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13.10.2012

10:38 Uhr

Chevrolet Aveo als Gebrauchter

Mängelriese von der Opel-Mutter

Quelle:dpa

Mit seiner Karosserieform war der Chevrolet Aveo ein Vorreiter. Als Gebrauchtwagen stellen ihm Experten jedoch keine guten Noten aus. Bemängelt werden unter anderem Probleme mit den Achsen.

Achsprobleme, schlechte Verarbeitung: Der Chevrolet Aveo der ersten Generation bekommt von KFZ-Experten wenig Lob. Pressefoto

Achsprobleme, schlechte Verarbeitung: Der Chevrolet Aveo der ersten Generation bekommt von KFZ-Experten wenig Lob.

BerlinIn gewissem Sinne war der Chevrolet Aveo ein Vorreiter: Als er 2006 zunächst als Stufenheck auf den Markt kam, war die Karosserieform für ein nur 4,33 Meter langes Auto recht ungewöhnlich. Derzeit sind Limousinen mit kompakten Abmessungen wieder im Kommen - siehe Skoda Rapid, Seat Toledo oder Dacia Logan.

Doch wer einen gebrauchten Aveo als nächstes Auto in Betracht zieht, sollte wissen, dass der Wagen einige Macken hat. Laut dem «TÜV Report 2012» ist der Aveo ein Mängelriese, bei dem vor allem die Achsen Probleme machen - über alle Baujahre und doppelt so häufig wie bei anderen Fahrzeugen seiner Klasse.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Bei Hauptuntersuchungen fielen den TÜV-Prüfern demnach oft auch mangelhafte Kraftstoff- und Abgasanlagen auf. Der ADAC verzeichnete für den Aveo defekte Nockenwellen- und Kurbelwellensensoren (Baujahre 2008/2009) sowie blockierende Hinterrad- und Feststellbremsen (2008).

Der Aveo stammt aus der Kooperation von Chevrolet mit dem koreanischen Hersteller Daewoo. 2006 kam er als Limousine in den Handel, zwei Jahre später folgte das drei- oder fünftürige Schrägheck. Recht geräumig ist der Wagen im Innenraum, doch bemängelt der TÜV teils schlechte Verarbeitung, was sich an kratzempfindlichen Oberflächen und vibrierenden Spiegeln zeige.

2011 folgte die zweite Aveo-Generation. Im Aveo kommen ausschließlich Reihenvierzylinder-Motoren zum Einsatz. Die Benziner leisten je nach Baujahr und Karosserieform zwischen 62 kW/84 PS und 85 kW/115 PS. Die erste Generation wurde noch mit einem Autogasantrieb angeboten. Diese LPG-Version nahm Chevrolet beim Generationswechsel zugunsten eines 1,3 Liter großen Diesels mit wahlweise 55 kW/75 PS und 70 kW/95 PS aus dem Programm. Den gibt es allerdings nur für das Fließheck.

Wer sich für einen solchen Wagen von 2011 interessiert, muss im Fall des Aveo 1.3 LTZ mit 70 kW/95 PS und einer durchschnittlichen Laufleistung von 30.300 Kilometern der Schwacke-Liste zufolge rund 11.500 Euro einplanen.

Ein älteres Stufenheck wie der 69 kW/94 PS starke Aveo 1.4 16V LT von 2008 ist demnach für etwa 5.350 Euro zu bekommen (Laufleistung: 54.000 Kilometer). Für das gleiche Auto in der LPG-Version seien um die 850 Euro mehr fällig.

Günstigster Aveo auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist das Stufenheck 1.2 LS von 2006 mit 53 kW/72 PS, das für rund 4.000 Euro gehandelt wird. Solch ein Exemplar hat laut Schwacke im Schnitt 78.000 Kilometer auf dem Zähler.

Kommentare (5)

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Tin

13.10.2012, 11:39 Uhr

Naja...alles Mängel die bei Fahrzeugen aus den VAG Konzern von Neiheit schon auftreten .Getriebe die bei noch nichtmal 7 KM den Geist aufgeben und von defekten TFSI Motoren mal ganz zu schweigen...Und von Seitenfenstern die Plötzlich herunterfallen will ich gar nicht erst anfangen.

W.Winter

13.10.2012, 15:30 Uhr

Wie heisst der eigentlich mit vollem Namen dieser VAG Konzern? Der Avea firmiert unter der Marke von Chvrolet und ist eine Tochter von General Motors.
Ich fahre einen Aveo jetzt schon 7 Jahre (105000 km)ohne auch nur einen der im Artikel genannten Maengel entdecken zu koennen. Sollte ich ein besonders gluecklicher Vogel sein? Wohl kaum.Moeglicherweise moechte der Verfasser des Artikels einen Aveo zu Tiefstpreisen anschaffen. Dann stimmt die Tendenz auf jeden Fall.

blackdust

13.10.2012, 22:50 Uhr

@ Tin, @ W. Winter: Wenn Sie einen solchen Artikel, der lediglich Fakten wieder gibt, nicht vertragen können, warum wählen Sie Ihn dann an (Abgesehen davon, dass man die dargebotene Information auch verstehen können muss)?
Fakt ist offenkundig, dass der Aveo ein Qualitätsproblem hat (s.o.), andere Marken stehen hier nicht zur Debatte. Die o.g. Statistik spiegelt Erfahrungen wider, trifft demnach nicht auf jedes einzelne Kfz (hier: Aveo) zu (wäre ja auch noch trauriger). Ihre "Erfahrungen" hins. der Marke VW tun hier nichts zur Sache, aber um Ihre positiven Erfahrungen mit dem Aveo mit ebensolchen seitens der VAG zu kommentieren: Mein Ibiza 6l mit 190.000km Laufleistung hatte bisher auch keine der von Ihnen genannten (angeblich VW-typischen) Mängel und außer Verschleißteilen nur eine defekte Querlenkerbuchse (ca. 150€). Verbrauch günstig und der Fahranspruch für ein Kfz dieser Größe sicher nicht verschleißarm....
Letztlich spiegelt dieser Artikel m.E. nur eines wider: Man bekommt, was man bezahlt und der Aveo ist nunmal günstig, die Bezahlung demnach eher unterdurchschnittlich.

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