-)

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